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MEDIEN: Georg Kofler, der Hoffnungsträger

Premiere steht vor der Pleite und alle sind sich einig: wenn überhaupt noch einer das defizitäre und hoch verschuldete PayTV der KirchGruppe am Leben erhalten kann, dann der 44-jährige Südtiroler.

Beim Bezahlsender Premiere ruhen fast alle Hoffnungen auf Georg Kofler. Wenn einer das defizitäre und hoch verschuldete Bezahlfernsehen der KirchGruppe im Fall einer Insolvenz am Leben erhalten kann, dann der 44-jährige Südtiroler, sind sich Mitarbeiter und Gesellschafter einig. Kofler darf seine Sanierungsarbeit daher wohl auch fortsetzen, falls Rupert Murdoch nach einem Insolvenzverfahren die Mehrheit an Premiere übernehmen sollte. Kofler gilt als einer der großen Pioniere des deutschen Privatfernsehens.

Kofler ist eine Kämpfernatur

Geboren in Bruneck im Südtiroler Pustertal wuchs er in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater, der früh starb, war zunächst Holzfäller, dann als Gastarbeiter bei Mannesmann in München. Seine Mutter arbeitete in einer Fabrik. Als Halbwaise erhielt Kofler ein Stipendium im Knabenseminar Vincentinum in Brixen. In den Ferien half er bei seinem Onkel auf dem Bauernhof aus. Nebenher machte er eine Skilehrer-Ausbildung.

Sehr guter Ruf

In der Medienbranche gilt Kofler vor allem als einer, der etwas aufbauen kann. Als er im Januar überraschend Premiere-Chef wurde, schwärmte er von seiner Aufgabe. »Ich will innerhalb weniger Wochen Mister Premiere werden, so wie ich früher Mister ProSieben war«, sagte er. Für einen Programmmacher sei Premiere ein Paradies. Die knapp eine Milliarde Euro operativer Verlust, die Premiere allein im vergangen Jahr erzielte, rückten in der öffentlichen Wahrnehmung kurzzeitig fast schon in den Hintergrund. Kurz darauf präsentierte er einen harten Sanierungskurs, dem mindestens 800 der 2.400 Arbeitsplätze geopfert werden sollen. Dennoch glauben die Mitarbeiter an Kofler als Retter. Die Begeisterung des Südtirolers sei ansteckend, durch das Unternehmen ein Ruck gegangen, sagt ein Beschäftigter.

Früher Kontakt zu Kirch

Nach einem Publizistik-Studium in Wien und einer Tätigkeit als Forschungsassistent hatte Kofler seine Karriere 1985 als persönlicher Referent des ORF-Generalintendanten gestartet. Zwei Jahre später holte Leo Kirch ihn als Büroleiter nach München. Auch wenn Kofler gelegtentlich auf seine Eigenständigkeit pochte, blieb das Verhältnis der beiden in den vergangenen 15 Jahren eng.

Selbst ShoppingTV wurde spannend

Im Herbst 1988 wurde Kofler Geschäftsführer des privaten Fernsehsenders Eureka TV, der kurz darauf in ProSieben umbenannt wurde. Kofler machte den Kanal schnell zu einem hochprofitablen Spielfilmsender. Auch das Tochterunternehmen Kabel 1 kam in die schwarzen Zahlen. 1997 startete der Konzern an der Börse. Als Kofler Anfang 2000 bei ProSiebenSAT.1 zurücktrat und später die Führung ausgerechnet bei der Einkaufssender-Kette H.O.T. übernahm, löste das in der Branche Kopfschütteln aus. Doch Kofler gelang es mit seiner Begeisterungsfähigkeit, selbst das Geschäft mit den Einkaufssendern als faszinierendste Aufgabe im TV-Geschäft zu vermitteln.

Folgte dem Ruf sofort

Auch wenn die Einkaufssender unter Kofler rasch expandierten, wurde es ihm wohl doch zu langweilig. Mit Leo Kirch hatte er regelmäßig telefonisch Kontakt gehalten. Nach zahlreichen Personalwechseln an der Spitze von Premiere holte der Medienmogul ihn als Feuerwehrmann zum Bezahlsender Premiere. Kofler überlegte nach eigenen Angaben nicht lange und übernahm die vielleicht schwerste Aufgabe, die die TV-Branche in Deutschland derzeit zu bieten hat.

Schwerstes Jahr

Günstigere Einstiegspreise, weniger Personal und mehr Sex im Programm, lautet sein Patentrezept. Allerdings sieht auch Kofler erst 2005 die Chance die Gewinnzone zu erreichen. »Wenn wir dieses Jahr überstanden haben, sind wir aus dem Gröbsten raus«, sagte Kofler. Überleben wird der Sender aber nur mit einem starken Partner. In Frage kommt dabei praktisch nur Rupert Murdoch, der Geld und Erfahrung mitbringen könnte. Kofler muss derzeit abwarten. Etwas, was dem umtriebigen Manager gar nicht gefallen dürfte.

Axel Höpner