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MEDIEN Kirch-Beteiligungen locken Konkurrenten


Durch die finazielle Notlage der KirchGruppe kommt Bewegung in die deutsche Medienlandschaft: Konkurrenten bietet sich die seltene Gelegenheit einer Einkaufstour.

Angesichts der kritischen Finanzlage beim Münchener Medienkonzern Kirch Media sehen manche Branchenexperten bereits einen Umbruch der gesamten deutschen Medienlandschaft kommen. Analysten machen gleich mehrere Firmen aus, die Interesse an der Kirch-Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media oder dem 40-prozentigen Kirch-Anteil am Springer-Verlag haben könnten. »Da würden sich einige die Finger nach lecken«, sagt etwa Oliver Rupprecht von M.M. Warburg. »Aber wir haben in Deutschland ein strenges Mediengesetz«, schränkt er ein. Das macht Übernahmen schwierig, und sowohl der Presse- als auch der Rundfunkmarkt sind derzeit klar aufgeteilt. Damit haben deutsche Medienkonzerne im Inland nur wenig Expansions-Chancen.

Seltene Gelegenheit

Verlagsgruppen wie die »Westdeutsche Allgemeine Zeitung« (WAZ) und Holtzbrinck haben mit Sicherheit Interesse an dem Springer-Paket, sagt Rupprecht. Auch die News Corp des Australo-Amerikaners Rupert Murdoch ist bestimmt an Springer interessiert, ebenso wie an ProSiebenSat.1. An der Fernsehgruppe könnten aber auch andere internationale Konzerne wie Vivendi Universal aus Frankreich oder Mediaset aus Italien Gefallen finden. »Wer schnell einen Fuß in den deutschen Markt bekommen möchte, dem bietet sich eine seltene Gelegenheit«, sagt Rupprecht. Realistisch ist diese Möglichkeit allerdings nur, wenn Kirch noch massive Probleme bekommt. »Die sehe ich im Moment noch nicht, auch wenn es schwierig wird für Kirch.«

Expansion in engen Grenzen

Aus der Finanzbranche kann die mit sechs Milliarden Euro verschuldete Kirch-Gruppe offenbar keine weiteren Kredite erwarten. Zudem drohen durch Optionen des Springer-Verlags und der News Corp für den Verkauf von Anteilen an Kirch-Töchtern an Kirch weitere Zahlungsverpflichtungen in Milliardenhöhe. Doch selbst wenn Konkurrenten in Deutschland öffentlich Interesse an Anteilsübernahmen bei Kirch erklären, sind ihren Bestrebungen enge Grenzen gesetzt. Schließlich wachen das Bundeskartellamt und die Landesmedienanstalten darüber, dass kein Medienkonzern mit seiner Marktmacht die Meinungsvielfalt einschränkt.

Presserechenklausel bietet Einhalt

So gibt es im Kartellrecht die so genannte Presserechenklausel, die Übernahmen im Mediensektor schon bei einem weltweiten Jahresumsatz von 25 Millionen Euro zur Prüfung vorschreibt. In anderen Branchen liegt die Schwelle bei 500 Millionen Euro. Auch auf Grundlage dieser Klausel prüften und verboten schließlich die Bonner Wettbewerbshüter 1998 das Vorhaben der Medienriesen Kirch und Bertelsmann, den Bezahlsender Premiere zu einem Gemeinschaftsunternehmen zu machen. Auch vor der EU-Kommission in Brüssel scheiterte der Schulterschluss der Rivalen beim Pay-TV. Bei Bertelsmann wurde ein Einstieg ins Pay-TV dann gänzlich gestoppt - ein Schritt, über den man sich bei der Bertelsmann-Tochter RTL Group und in der Gütersloher Zentrale angesichts des schleppenden Starts beim Bezahlfernsehen und der Premiere-Defizite noch heute freut.

Auch Rundfunkstaatsvertrag greift

Doch die Medienbranche wird auch noch über den Rundfunkstaatsvertrag reguliert, nach dem kein Medienkonzern mit seinen Fernsehprogrammen einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent erreichen darf. Bertelsmann mit RTL, RTL2, Super RTL und Vox sowie Kirch mit ProSieben, Sat.1, Kabel 1, DSF, Neun Live und Premiere liegen mit je rund 26 Prozent knapp unter dieser Grenze.

Murdoch hat gute Karten

»Wenn RTL Interesse an Kirch-Sendern hätte, kämen sie deshalb mit Sicherheit in Schwierigkeiten«, sagt der Geschäftsführer der für die Kontrolle zuständigen Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich, Bernd Malzanini. Medien-Unternehmer Murdoch, der bereits an Premiere beteiligt ist, könnte dagegen mit seiner News Corp theoretisch die ganze Kirch-Gruppe übernehmen. Die Marktanteilsverteilung würde dies nicht verändern, sondern nur den »Besitzer« der Marktanteile. »Das halte ich aber für unwahrscheinlich«, fügt Malzanini hinzu.

Branche erwartet Rettung von Kirch

Nicht nur, weil viele in der Branche weiter von einer Rettung der Kirch-Gruppe ausgehen, ist ein Einstieg internationaler Konzerne in den deutschen Markt noch wenig wahrscheinlich. Auch die bisherigen Erfahrungen dieser Firmen in Deutschland sind nicht übermäßig positiv, heißt es in Branchenkreisen. So hat Murdoch selbst wiederholt den Einstieg versucht, seine Anteile an Sendern wie Vox dann aber wieder abgestoßen. Auch der französische Konzern Vivendi hat seine Anteile an Vox wieder verkauft, und ein Weltkonzern wie Disney hat es bisher nur auf Minderheitsbeteiligungen bei Sendern wie SuperRTL und RTL2 gebracht.

Spekulationen um Auffanglösung

Die KirchGruppe nimmt keine Stellung zu Spekulationen über eine Auffanglösung für die hoch verschuldete Mediengruppe. Die »Süddeutsche Zeitung« (SZ) hatte in ihrer Mittwochausgabe berichtet, dass in der Politik, bei den Banken und in der Medienbranche eine Auffanglösung für die Gruppe vorbereitet wird. Es wird spekuliert, dass damit der anglo-amerikanischen Medienmogul Rupert Murdoch abgewehrt werden soll. Dazu soll die KirchGruppe ihre Anteile am Springer-Verlag und an der Formel 1 verkaufen und sich so »gesundschrumpfen«. Die Bundesregierung favorisiert angeblich eine »nationale Lösung«. Bisher scheitert sie aber am Widerstand Kirchs.

Murdochs Einfluss eindämmen

Die Bedenken gegen Murdoch beziehen sich dem Bericht zufolge auf dessen Geschäftsmethoden. Murdoch hat seine Zeitungen in England mit Preiskriegen gegen andere Verlage nach oben gebracht und benutzt eigene Blätter wie die britische »Sun«, um Einfluss auf Wahlen zu nehmen. Nun drängt er auch in die KirchGruppe und damit in Kernbereiche des deutschen Medienmarkts. Murdoch kann im Herbst seine Beteiligung am Pay TV-Sender Premiere an Kirch zurückgeben und dafür etwa 1,5 Milliarden Euro zurückverlangen. Da es Kirch nach Einschätzung in der Branche schwer fallen dürfte, dies zu finanzieren, könnte Murdoch auf diesem Weg mehr Einfluss auf die KirchGruppe gewinnen.

Banken blocken

In den vergangenen Tagen hatte insbesondere die Deutsche Bank den Druck auf die KirchGruppe erhöht. Vorstandssprecher Rolf Breuer sagte, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Großbanken Kirch neues Geld geben werden. In der Finanzbranche gilt diese öffentliche Aussage als sehr ungewöhnlich, da Banken ihre Kreditbeziehungen normalerweise nicht öffentlich kommentieren.


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