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Letzter Opel in Bochum vom Band gelaufen: "Das Herz von Opel hat aufgehört zu schlagen"

Eine Ära ist zu Ende: Im Bochumer Opel-Werk, das in stolzen Zeiten 22.000 Menschen beschäftigt hat, lief das letzte Auto vom Band. Herbert Grönemeyer will mit einem Konzert den Opelanern Mut machen.

Nach 52 Jahren Fahrzeugproduktion bei Opel in Bochum ist dort das letzte Auto vom Band gelaufen. Dies teilten Mitarbeiter des Herstellers am frühen Freitagmorgen der Nachrichtenagentur DPA mit. "Das Herz von Opel hat aufgehört zu schlagen", sagte einer von ihnen. Nach dem Auslaufen der Produktion will der Konzern das Werk im kommenden Jahr wegen Überkapazitäten endgültig schließen. Der letzte Opel aus Bochum - ein Zafira-Compact-Van - soll nicht regulär verkauft, sondern einem sozialen Zweck gewidmet werden. Näheres will Opel im Laufe des Vormittags bekanntgeben.

Rund 3000 Beschäftigte in Bochum stehen nun vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Die meisten von ihnen wechseln für maximal zwei Jahre in eine Transfergesellschaft. Auf dem riesigen Werksgelände bleibt nur ein Ersatzteillager des Autokonzerns mit insgesamt 700 Beschäftigten. Das Land Nordrhein-Westfalen will dort in den nächsten Jahren neue Gewerbebetriebe ansiedeln. Die Entwicklungsgesellschaft "Bochum Perspektive 2022" rechnet dafür zunächst mit rund 50 Millionen Euro Aufwand - verteilt über acht Jahre.


Für die Region ist der Opel-Rückzug ein schwerer Schlag. Die Entscheidung sei "sehr bitter" für die direkt Betroffenen und die Stadt, hatte die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) vor kurzem gesagt. Der in der Stadt aufgewachsene Musiker Herbert Grönemeyer will seine Solidarität mit einem Konzert zeigen. "Es gibt konkrete Überlegungen, ein Konzert für die Bochumer Opelaner zu spielen oder sie alle einzuladen", sagte der 58 Jahre alte Sänger bei einer Musikveranstaltung in Bochum. "Es geht jetzt darum, ihnen Mut zu machen."

Grönemeyer kündigt Solidaritätskonzert an

Bochum leidet mit aktuell 9,4 Prozent Arbeitslosenquote unter überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit. Rund die Hälfte der Opel-Beschäftigten wohnt in Bochum selbst. Deshalb ist mit einem
weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Bochum hatte in der Vergangenheit bereits andere schwere Schläge zu verkraften wie den Rückzug des Handyherstellers Nokia mit 2300 Beschäftigten im Jahr 2008.


Einstiges Vorzeigeprojekt am Ende

Mit der Werksschließung von Opel endet ein einstiges Vorzeigeprojekt des Strukturwandels an der Ruhr. Das Werk war auf früherem Bergbaugrund errichtet worden, als im Revier das Zechensterben begann.

Es beschäftigte nach der Eröffnung 1962 sofort rund 10.000 Menschen - viele davon ehemalige Kumpel.

Für die jetzt ausscheidenden Mitarbeiter gibt es neben der Transfergesellschaft Abfindungen. Insgesamt kostet die Schließung des Werkes das Unternehmen nach unterschiedlichen Rechnungen von Gewerkschaft und Betriebsrat zwischen 550 und 700 Millionen Euro.

dho/DPA / DPA