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264 Kündigungen zurückgenommen: Posse um Servus TV: Wie der Red-Bull-Chef einen Betriebsrat verhindert

Am Dienstag noch wurde das Ende von Servus TV verkündet und alle Mitarbeiter entlassen. Doch Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz wollte offenbar lediglich die Gründung eines Betriebsrates verhindern. Nachdem die Mitarbeiter zu Kreuze krochen, dürfen alle weitermachen

Servus TV und Mateschitz

Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz dreht seinem Sender Servus TV den Saft doch nicht ab

In der Posse um die Schließung des Red-Bull-Senders Servus TV hat Patriarch Dietrich Mateschitz mal eben seine Muskeln spielen lassen. Noch am Dienstag hieß es, der Spartensender, der sich mit Dokumentationen und Sportübertragungen - unter anderem der Deutschen Eishockey Liga - einen Namen gemacht hat, werde aus wirtschaftlichen Gründen dichtgemacht. Man habe einen dreistelligen Millionenbetrag investiert, trotzdem sei keine positive Entwicklung zu erwarten, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Die "Salzburger Nachrichten" berichteten, schon Ende Juni sei Schluss, allen 264 Mitarbeitern sei bereits gekündigt worden. 

Für Aufsehen sorgten allerdings die Worte von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz, der eine Initiative zur Gründung eines Betriebsrates mitverantwortlich für die Schließung machte. "Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV. Die Betriebsratsgründung hätte diese Werte insbesondere durch die Art und Weise ihres Zustandekommens - anonym, unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer - nachhaltig beschädigt. Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation des Senders nicht gerade dienlich war, ist evident", sagte Mateschitz den "Salzburger Nachrichten"

Red-Bull-Chef in der Kritik

Gewerkschaft und Arbeiterkammer reagierten "fassungslos und entsetzt" auf die Aussagen von Mateschitz. "Was soll an der Vorgehensweise über Betriebsratswahlen nachzudenken nicht dienlich sein?" fragte Arbeiterkammer-Präsident Siegrfied Pichler laut Salzburger Nachrichten. "Wir leben in Österreich und nicht auf irgendeiner Bananenrepublik", erklärte Gewerkschaftsführer Gerald Forcher.

Das nächste Kapitel in der Posse: Mehr als 200 Mitarbeiter unterschrieben einen Brief, in dem sie sich gegen die Gründung der Arbeitnehmervertretung aussprechen. "Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir - und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von Servus TV - ausdrücklich nicht", heißt es darin. "Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat." Und mehr noch: Es sei ihnen kein Unternehmen bekannt, dass einen derart sozialen und loyalen Umgang mit seinen Mitarbeitern pflege wie Servus TV und Red Bull.

Die Wende bei Servus TV

Diese Unterwürfigkeit hat dem Red-Bull-Patriarchen offenbar gut gefallen. Am Mittwochnachmittag verkündete das Unternehmen überraschend, den Sender doch nicht vom Netz zu nehmen und alle Kündigungen zu kassieren. Nach einem "konstruktiven Gespräch" zwischen Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Red Bull habe man sich entschieden, den Sender fortzuführen und alle Kündigungen zurückzunehmen. "Die Fortsetzung der partei-politisch unabhängigen Linie wird von allen Beteiligten begrüßt", heißt es in der Mitteilung. Die Idee, einen Betriebsrat zu gründen, ist damit vom Tisch.