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Opel-Standorte in Deutschland: Bochum kann vorerst aufatmen

Fiat oder Magna? Wer steigt ein? Noch ist die Zukunft von Opel ungewiss. Dennoch gibt es für die Opelaner am Standort Bochum eine gute Nachricht: Nach stern-Informationen hat der Europachef von General Motors durchgesetzt, dass die komplette Zafira-Produktion dort konzentriert wird.

Von Jan Boris Wintzenburg

Der Europa-Chef von General Motors, Carl-Peter Forster, hat nach stern-Informationen bei der Konzernmutter durchgesetzt, dass die gesamte Fertigung des Opel Zafira am Standort Bochum konzentriert wird. In der nervenaufreibenden Debatte um die Zukunft des Automobilherstellers Opel können nun zumindest die Mitarbeiter am Standort Bochum vorerst aufatmen: Wie der stern aus Unternehmenskreisen erfuhren, gibt es konkrete Pläne, die nächste Modellversion der Familienlimousine Zafira nur noch im Ruhrgebiet zu bauen. Bisher wird der Van außerdem noch am polnischen GM-Standort Gliwice gefertigt. Dort soll künftig vor allem das alte Astra-Modell für den osteuropäischen Markt weiter gebaut werden.

Nach dem Modellwechsel, der innerhalb der nächsten beiden Jahre ansteht, soll Bochum das europäische Zentrum für die Familienlimousine Zafira werden. Im Jahr 2008 wurden vom bereits etwas in die Jahre gekommenen Zafira noch 162.000 Fahrzeuge gebaut. Für das neue Modell werden über 220.000 Einheiten pro Jahr in Europa geplant. Da der Zafira größer und teurer als der bisher ebenfalls in Bochum gefertigte Astra ist, stiege die Leistung des Werkes damit sogar leicht.

Keine Arbeitsplatzsicherung

Das Opel-Werk in Bochum galt in den letzten Monaten immer wieder als Wackelkandidat. Nach stern-Informationen wurde bei der Konzernmutter GM in Detroit lange die Schließung von ein bis zwei Werken in Deutschland diskutiert. Neben Bochum galten auch Eisenach und Kaiserslautern als unsicher. Lediglich das große Stammwerk Rüsselsheim schien Bestandsschutz zu haben.

Nun soll GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster gegen starke Widerstände die Produktionsentscheidung durchgesetzt haben, die Bochum als Standort Planungssicherheit für die nächsten sechs bis acht Jahre geben dürfte. Ausschlaggebend für die Entscheidung sei neben der Flexibilität der Mitarbeiter und der Qualität der geleisteten Arbeit auch die Tatsache gewesen, dass das Ruhrgebiet traditionell ein starker Absatzmarkt für Opel ist.

Mit der Entscheidung, so heißt es, seien aber keineswegs alle Arbeitsplätze gesichert. Nach wie vor gelte: 1,2 Milliarden Dollar an Arbeitskosten müssen europaweit noch eingespart werden. Ohne Arbeitsplatzabbau dürfte das kaum möglich sein.

Rennen um den Chefsessel

Für GM-Europe-Manager Forster kommt die Entscheidung aus Detroit zur richtigen Zeit: Er bewirbt sich damit um den Spitzenjob im künftig wieder weitgehend unabhängigen Opel-Konzern. Forster, Vorgesetzter des aktuellen Opel-Chefs Hans Demant, war zuletzt in der politisch geführten Rettungs-Diskussion um Opel immer mehr an den Rand gerückt worden. Stattdessen wurden die Namen anderer Top-Manager als Opel-Retter ins Spiel gebracht: Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder (dementierte sogleich) oder Ex EnBW-Chef Utz Claassen.

Doch mit dieser Morgengabe an die oft aufmüpfige Bochumer Belegschaft dürfte Forster nun wieder Punkte im Rennen um den Chefsessel machen. Einzige Unsicherheit: Die Investoren, die künftig bei Opel das Sagen haben werden, können die Entscheidung der US-Mutter noch gefährden. Denn GM wird schon bald die Mehrheit - und damit wahrscheinlich auch das Interesse - an Opel verlieren. Und wie die dann neuen Eigentümer, seien es Fiat, Magna oder gar die Scheichs in Katar oder Abu Dhabi, zu Forsters Bochum-Plänen stehen, ist offen.