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Massaker zum Anziehen: Modekette Urban Outfitters schockiert mit Blutspritzern

Blut, Dreck und Abschürfungen zum Preis von 129 Dollar: Die US-Bekleidungsfirma Urban Outfitters weckt mit einem Pulli Erinnerungen an ein Uni-Massaker. Nicht der erste Totalausfall der Modekette.

Geschmacklose Erinnerung an eine Tragödie: Im Jahr 1970 erschoss die Polizei vier Studenten bei Protesten gegen den Vietnam-Krieg

Geschmacklose Erinnerung an eine Tragödie: Im Jahr 1970 erschoss die Polizei vier Studenten bei Protesten gegen den Vietnam-Krieg

Eine Marketing-Binse besagt: Es gibt keine schlechte PR. Schließlich erhöhen auch Negativ-Schlagzeilen die Bekanntheit. Wie das funktioniert, zeigt beispielhaft die US-Kette Urban Outfitters, die unter der Bezeichnung "Vintage Kent State Sweatshirt" einen Artikel in ihren Online-Store gestellt hat, der einen Skandal geradezu provoziert.

Der verwaschen aussehende Pullover zeigt einige rote Spritzer, die wie Blut wirken, und dunkle Flecken, als wäre das Teil über Asphalt gezogen worden. Dazu prangt auf der Front der Schriftzug "Kent State University". Nun muss man wissen, dass an eben jener Universität im US-Bundesstaat Ohio im Mai 1970 vier Studenten, die auf dem Campus gegen den Vietnamkrieg protestiert hatten, von Mitgliedern der Nationalgarde erschossen worden waren. Neun weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Nicht wirklich ein Motiv für ein Shirt. Mittlerweile steht der Pulli nicht mehr zum Verkauf, Screenshots aus dem Online-Store der Firma kursieren allerdings in den sozialen Netzwerken und sorgen dort für Empörung.

Entschuldigung aus der Retorte

Die Wirtschaftsausgabe "Money" des "Time magazine" etwa attestiert Urban Outfitters, dass ihr Markenname mittlerweile zu einem Synonym für anstößige Bekleidung geworden sei. In der Vergangenheit gab es T-Shirts mit Schriftzügen wie "depression" oder "eat less" (iss weniger) oder einem Stern auf der Brust, der Erinnerungen an den Holocaust weckte.

Obwohl Letzteres schon im Jahr 2012 für Aufregung gesorgt hatte, hinderte dies die spanische Bekleidungsmarke Zara diesen Sommer nicht daran, in exakt den gleichen Fettnapf zu treten. "Money" sieht in solchen Aktionen kein Versehen, sondern gezielte Provokation, um besonders junge Käuferschichten zu erreichen, zu denen die Werber ansonsten nur schwer durchdringen würden.

Zu dieser Theorie passt, dass es sich laut Urban Outfitters bei dem Pullover um ein Einzelstück gehandelt habe. Der Artikel war am Montag auf der Website des Unternehmens ausverkauft, tauchte aber auf Ebay mit einem Erstgebot von 550 Dollar und einem Sofort-Kaufpreis von 2500 Dollar (1935 Euro) auf. "Perfekt für Halloween", hieß es in der Beschreibung der Auktion

Mittlerweile gibt es zwar einen Entschuldigungs-Tweet der Firma. Dieser klingt jedoch ziemlich gestelzt und erhitzt die Gemüter der Kunden nur noch mehr.

So schreibt Nutzerin Mackenna Manidis: "Ich hab gesehen, dass ihr euch für den Diebstahl der Kunst anderer entschuldigt, die Ausbeutung fremder Kulturen, Essstörungen und nun für diese Tragödie." Andere, wie @SamSPN67, kündigen gleich an, die Läden der Kette nie wieder betreten zu wollen.

Dass taktlose Werbung oder geschmacklose Produkte den Ruf nachhaltig schädigen können, mussten schon viele Mode-Unternehmen erfahren. Die italienische Bekleidungsfirma United Colors of Benetton sicherte sich mit ihrer HIV-Kampagne von 1991 sogar einen unrühmlichen Platz im "Guinness Buch der Rekorde" unter dem Stichpunkt kontroverseste Werbekampagne der Welt. Image und Absatz waren auf lange Zeit ruiniert.

ono mit DPA
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