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Nach Gewinneinbruch: Post entdeckt den Brief im Internet

Der klassische Brief hat es heutzutage schwer, E-Mails und SMS sind es, die ihn immer mehr vom Markt verdrängen. Das hat nun auch die Deutsche Post realisiert, für die bislang der Brief der Hauptgewinnbringer war. Jetzt wittert sie das große Geschäft online: Mit einem Brief per Internet, der sicher ankommt und in den "niemand unterwegs hineinguckt".

Mit einem neuartigen Brief per Internet will die Deutsche Post DHL der rückläufigen Nachfrage nach Briefen auf Papier begegnen. Schon Ende des Jahres, spätestens im ersten Quartal 2010 wolle die Post das neue Angebot in einer ersten Version auf den Markt bringen, sagte Briefvorstand Jürgen Gerdes bei der Vorlage der Halbjahresbilanz des Logistikkonzerns am Donnerstag in Bonn. Die Wirtschaftsflaute drückt weiterhin auf Umsatz und Gewinn der Post. Vorstandschef Frank Appel sieht allerdings eine Stabilisierung der Ergebnislage dank massiver Kostensenkungen.

Der Briefsektor der Post, bisher mit um die 80 Prozent der wichtigste Ertragsbringer, leide nicht nur unter der aktuellen Krise, sondern habe ein strukturelles Problem, sagte Gerdes. Die Briefkunden griffen verstärkt auf E-Mail zurück, und diese abgewanderten Umsätze dürften auch nicht mehr zurückkommen, erklärte Appel. "Wir machen keine Panik. Wir sind in der Tat sehr besorgt", sagte der Postchef.

Neben anderen Maßnahmen wie Arbeitszeitverlängerung und veränderten Lohnstrukturen müsse die Post deshalb in das elektronische Geschäft investieren, betonte Gerdes. Mit dem Brief per Internet wolle sie die Eigenschaften, "die den Brief 500 Jahre alt haben werden lassen, auf die E-Mail übertragen". Das bedeute, dass Absender und Empfänger eindeutig bekannt seien, dass der Brief ganz sicher ankomme und dass "niemand unterwegs hineinguckt". Ein interner Test des Systems, mit dem die Post weltweit eine Pionierfunktion übernehme, laufe bereits.

Im ersten Halbjahr sank der Umsatz der Post AG um 15,3 Prozent auf 22,58 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) ging um 85 Prozent auf 136 Millionen Euro zurück, wozu erheblich die Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor mit Karstadt und Quelle beitrug, denn die Deutsche-Post-Tochter DHL wickelt den Transport für Karstadt und Quelle ab. Vor den Einmaleffekten durch Arcandor und auch den Rückzug aus dem inländischen Expressgeschäft in den USA lag der Rückgang des Ebit bei 40,2 Prozent auf 569 Millionen Euro.

Dennoch wies der Konzern einen Gewinn von 1,01 Milliarden Euro aus, 64,5 Prozent mehr als die 614 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Appel erklärte, das sei ein Ergebnis der "sehr guten Transaktion bei der Postbank". Die Deutsche Bank hat im Februar in einem ersten Schritt 22,9 Prozent an der Postbank übernommen. Der Deutschen Post AG brachte das mehr als 4 Milliarden Euro ein. Im zweiten Quartal ist es der Post nach ihren Angaben gelungen, die Ergebnislage durch umfassende Sparmaßnahmen zu stabilisieren. "Ich bin überzeugt, dass wir das erste Halbjahr trotz der widrigen Umstände gut gemeistert haben und erfolgreich durch die Krise steuern", sagte Appel.

Im Briefbereich ist der Umsatz gesunken

Im Briefbereich einschließlich Pakete sank der Umsatz um 5,6 Prozent, das Ebit lag mit 557 Millionen Euro um 32,2 Prozent unter dem Wert des ersten Halbjahres 2008. Deutliche Verluste brachte der Expressbereich: Der operative Verlust lag vor allem wegen der Restrukturierungskosten in den USA bei 443 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 27,3 Prozent auf rund 5 Milliarden Euro. Für den weiteren Jahresverlauf erwartet der Logistikkonzern keine nennenswerte Erholung des Welthandels. Allerdings scheine bei den prozentualen Rückgängen die Talsohle erreicht.

Dank der Kostensenkungen erwarte die Deutsche Post DHL für das Gesamtjahr ein Ebit vor Einmaleffekten von 1,2 Milliarden Euro und unter dem Strich dank des Postbank-Verkaufs schwarze Zahlen nach dem Verlust von knapp 1,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die Börse reagierte positiv. Der Aktienkurs stieg bis zum Nachmittag um mehr als 3 Prozent.

AP / AP