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Metall- und Elektroindustrie: "Die Signale sind jetzt auf Streik gestellt"

Ab Montag streikt die sächsische Metall- und Elektroindustrie sowie die ostdeutsche Stahlindustrie für eine 35-Stunden-Woche. 79,74 Prozent der befragten Gewerkschaftsmitglieder sprachen sich dafür aus.

Mit Streiks in der sächsischen Metall- und Elektroindustrie sowie der gesamten ostdeutschen Stahlindustrie will die IG Metall ab Montag die Einführung der 35-Stunden-Woche durchsetzen. Die Urabstimmung in 63 sächsischen Betrieben ergab 79,74 Prozent Zustimmung, wie die Gewerkschaft am Freitag in Berlin mitteilte. Zum Streik aufgerufen seien zunächst rund 12.300 Beschäftigte in voraussichtlich 15 Betrieben. In der Metall- und Elektrobranche Brandenburgs soll nächste Woche die Urabstimmung beginnen.

Keine Ergebnisse erzielt

"Die Signale sind jetzt auf Streik gestellt", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Hasso Düvel. In den Verhandlungen mit den Arbeitgebern seien keine Ergebnisse zu erzielen gewesen. Das Ergebnis der Urabstimmung, in der mindestens 75 Prozent Zustimmung zum Streik notwendig waren, nannte Düvel "ordentlich". Es liege gut drei Prozent niedriger als in der Stahlindustrie, in der in einer eigenen Urabstimmung für ganz Ostdeutschland bereits 83 Prozent der Teilnehmer für einen Arbeitskampf votiert hatten.

Von den rund 125.000 Arbeitnehmern der sächsischen Metall- und Elektrobranche sind etwa 16.000 in der IG Metall organisiert. Von ihnen waren nach Düvels Worten gut 12.000 stimmberechtigt. Knapp 11.500 von ihnen nahmen an der Urabstimmung teil, rund 9.600 stimmten mit ja.

Der Gewerkschafter beklagte sich über die "schräge Diskussion" und die öffentliche Ablehnung des Arbeitskampfs. Es werde "in der öffentlichen Stimmungslage ziemlich drauf gehauen". Tatsächlich verzeichne die Metall- und Elektrobranche in Sachsen "gigantische Produktivitätszuwächse" und zuletzt im März ein großes Umsatzplus. "Die Ökonomie in dieser Branche ist so, dass man nicht jammern muss", sagte Düvel.

Mit der Verringerung der Arbeitszeit könnten 15.000 Arbeitsplätze geschaffen werden, meinte Düvel. Sollte sie nicht kommen und die Produktivität bei stagnierendem Auftragsvolumen weiter wachsen, wäre hingegen mit Arbeitsplatzverlusten zu rechnen.

Die IG Metall hatte Anfang des Jahres die Arbeitszeitbestimmungen für die ostdeutsche Metall- und Elektroindustrie gekündigt, um die schrittweise Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden zu erreichen. Die sächsischen Metallarbeitgeber hatten daraufhin ihrerseits den gesamten Manteltarifvertrag, der auch die Vereinbarungen über Urlaubszeiten sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld regelt, gekündigt.

"Kein Aufschwung durch mehr Freizeit"

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser kritisierte das Abstimmungsergebnis als "Stopp-Signal für den wirtschaftlichen Aufholprozess in den ostdeutschen Bundesländern". Der Arbeitskampf werde dringend benötigte Investoren abschrecken. Das Konzept "Aufschwung durch mehr Freizeit" der IG-Metall-Funktionäre entstamme einer "absurden Vorstellungswelt". FDP-Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle erklärte, das Abstimmungsergebnis sei ein "Votum gegen mehr Arbeitsplätze".

Auch eine Mehrheit der Deutschen ist nach einer Forsa-Umfrage für den Nachrichtensender N24 gegen den Streik. 59 Prozent der 1.001 Befragten sagten, ein Streik für weniger Arbeit sei derzeit nicht zu rechtfertigen. 35 Prozent unterstützten den Streik. In Ostdeutschland sprachen sich allerdings nach Angaben des Senders 51 Prozent für den Streik und nur 38 Prozent dagegen aus.

DPA