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Frauen und Karriere: Warum Frauen bei Beförderungen übergangen werden

Sie sind fleißig, brennen für Ihren Job - und dennoch werden gerade Frauen bei Gehalt und Beförderungen immer wieder übergangen. Unsere Gastautorin erklärt, warum Frauen in diese Falle tappen - und wie sie sich daraus befreien können. 

Ein Gastbeitrag von Martina Lackner

Frauen im Beruf: Warum werden sie immer übergangen?

Beförderung? Nein, Hinhalten. 

Seit Tagen hatte sich Frau Müller auf das Gespräch vorbereitet. Sie hatte sich auf einen neuen Job beworben. Ihre Qualifikationen passten, seit Jahren gibt sie beruflich Vollgas - eigentlich die perfekte Besetzung für den Job. Nun lud der Chef zum Gespräch. "Frau Müller, Ihre Bewerbung gefällt uns, Sie bringen Know-how und Erfahrung mit, die uns in unserem Team aktuell fehlen", beginnt der Vorgesetzte. "Aber leider kann ich Ihnen derzeit nicht das Level anbieten, das Sie auf ihrer letzten Position bekamen. Aber da wir Sie sehr gerne in unserem Unternehmen haben möchten, sag ich Ihnen, wie wir das machen. Wir werden uns Ihre Umsatzzahlen und Ergebnisse in den kommenden Monaten ansehen. Dann können wir mit Sicherheit diesbezüglich wieder darüber sprechen", so der Chef. Frau Müller nickt. Sie versteht die Argumentation vom Chef, sie kann warten. Sie ist schließlich gut in ihrem Job.

Martina Lackner : Psychologin, Buchautorin und Inhaberin der PR Agentur cross m.

Martina Lackner ist Psychologin, Buchautorin und Inhaberin der PR Agentur cross m. Gemeinsam mit Top-Managerinnen hat sie das Buch "21 Erfolgsfrauen - 21 Karriereformeln" geschrieben. Die Führungsfrauen geben sehr individuelle Einblicke, wie sie es an die Spitze geschafft haben - inklusive Stolpersteinen und verborgenen Machtzentralen der Wirtschaft


Beförderung? Nein, Hinhalte-Taktik

Einige Monate vergehen, Frau Müller arbeitet wie ein Tier. Nach gut einem halben Jahr zieht sie für sich Resümee: Die Umsatzzahlen sind super. Frau Müller ist zufrieden. Der Vorgesetzte meint dazu: "Sie haben natürlich recht, Ihre Ergebnisse sind hervorragend. Aber ich kann Ihnen leider keine Beförderung anbieten. Wir mussten die Stelle mit einem langjährigen MA besetzen. Auch finanziell kann ich da nichts für Sie rausholen", sagt der Chef. "Aber das werden Sie doch verstehen. Unser Unternehmen ist so groß, da wird sich in absehbarer Zeit mit Sicherheit eine Chance für Sie ergeben. Und da stehen Sie dann ganz oben auf meiner Liste." Frau Müller nickt. Sie kann das verstehen. Und wartet.


Was ist passiert?

Der Vorgesetzte hat Hoffnungen bei Frau Müller geweckt. Er wusste, dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dass es zu keiner Beförderung kommt. Er kennt die Regularien und Entscheidungsprozesse in seinem Haus. Aber mit der Aussicht auf eine Beförderung hatte er Frau Müller an der Angel. Sie arbeitet weiter auf hohem Niveau, er kann sich über eine motivierte Mitarbeiterin freuen. Frau Müller hingegen ist in die Beziehungsfalle gestolpert. Bei ihr ist angekommen: Mein Chef bemüht sich und kann möglicherweise nichts dafür, dass die Stelle anderweitig besetzt wurde. Er sieht meine Leistungen und setzt sich für mein Vorankommen im Unternehmen ein. Sein scheinbares Wohlwollen hat sie falsch interpretiert.

Das Problem von Frau Müller ist leider ein sehr weibliches Phänomen in der Berufswelt. Frauen realisieren nicht, dass angedeutete Versprechungen selbst im Moment der Aussage keinen Wahrheitsgehalt haben müssen. Oder nach Ablauf der Zeit ihre Gültigkeit verlieren, weil sich der Kontext geändert hat. Im schlimmsten Fall wurde die Wahl vom "falschen Entscheidungsträger" getroffen. Kurz gesagt: Warten auf eine Beförderung ist keine Option.

Lösungsmöglichkeiten:

- Versuchen Sie herauszufinden, was der wahre Grund für die Hinhaltetaktik Ihres Chef sein könnte. Die Gründe können vielfach sein: Sie reichen von Betriebszugehörigkeit und besonderer Qualifikation eines Kollegen, der Ihnen vorgezogen wird, bis zur tatsächlichen Unwilligkeit, eine Frau in die Führungsetage zu befördern. Klare Erkenntnisse über mögliche Gründe machen Ihnen Entscheidungen einfacher, welche Handlungen Sie als nächstes setzen.


- In Matrixorganisationen gibt es immer mehrere Ansprechpartner auf der Führungsebene. Suchen Sie das Gespräch mit einem anderen Chef, wenn Sie das Gefühl haben, ihr erster Ansprechpartner wird nichts für Sie tun.
- Dauert die Hinhaltetaktik zu lange an, hat sie Systemcharakter. Man will Sie kurzum nicht befördern. In der Regel erfahren Sie den genauen Grund auch nicht. Sie müssen sich entscheiden, ob Sie in einem solchen Unternehmen glücklich werden - oder sich trennen. Auch wenn Trennungen mit Ängsten verbunden sind, bergen sie doch immer auch die Chance auf einen Aufstieg, den man Ihnen bisher verwehrt hat.

Mitarbeit: Katharina Grimm