Neues Altersteilzeitmodell Rolle rückwärts bei VW


Die Bundesregierung will das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre anheben. Ungeachtet dessen haben sich Volkswagen und die IG Metall auf eine Neuregelung der Altersteilzeit geeinigt, die einen früheren Ausstieg aus dem Job ermöglicht.

Die neue Altersteilzeit-Regelung soll den Ausstieg aus dem Arbeitsleben mit 58 Jahren ermöglichen. Ein Gewerkschaftssprecher bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Danach stimmte die VW-Tarifkommission der IG Metall am Donnerstag in Hannover einhellig einer entsprechenden Änderung des Tarifvertrages zu.

Der Konzern will im Rahmen seines Sparkurses das Personal verringern. Dabei setzt Europas größter Autobauer auf Altersteilzeit und Abfindungen. Die von VW angebotenen Abfindungen waren zuletzt von der Belegschaft nur schleppend angenommen worden. Es wird damit gerechnet, dass VW allein in Deutschland rund 10.000 abbauen will.

In dem neuen Vertrag werde die Möglichkeit einer Ausweitung der Altersteilzeit von bislang sechs auf sieben Jahre eingeräumt, so der IG-Metall-Sprecher. Zudem könnten langjährig Versicherte ab einem Alter von 62 die Hälfte des üblichen Rentenabschlages ersetzt bekommen. Die neue Regelung könnten schätzungsweise 7000 der rund 100.000 westdeutschen VW-Beschäftigten in Anspruch nehmen.

"Wer in der Golf-Montage im Akkord arbeitet, kann das nicht bis 67 tun"

Zusammen mit denjenigen, die bereits auf der alten Gesetzesbasis Ende 2003 Verträge unterschrieben haben, steigt das Potenzial für einen Personalabbau durch Altersteilzeit auf mehr als 13.000 Beschäftigte - das ist mehr als ein Achtel der westdeutschen Belegschaft. Diese Zahl wollte der Gewerkschaftssprecher jedoch nicht bestätigen. "Es handelt sich auch nicht um ein reines Instrument zum Personalabbau", sagte er.

Der neue VW-Tarifvertrag ermöglicht es VW-Beschäftigten der Jahrgänge 1952 bis 1954, mit 55 Jahren in die Altersteilzeit einzutreten und dreieinhalb Jahre später die Arbeit zu beenden. Dem schließt sich eine ebenso lange "Freistellungsphase" bis zur vorzeitigen Rente mit 62 an. Volkswagen und die Bundesagentur für Arbeit sorgen dafür, dass die Betroffenen während der gesamten Altersteilzeitphase 85 Prozent ihres letzten Nettogehalts bekommen.

Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine forderte weitere Vereinbarungen nach dem VW-Modell und eine Abkehr von einer pauschalen Rente mit 67 Jahren. "Wer in der Golf-Montage im Akkord arbeitet, kann das nicht bis 67 tun", sagte Meine der Zeitung.

Reuters/DPA/DDP


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