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TV-Tipp 18.11.: "Magere Zeiten - der Film mit dem Schwein": Schweinereien in der Upperclass

Wer braucht ein Pferd auf'm Flur, wenn er ein Schwein im Wohnzimmer hat? Doch das bleibt nicht die einzige Sauerei in dieser durch und durch britischen Komödie über Standesdünkel und Aufstiegsträume.

Schweine unter sich? Diese hohen Herren haben "Peggy" zum Fressen gern

Schweine unter sich? Diese hohen Herren haben "Peggy" zum Fressen gern

"It's not just pork, it's power!" - Joyce

"Magere Zeiten - der Film mit dem Schwein" 21.55 Uhr, Servus TV


SCHWARZE KOMÖDIE Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, doch noch immer wird das Essen in Großbritannien streng rationiert. Sehr zum Ärger der feinen Gesellschaft einer nordenglischen Kleinstadt, die anlässlich der Hochzeit von Königin Elizabeth II. ein Festbankett schmeißen will. Doch Geld macht bekanntlich so einiges möglich: Heimlich lässt sich die Upperclass ein Schwein heranzüchten. Doch "Betty" gerät in die Hände von Fußpfleger Gilbert Chilvers (Michael "Monty Python" Palin), dessen Frau Joyce (Maggie "Minerva McGonagall" Smith) endlich auch zu den Reichen und Schönen gehören will. Und wäre die Sache noch nicht kompliziert genug, müssen alle Beteiligten das Borstentier vor Mr. Wormold (Bill Paterson ) verstecken, dem peniblen Fleischinspektor ohne Geruchssinn.

Natürlich sind die wahren Schweine in diesem Film von 1984 die Menschen - allen voran die Mover und Shaker des Geldadels. Der Arzt echauffiert sich, dass er seit der Gesundheitsreform jeden dahergelaufenen Patienten behandeln muss und sabotiert die Geschäftseröffnung von Chilvers Fußpflegeladen. Selbst die Kleinsten blicken mit Verachtung auf die weniger Betuchten herab: "Arme Leute stinken immer!" kommentiert die Klavierschülerin den seltsamen Geruch im Hause Chilvers. Doch es wäre keine britische Komödie, würden nicht auch die 'kleinen Leute' ihr Fett wegbekommen. Maggie Smith spielt Joyce Gilbert als unsymphatische Zippe, die es gerade deswegen wohlverdient hätte, in die erlauchten Kreise aufzustegen. Dass sie ihren hasenfüßigen Ehemann anherrscht, als der zu Tisch von Mrs. Rogers' nach innen wachsenden Zehnägel spricht, kann der Rezensent allerdings verstehen.

Eine Warnung noch an alle Vegetarier, Political-Correctness-Fanatiker und Zartbesaitete: In "A Private Function" wird ganz nebenbei ein gerupftes Hühnchen geköpft, abgeknipste Fußnägel landen im Essen, Schlachterhände pulen Innereien aus hinteren Öffnungen, der Fleischinspektor wird "Gestapo" gerufen und ein Schwein leidet unter chronischem Durchfall. Wer damit nicht leben kann, guckt lieber "Ein Schwinchen namens Babe". Für die anderen: Genießt diese herrliche Sauerei!

PS: Auf Youtube habe ich diesen Mock-Trailer gefunden: "Magere Zeiten" geschnitten als wäre der Film ein tieftrauriges Drama. Urkomisch.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Huhn mit Pflaumen"
20.15 Uhr, Arte
TRAGIKOMÖDIE Teheran, 1958: Seine große Liebe Irâne (Golshifte Farahani) durfte Nasser (Mathieu Amalric) nicht heiraten. Auf Wunsch von Mama (Isabella Rossellini) nahm er Faringuisse zur Frau. Solange sich der Geigenvirtuose im Violinspiel ausweinen kann, erträgt er sein Leid. Als Faringuisse das Instrument jedoch im Streit zerbricht, legt er sich zu Bett, um zu sterben. Das Leben zieht an ihm vorbei. Und der Geruch seines Lieblingsgerichts, mit dem Faringuisse versucht, ihn umzustimmen... Die Iranerin Marjane Satrapi ("Persepolis") schuf ein visuell überbordendes Melodram, in dem Reales und Übersinnliches ineinanderfließen, das zuweilen zerfleddert, aber traumschöne Bilder findet. (bis 21.45)

"Hab keine Angst, Bi!"
23.55 Uhr, Arte

DRAMA Die Tante begehrt einen ihrer Schüler, Vater geht mit der Friseurin fremd, Mutter erträgt still ihr Leid. Einzig im kranken Großvater findet der 6-jährige Bi einen Vertrauten. Aber wie lang wird der noch da sein? – Platzende Lebensträume, made in Vietnam: spannendes Debüt. (bis 1.10)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo