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McDonald's: Salate schmücken die Bilanzen

Der Trend zur gesunden Ernährung setzt die Fastfood-Ketten unter Druck - McDonald's kann dank einer klugen Produktpolitik dennoch gute Bilanzen vorlegen: Auf dem europäischen Markt ziehen vor allem Wraps und Salate.

Von Jens Korte

In einer Studie wurden Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren Hamburger, Chicken Nuggets, Pommes frites, aber auch Karotten und Milch vorgesetzt. Dabei wurde das Menü sowohl in McDonald's-Verpackungen serviert als auch in Verpackungen ohne Logo. Egal, ob die Speisen aus herkömmlichen Supermärkten stammten oder nicht, den Kids schmeckte alles aus der McDonald's-Tüte am besten. Die Marke McDonald's zieht. In der neuesten Hitliste der weltweit wertvollsten Marken, die jährlich von der "Business Week" und dem Marktforscher Interbrand veröffentlicht wird, belegt McDonald's den achten Platz - gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um einen Rang. Die Topmarke ist nach wie vor Coca-Cola.

Über 60 Prozent der Amerikaner gelten laut US-Gesundheitsministerium als übergewichtig, und bei Kindern bringen 16 Prozent zu viel auf die Waage. Die Schätzungen für 2015 klingen alarmierend. Die Behörde erwartet, dass in sieben Jahren zwei Drittel der amerikanischen Erwachsenen und jedes vierte Kind zu kräftig sein werden. Der Ruf nach gesünderer und kalorienärmerer Ernährung wird auch in den USA lauter. Das Umfeld für die Fast-Food-Ketten wird dementsprechend schwieriger. "McDonald's schafft es trotzdem, in einer Zeit, in der die Fast-Food-Industrie vor erheblichen Problemen steht, konstant positive Ergebnisse zu erzielen", sagt Larry Miller, Analyst von RBC Capital Markets.

In Europa sind Salate und Wraps ein Erfolg

Zum Erfolgsrezept gehört vor allem eine anpassungsfähige Produktpolitik. Das gilt sowohl für den heimischen Markt als auch für das Auslandsgeschäft. In den USA haben sich das erweiterte Frühstücksangebot und längere Öffnungszeiten als Wachstumsbringer erwiesen. In Nordamerika erzielt McDonald's in den Morgenstunden mit Snacks wie Eier-McMuffins, Bagel-Sandwiches oder McGriddles jährlich rund 6,5 Milliarden US-Dollar. Das entspricht rund 25 Prozent des Gesamtumsatzes. In Anlehnung an den Erfolg der Kaffeehauskette Starbucks setzt McDonald's zudem verstärkt auf Kaffeeprodukte wie Eiskaffee oder Espressovariationen.

Die stärksten Zuwächse verbucht McDonald's außerhalb des noch umsatzstärksten Heimatmarkts. Im Juli stiegen die Verkaufszahlen in den USA um 4,3 Prozent. In Europa lagen die Zuwächse bei 7,7 Prozent und in Asien, dem Nahen Osten und Afrika kombiniert bei fast zehn Prozent. Vor allem für China hegt das Unternehmen große Wachstumsfantasien. In China betreibt McDonald's derzeit 800 Filialen. Pro Jahr sollen rund 100 Restaurants hinzukommen. Auf dem, noch vor kurzem problematischen, europäischen Markt haben Salatvariationen, Hühnersandwiches und Wraps in den vergangenen Quartalen das Geschäft deutlich belebt.

Immer mehr gesundere Alternativen im Angebot

Wie ein Großteil der Analysten, die an der Wall Street McDonald's bewerten, hält John Staszak von Argus Research McDonald's für eine gute Anlage: "Der Konzern hat sein Europageschäft wieder auf Vordermann gebracht, unter anderem indem das Angebot der beliebten Sparmenüs ausgeweitet wurde. Die Kette bietet zunehmend gesünderes Essen an wie Wraps oder Salate." Natürlich stelle die Übergewichtsdebatte ein Risiko für ein Fast-Food-Unternehmen dar. "Weil sich das Unternehmen zunehmend mit den Kaffeeprodukten positioniert, dürften sich daraus aber keine größeren Probleme ergeben." Laut Bloomberg gibt keiner der befragten Analysten eine Verkaufsempfehlung für die Aktie. Die meisten Experten raten zum Kauf.

Kurzfristig könnte McDonald's allerdings eine Wachstumsdelle erleiden. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte das Unternehmen den Umsatz im Geschäftsjahr 2006 um 7,8 Prozent. Für 2007 wird ein Zuwachs um nur 3,2 Prozent auf 22,9 Milliarden US-Dollar erwartet. Allerdings soll die opulente zweistellige Marge weiter steigen; gleichzeitig soll den Erwartungen zufolge das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie sinken - ein gutes Zeichen. Laut John Owens, Analyst bei Morningstar, ist McDonald's vor vorübergehenden Rückschlägen allerdings nicht gefeit. "Der Konzern kann von Umständen betroffen sein, die außerhalb seiner Kontrolle liegen, wie die Verbreitung der Vogelgrippe oder BSE." Doch langfristig könne der Konzern auch solche Situationen meistern. Owens geht davon aus, dass McDonald's künftig gesunde Renditen erwirtschaftet.

FTD
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