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Mittelfristige Ziele fraglich: RWE sieht wegen Atomsteuer besorgt in die Zukunft

RWE-Konzernchef Jürgen Großmann hat angekündigt, dass sein Konzern wegen der Pläne der Bundesregierung zur Einführung einer Brennelementesteuer seine mittelfristigen Ziele überprüfen werde.

Nach dem Branchenführer Eon stellt auch der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE wegen der geplanten Atomsteuer seine mittelfristigen Ziele infrage. "Eine solche Steuer würde unsere Ertragskraft erheblich schmälern - und damit auch den finanziellen Spielraum für Investitionen in erneuerbare Energien, CO2-arme Kraftwerke und zukunftsfähige Netze", sagte Vorstandschef Jürgen Großmann am Donnerstag laut einer Mitteilung.

Die Politik stehe im Wort, klare Aussagen zur Zukunft der Kernenergie in Deutschland zu treffen und sie in ein tragfähiges Energiekonzept einzubinden. "Dies ist für unsere langfristig angelegten Investitionen zwingend erforderlich", betonte Großmann. Eine Brennelementesteuer soll von 2011 bis 2014 jährlich 2,3 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen spülen. RWE rechnet damit, dass die Abgabe die Atombranche mit bis 4 Milliarden Euro brutto pro Jahr belasten wird.

Eon-Chef Johannes Teyssen hatte der Bundesregierung am Mittwoch bereits Orientierungslosigkeit in der Energiepolitik vorgeworfen und für den Fall einer Atomsteuer sogar mit der Abschaltung von Kernkraftwerken gedroht, weil diese dann nicht mehr rentabel zu betreiben wären.

RWE konnte im ersten Halbjahr seinen Gewinn kräftig steigern. Das betriebliche Ergebnis stieg um 21 Prozent auf fast fünf Milliarden Euro. Dabei profitierte das Unternehmen von der Konjunkturerholung und der Integration des im vergangenen Jahr gekauften niederländischen Energiekonzerns Essent. Der Umsatz legte um 12 Prozent auf 27,4 Milliarden Euro zu.

Insbesondere das Kraftwerksgeschäft legte zu - was auch daran lag, dass die beiden Atommeiler in Biblis länger als im Vorjahr am Netz waren. Trotz des starken ersten Halbjahrs hielt RWE an seiner vergleichsweise vorsichtigen Prognose für das laufende Jahr fest. Demnach will der Versorger das betriebliche Ergebnis um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern.

APN/Reuters / Reuters