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Kuriose Verwechslung Provinz-Café bekommt versehentlich Michelin-Stern - und wird überrannt

Le Bouche à Oreille in Bourges
Der Michelin-Guide ernannte das "Le Bouche à Oreille" in Bourges versehentlich zum Gourmettempel
© Google Street View
Ein Menü vom Sternekoch für nur 12,50 Euro? Das konnte man in einem französischen Provinz-Café bekommen - allerdings nur für zwei Tage. Dann erkannte der Michelin-Guide seinen Fehler.

Eine Namensverwechslung hat einem unscheinbaren Straßencafé in Frankreich unerwartete Berühmtheit verschafft. Das Café "Le Bouche à Oreille" im Örtchen Bourges hatten Gourmets bislang eher nicht auf dem Zettel. Die kleine Brasserie in Zentralfrankreich serviert französische Klassiker für kleines Geld - der Mittagstisch kostet 12,50 Euro. Auch von außen sieht der Laden nicht gerade nach Sterne-Restaurant aus.

Doch im neuen Guide Michelin, der vergangene Woche erschien, wurde das Le Bouche überraschenderweise mit einem Stern ausgezeichnet. Der vermeintliche Geheimtipp wurde daraufhin geradezu überrannt. "Ich gehe in Arbeit unter. Da sind alle diese neuen Gäste, die Tische für zwei, drei oder vier Personen wollen und gleichzeitig habe ich alle meine Stammgäste", erzählte die Besitzerin Véronique Jacquet dem "Le Parisien". "Das Problem ist, dass wir nicht viel Platz haben und nur vier Hände."

Rue de la Chapelle statt Route de la Chapelle

Bald dürfte es im Café von Madame Jacquet wieder deutlich ruhiger zugehen. Denn wie sich herausstellte, war für die Michelin-Auszeichnung nicht die ehrliche Hausmannskost verantwortlich, sondern eine Verwechslung. Eigentlich hatte der Michelin-Guide nämlich ein Restaurant gleichen Namens nahe Paris auszeichnen wollen. Da sich auch noch die Straßennamen zum Verwechseln ähneln - das eine liegt in der "Rue de la Chapelle", das andere in der "Route de la Chapelle" -, war dem Verlag nicht aufgefallen, dass man das falsche Restaurant auf die Liste genommen hatte.

Zwei Tage nach Veröffentlichung korrigierten die Michelin-Leute das Versehen auf ihrer Webseite. Aymeric Dreux, der Koch, dem der Stern tatsächlich zugedacht war - bei ihm kostet ein Mittagessen 48 Euro, Champagner inklusive -, nahm das Versehen mit Humor. "Ich habe Madame Jacquet in Bourges angerufen", erzählte Dreux dem Telegraph. "Wir haben herzlich gelacht und ich habe sie eingeladen vorbeizukommen, um unser Restaurant zu testen. Wenn ich in der Gegend bin, werde ich bei ihr zum Mittagessen und auf ein Bier vorbeikommen."

Madame Jacques und ihre Köchin Penelope Salmon sind ihren Stern nun zwar wieder los, doch immerhin kleine Medienberühmtheiten geworden. Ein zufriedener Gast ließ sich vor einem TV-Mikro gar zu der Aussage hinreißen: "Der Laden ist nicht nur einen Stern wert, sondern zwei." 

bak

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