HOME

Überbewertetes Gemüse: Igitt, Pumpkin Spice Latte! Warum mich der Hype um Kürbis nervt

Kürbissuppe, Kürbis-Carbonara, Kürbis im Salat, Kürbis im Kaffee, Kürbis überall. Warum eigentlich? Genussredakteurin Denise Wachter findet, dem Gemüse wird viel zu viel Beachtung geschenkt.

Kürbis

Igitt, Pumpkin Spice Latte: Das wohl überschätzte Getränk der Welt!

Die Invasion des Kürbis hat wieder begonnen. Wo man auch hingeht, vor Kürbis kann man sich im Herbst eigentlich kaum schützen. Die meisten haben Freude an dem farbenfrohen Herbstgemüse, für mich ist es ein Graus. Erst heute habe ich wieder auf den Speiseplan in der Kantine geguckt: Es gibt Risotto – natürlich mit Kürbis. Vor einigen Tagen kam mein Freund nach Hause und fuchtelte mit einem gewaltigen Koloss vor meiner Nase herum: "Es gibt endlich wieder Kürbis. Lass uns was kochen!" Nein! Ich möchte daraus nichts kochen, ich mag Kürbis überhaupt nicht. Er ist schwer, unhandlich und schmeckt, wenn man ihm nicht ordentlich Schärfe, Knoblauch oder Kräuter unterjubelt, eigentlich nach gar nichts.

Am nervigsten sind Starbucks, Balzac und Co. Sie feiern die Herbstzeit, denn das bedeutet sie können endlich wieder die überhypte Plörre namens Pumpkin Spice Latte anbieten. Das schlimmste daran: In diesem vermeintlich köstlichen Getränk ist nicht einmal echter Kürbis drin! Das heißt, sie könnten das Gesöff eigentlich das ganze Jahr über anbieten. Der Pumpkin Spice Latte besteht aus einem Sirup, der mit heißer Milch aufgegossen wird, optional gibt es eine Sahnehaube darauf. Dass das hippe Getränk dafür verantwortlich ist, dass die Speckröllchen über den Winter so richtig wachsen, ist den meisten wahrscheinlich gar nicht bewusst. Der Sirup enthält Zucker, künstliche Aromastoffe, Konservierungsstoffe und Sulfite. Ein Pumpkin Spice Latte bringt es auf bis zu 330 Kilokalorien. Nur im Vergleich: Der Latte Macchiato kommt auf 170 bis 230 Kalorien.

Halloween-Kritik für Profis: So speit Ihr Kürbis auf der Party ekeligen Schaum

Kürbissuppe: Was soll das eigentlich?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe überhaupt nichts dagegen, dass man sich saisonal ernährt. Im Gegenteil: Sich bewusst zu ernähren ist klasse. Aber muss man einzelne Lebensmittel so hochjubeln? In Restaurants kommt man in diesen Tagen an der Kürbissuppe kaum vorbei. Aber was finden die Leute eigentlich daran? Sie schmeckt fad, zu fett und wenn die Suppe nicht gut genug püriert oder passiert wurde, stecken die Kürbisfäden zwischen den Zähnen fest.

Dann ist da die Größe. Versucht man das orangefarbene Monstrum mit dem Messer zu zerlegen, muss man höllisch aufpassen, seinen Arm nicht abzuhacken. Und was für ein Messer kann einem Kürbis überhaupt Stand halten? Vielleicht eine Axt? Oder gibt es zu den extra-großen Prachtstücken eine Säge im Vorteilspaket dazu?

Ich finde es gut, wenn man Rezepte abwandelt und ihnen einen individuellen Schliff gibt. Aber eine Spaghetti Carbonara wird nicht besser, wenn man Kürbisstückchen unterhebt. Kartoffelpüree hat sowieso keine Konkurrenz – auch nicht den Kürbis. Und ein Pumpkin Spice Latte ist einfach eine niveaulose Erfindung der Amerikaner. Kürbis ist ein Gemüse, das ganz klar überbewertet ist. Aber gut, der Herbst währt ja nicht ewig. Vielleicht ist es dann der Kohl, der das Fass zum Überlaufen bringt ...