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TV-Tipps 1.5: "Persepolis": Wie ein Kind die Revolution erlebt

Ihre Kindheitserinnerungen im Iran hat Marjane Satrapi in einem preisgekrönten Comic festgehalten. Die Zeichentrickversion von "Persepolis" ist ebenso liebevoll gezeichnet - unser TV-Tipp des Tages.

Marjanes Attitüde stimmt, auch wenn es mit der Rechtschreibung noch etwas hapert. Dummerweise ist Punk so ziemlich das letzte, mit dem man bei den Sittenwächtern im Iran punkten kann

Marjanes Attitüde stimmt, auch wenn es mit der Rechtschreibung noch etwas hapert. Dummerweise ist Punk so ziemlich das letzte, mit dem man bei den Sittenwächtern im Iran punkten kann

"Persepolis"
18.30 Uhr, Einsfestival
Vor sieben Jahren erschien im französischen Verlag L’Associatio "Persepolis", Marjane Satrapis autobiographischer Comic, der von den Rezensenten schnell mit Art Spiegelmanns preisgekröntem Werk "Maus" in Verbindung gebracht wurde. In vier Bänden hatte die iranische Zeichnerin Bemerkenswertes geleistet: Stets aus der Sicht ihres jungen Alter Ego erzählend brachte sie die eigenen Kindheits- und Jugenderlebnisse zu Papier und schaffte es gleichzeitig, trotz einer durchaus traurigen und bisweilen bissig gesellschaftskritischen Grundthematik, niemals den humoristischen Unterton zu verlieren.

2007 wurde diese Geschichte auf die große Leinwand gebracht. Soviel vorweg: Die Übertragung der expressionistischen Schwarzweißbilder des Comics, die gerade in ihrer kindhaften Schlichtheit so eindrucksvoll wirken und Absurdität und Grausamkeit eines religiösen Regimes mit kindlicher Logik zu entlarven wissen, ist rundum gelungen. Verwundern muss das nicht: Schließlich hat sich Satrapi ihr eigenes Werk nicht aus der Hand nehmen lassen, sondern in Zusammenarbeit mit dem französischen Comic-Künstler Vincent Paronnaud selbst Regie und Drehbuch übernommen. Erfrischenderweise wurde vollständig auf computergenerierte Animationen oder Spezialeffekte verzichtet: Persepolis ist einer der ganz wenigen Zeichentrickfilme, bei denen die einzelnen Bilder tatsächlich noch von Hand gezeichnet wurden.

Der teure Preis der Freiheit

Dass bei der Umsetzung eines 350 Seiten starken Werkes nicht alle Episoden 1:1 übernommen werden können und einiges, vor allem aus dem abschließenden vierten Band, gerafft werden musste, stört keineswegs. Niemals wird der Film verwirrend oder gar unverständlich - auch nicht für ein Publikum, das die Buchvorlage nicht kennt. In bewegten Bildern führt uns Satrapi einen Iran vor Augen, in dem das öffentliche Leben größtenteils Schein und Tarnung ist und sich die wahre Persönlichkeit nur im Privaten entfalten kann. Dass selbst dies nur unter beachtlichen Gefahren für Leib und Leben möglich ist, daran werden die Zuschauer stetig erinnert.

Immer wieder kippt die Stimmung: Haben wir uns gerade zurückgelehnt und mit oder auch einmal über die sympathischen Figuren auf der Leinwand gelacht, heulen plötzlich Alarmsirenen auf, bedrohliche Religionswächter betreten die Bühne, lieb gewonnene Protagonisten sterben. Tod, Krieg und Verfolgung werden zu einem alltäglichen Begleiter, den Marjanes Kommilitonen an der Wiener Uni nicht verstehen können.

Persepolis allerdings nur als Anklage gegen die Brutalität und Grausamkeit der iranischen Machthaber zu lesen, wäre eine fälschliche Verkürzung. Auch der "Westen" - hier in Form der österreichischen Hauptstadt Wien - verliert schnell eines Paradieses auf Erden. Zwar besitzt die pubertierende Marjane dort die Freiheit, zu sagen und zu tun, was sie möchte, doch bezahlt sie diese mit einem teuren Preis: dem Verlust ihrer Heimat. Als Iranerin in Wien bleibt sie eine Kuriosität aus einem fremden Land, die von den Einheimischen stets mit Misstrauen und Argwohn beäugt wird.

Gerade in diesen Momenten des Films darf sich so mancher Zuschauer ertappt fühlen. Iran, ist das nicht auch für uns nur eine Ansammlung religiöser Fanatiker, ein Teil der "Achse der Bösen", der offene Vernichtungsdrohungen gegen Israel ausspricht? Satrapi rückt dieses Bild wieder zurecht: Sie zeigt ein Volk, das unter einer diktatorischen Regierung zu leiden hat, aber ansonsten ebenso liebt, trinkt, lacht und weint wie jeder andere Mensch auf der Erde auch. Vor allem aber zeigt Marjane Satrapis Film die unglaubliche Sehnsucht danach, irgendwann in ferner Zukunft nicht mehr zwischen Freiheit oder Heimat entscheiden zu müssen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Killer Elite"
22.00 Uhr, RTL
ACTION Wo Jason Statham draufsteht, ist Action drin. Da macht dieser Film keine Ausnahme. Diesmal aber bleibt neben wilden Schusswechseln und Kloppereien auch Raum für eine "echte" Handlung. Erzählt wird die angeblich auf Tatsachen basierende Geschichte einer geheim operierenden Söldnertruppe unter Führung von Danny Bryce (Statham). Das Team soll im Auftrag eines arabischen Scheichs ehemalige britische Elitesoldaten (u. a. Clive Owen) töten. Um sicherzustellen, dass der Job auch durchgeführt wird, halten die Araber Dannys Mentor und Freund Hunter (Robert De Niro) gefangen... Jason-Statham-Kenner wissen: So was macht den Mann wütend. Sauwütend. (bis 0.10)

"Der kleine Nick"
14.10 Uhr, Einsfestival

KOMÖDIE Als Lausbub Nick glaubt, Mama sei wieder schwanger, steigt Panik in ihm auf. Werden die Eltern (u. a. "Sch'ti"-Star Kad Merad) ihn jetzt im Wald aussetzen, um Zeit für das Baby zu haben? - Bezaubernde Adaption des französischen Kinderbuchklassikers mit feinem Retrochic. (bis 15.35)

"Kniefall, Mittelfinger und Turnschuh-Eid"
19.15 Uhr, ARD

DOKU Im großen TV-Ranking-Wahn kommen hier die legendärsten Gesten aus Politik, Pop und Sport. Wozu? Das versuchen Kommentatoren wie Ulrich Wickert oder Roger Willemsen zu erklären. (bis 20.00)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo