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MEDIEN: Sieben bieten für KirchMedia

Sieben Konsortien und Einzelinteressenten legten ein vorläufiges Angebot für die Übernahme der insolventen KirchMedia vor. Die bisher gebotenen 2,6 Milliarden könnten noch steigen.

Die KirchMedia-Geschäftsführung darf über den offiziellen Beginn des Bieterverfahrens zufrieden sein: Die sieben Bieterkonsortien und Einzelinteressenten könnten die bisher gebotenen Summen von bis zu 2,6 Milliarden Euro weiter nach oben schrauben.

Zuschlag schon Ende August?

»Wir sind bemüht, den Kaufpreis im Interesse der Gläubiger noch zu optimieren«, sagte Geschäftsführer Heinz-Joachim Ziems am Donnerstag im Anschluss an die erste Gläubigerversammlung in einem Münchener Kino. Von den Bietern werden in der nächsten Phase nur jene einen Zugang zu weiterem Zahlenmaterial über KirchMedia bekommen, deren Angebot bestimmten Voraussetzungen genügt. »Wir erwarten, Ende August oder Anfang September einem der Interessenten den Zuschlag geben zu können«, sagte Ziems. Auf der Versammlung machten die Gläubiger Forderungen von 8,5 Milliarden Euro geltend, darunter Schadenersatzforderungen und mögliche Verpflichtungen von KirchMedia aus Verkaufsoptionen.

Illustre Interessentengruppen

Die Namen der potenziellen Investoren nannte Ziems nicht. Öffentlich Interesse bekundet hat ein Konsortium aus den Verlagen Axel Springer, Bauer, dem Spiegel-Verlag und der HypoVereinsbank sowie eine Bietergruppe aus Commerzbank und dem US-Studio Columbia Tristar. Auch die französische Sendergruppe TF1 hat Kaufbereitschaft signalisiert. Als weitere potenzielle Investoren gelten die Alt-Gesellschafter der KirchMedia um Medienunternehmer Rupert Murdoch und den italienischen Mediaset-Konzern, der US-Milliardär Haim Saban und der US-Konzern Viacom.

Chance für Verkauf als Ganzes »sehr hoch«

Unter den Bietern sind angeblich einige, die vielleicht nur wegen des Einblicks in die KirchMedia-Zahlen eine Offerte abgegeben hatten, sagte Ziems. »Es muss schon ein glaubwürdiges Angebot sein«, damit der Interessent in die zweite Runde komme. So müsste er den gebotenen Preis auch bezahlen können. Nach den Angeboten ist jedenfalls klar, dass die Chance, KirchMedia wie geplant als Ganzes verkaufen zu können, sehr hoch sind. Die Kerngesellschaft des früheren Imperiums von Unternehmer Leo Kirch ist der größte Filmrechtehändler Deutschlands und der größte Sportrechtehändler Europas. Als wertvollster Teil gilt aber die 52,5-prozentige Mehrheit an der Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media, die einige Interessenten sicher lieber alleine gekauft hätten.

Veränderungen in Bietergruppe erwartet

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass es auch noch Veränderungen in den bestehenden Bietergruppen geben wird. So könnten Einzelinteressenten bestehenden Konsortien beitreten. »Da ist noch nichts fest gefügt«, hieß es in mit der Situation vertrauten Kreisen.

Nun entscheidet Gläubigerausschuss

Mehr als 200 Personen nahmen an dem ersten Treffen der KirchMedia-Gläubiger in einem Schwabinger Kino teil - neben Vertretern der Gläubigerbanken BayernLB, Commerzbank, HypoVereinsbank und DZ-Bank auch viele Beschäftigte. Den Verlauf der nur gut dreistündigen Veranstaltung bezeichnete der vom Gericht eingesetzte Sachwalter Michael Jaffe als »sehr konstruktiv«. Man habe sich überraschend schnell auf Modalitäten der Stimmrechte und die Übertragung der Entscheidungsgewalt auf einen Gläubigerausschuss geeinigt. Für den Verkauf der Gesellschaft an einen Investor muss nun nur dieser Ausschuss und nicht mehr die ganze Gläubigerversammlung zustimmen.

Verlust war 2001 doppelt so hoch wie Umsatz

Ein Teilnehmer der Gläubigerversammlung sagte, am Ende habe es sogar Beifall für die Geschäftsführer gegeben, welche die Lage des Unternehmens und die Perspektiven erläuterten. Im vergangenen Jahr hat KirchMedia, die im operativen Geschäft auch unter der allgemeinen Krise der Medienbranche leidet, demnach einen Verlust von 2,17 Milliarden Euro verbucht. Den Umsatz bezifferte Ziems mit 1,35 Milliarden Euro, davon 572 Millionen im Filmrechte- und 645 Millionen Euro im Sportrechtehandel. KirchMedia vermarktet unter anderem die weltweiten Senderechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und die Fußball-Bundesliga. Die Filmbibliothek hat den Angaben zufolge einen Wert von 1,6 Milliarden Euro - weit weniger als die vor Monaten noch angesetzten rund vier Milliarden Euro.

117 kostet es den Job

Im Zuge der Insolvenz sollen 117 Beschäftigte entlassen werden, rund 20 Prozent der 550 Mitarbeiter von KirchMedia (ohne ProSiebenSat.1). Bei den Banken und Studios ist das Unternehmen mit insgesamt 2,7 Milliarden Euro verschuldet. Die Summe der angemeldeten Forderungen der insgesamt 1500 Gläubiger, davon 450 Mitarbeiter, lassen keine Rückschlüsse auf die Ansprüche zu, die zum Schluss tatsächlich anerkannt werden, erläuterte Ziems. Vor allem die Schadenersatzforderungen von 3,2 Milliarden Euro dürften sich mit der Fortführung der Geschäfte noch verringern.