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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Frauen, verweigert eure Arbeitskraft!

Fast drei Monate länger müssen Frauen im Jahr arbeiten, um das gleiche Gehalt wie Männer zu bekommen. Das ist alles andere als fair. Für den nächsten Equal Pay Day hat unsere Autorin eine Idee.

Von Silke Müller

Bis zum 20. März haben Frauen - wenn man ihre Gehälter mit denen ihrer männlichen Kollegen vergleicht - umsonst gearbeitet. Das fanden Besucher einer Equal-Pay-Day-Demonstration in Bern schon einen Tag vor dem Internationalen Frauentag am 8. März 2015 ungerecht

Bis zum 20. März haben Frauen - wenn man ihre Gehälter mit denen ihrer männlichen Kollegen vergleicht - umsonst gearbeitet. Das fanden Besucher einer Equal-Pay-Day-Demonstration in Bern schon einen Tag vor dem Internationalen Frauentag am 8. März 2015 ungerecht

Seit acht Jahren markiert der Equal Pay Day jenen Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um genau so viel zu verdienen wie ihre männlichen Kollegen bis Jahresende.

FAST. DREI. MONATE.

Das ist nicht nur ungerecht, ignorant und kontraproduktiv, das ist zum Kotzen.

Warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Hier mal die fünf am häufigsten angeführten Argumente, warum Frauen immer noch 22 Prozent weniger verdienen als Männer:

• Frauen vehandeln zu schlecht.

Mit wem denn? Und wer legt hier überhaupt fest, wie man gut verhandelt?

• Frauen wollen Harmonie und kämpfen zu wenig.

Warum wird Kampf als einzig erfolgreiche Kommunikationsstrategie akzeptiert? Und wer verhindert, dass sachlicher und gerechter entschieden wird?

• Frauen sind naiv, was Gehaltsvorstellungen angeht.

Aber warum schätzen sie den Wert ihrer Arbeit so viel geringer als ihre männlichen Kollegen?

• Frauen arbeiten zu viel Teilzeit.

Ja, warum nur?

• Frauen unterbrechen ihre Karriere zu oft aus familiären Gründen.

Siehe oben.

Verdienst-Lücke bleibt

Alle Argumente sind ausgetauscht, alle halbherzigen Versuche, die Ungerechtigkeit zu mindern, folgenlos. Die Verdienst-Lücke zwischen den Geschlechtern bleibt konstant.

Auch die Forderung nach transparenten Gehältern ist ein weiterer, artiger, untertänigster Versuch der Frauen, sich nach der Decke zu strecken. Fair zu spielen in einem Match, das Fairness bestraft. Aber die Männer ziehen sie weg. So ist das, und so wird es bleiben, so lange die Herren sich die Jobs und Pöstchen gegenseitig zuschieben, sich gegenseitig mit hohen Gehältern und Bonuszahlungen ihren Wert bestätigen und ihre Loyalität erkaufen.

2016: Streik der Frauen

Und deswegen sollten wir Frauen, die noch immer jeden Tag die Kohlen aus dem Feuer holen, um zu beweisen, dass sie mindestens so gut, so schnell und so einsatzfreudig wie die männlichen Kollegen sind, den Equal Pay Day 2016 in einen Equal Pay Mayday verwandeln.

Schluss mit dem Gesülze. 24 Stunden Frauen-Blockupy. Einfach mal einen ganzen Tag lang stoppen, was wir sonst immer so eifrig befördern.

Wenn 140 Minuten Sonnenfinsternis die Weltenergieversorgung gefährden können - was meint Ihr, Kolleginnen, was bei uns drin ist?

Autorin Silke Müller kotzt die ungerechte Lohnverteilung von Frauen und Männer einfach nur noch an. Folgen Sie ihr auf Twitter unter @silkeundmueller

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