MOBILCOM Gerhard Schmid verliert den Machtkampf


Der Aufsichtsrat der MobilCom AG hat am Freitag in Hamburg MobilCom-Chef Gerhard Schmid von seinem Amt abberufen. Nachfolger wird der bisherige Finanzvorstand Thorsten Grenz.

Mobilcom-Vorstandschef und Firmengründer Gerhard Schmid ist nach elf Jahren aus dem Mobilfunkunternehmen gedrängt worden. Wie das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung am Freitagabend in Büdelsdorf erklärte, hat der Aufsichtsrat Schmid von dem Führungsamt abberufen. Damit verlor Schmid die monatelange Machtprobe mit dem französischen Großaktionär France Telecom, dem 28,5 Prozent der Anteile gehören.

Schmid und seine Frau halten etwa 50 Prozent. Nachfolger von Schmid wird nach der Mitteilung Finanzvorstand Thorsten Grenz. Damit ist Grenz alleiniger Vorstand von Mobilcom. Ob France Telecom auch die Anteile von Schmid übernimmt, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Die Franzosen hatte eine weitere Zusammenarbeit mit Mobilcom vom Ausscheiden von Schmid abhängig gemacht. Ursprünglich hatten sich Schmids Mobilcom und France Telecom zusammengetan, um in den deutschen UMTS-Markt einzusteigen. France Telecom verpflichtete sich, die milliardenschweren Pläne zu finanzieren. Doch im Frühjahr brach der Streit zwischen den mit über 60 Milliarden Euro verschuldeten Franzosen und Schmid offen aus, weil France Telecom wegen Finanzproblemen das Tempo des Ausbaus verlangsamen wollte. Schmid dagegen setzte weiter auf ein schnelles Voranschreiten und pochte auf die Vereinbarungen.

Es folgte ein Machkampf, bei dem Schmid ins Hintertreffen kam: Er hatte seiner Frau bei einem Aktiengeschäft 68 Millionen Euro zugeschanzt, was bei einer Prüfung bekannt wurde. Es ging darum, dass Mobilcom ein Aktienoptionsprogramm für Händler als Anreiz auflegen wollte. Dazu sollten die Aktien von Schmids Frau dienen, die dafür den Betrag als Entschädigung erhielt. Der Aufsichtsrat billigte zwar das Geschäft an sich, stellte aber einen Verstoß gegen das Aktiengesetz fest, weil Schmid den Familiendeal im Alleingang gemacht hatte und den Vorstand nicht informierte.

Der ganze Streit wurde überschattet von der drohenden Pleite von Mobilcom, da ein 4,7-Milliarden-Euro-Kredit Ende Juli ausläuft und ohne France Telecom keine Anschlussfinanzierung möglich war. Am Donnerstag hatten 17 Gläubigerbanken allerdings eine grundsätzliche Einigung über die Umschuldung des Kredits erzielt.

Ob Schmid nun auch seine Firmenanteile an France Telecom verkauft, konnte ein Sprecher von Mobilcom auf Nachfrage nicht sagen. Dies seien Verhandlungen zwischen Schmid und France Telecom, mit denen Mobilcom nichts zu tun habe, sagte er. Im März war Schmid bereit gewesen, für 22 Euro pro Aktie zu verkaufen. In den letzten Wochen brach der Mobilcom-Kurs aber unter dem Druck der drohenden Insolvenz auf sechs bis sieben Euro ein. Am Freitag kletterte die Aktie nach der Aufsichtsratssitzung auf über zehn Euro.

Der Aufsichtsrats würdigte auf seiner Sitzung nach der Mitteilung die jüngsten Fortschritte bei der Refinanzierung der Verbindlichkeiten der Mobilcom und die Aufrechterhaltung der Liquidität durch France Telecom als positives Zeichen für die Zukunft des Unternehmens.


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