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Prozess um Pseudo-Monarchen: Der "König von Deutschland" und die verschwundene Million

Peter Fitzek ist gelernter Koch, ehemaliger Videothekenbesitzer und Karatelehrer. Später rief er sich zum obersten Souverän des Königreichs Deutschland aus. Porträt über einen Mann, der seine Untertanen um ihr Erspartes gebracht haben soll.

Der selbsternannte "König von Deutschland" Peter Fitzek bei einem Gerichtstermin im Sommer 2016

Der selbsternannte "König von Deutschland" Peter Fitzek sitzt seit Juni 2016 wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft

 steht mal wieder vor Gericht und dieses Mal könnte es richtig ernst werden für den Mann, der sich "König von Deutschland" nennen lässt. Die Anklage wirft ihm Verstoß gegen das Kreditwesengesetz und Untreue vor. Zwischen 2009 und 2013 soll Fitzek in Wittenberg ohne die Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bankgeschäfte getätigt haben. Über ein Internetportal soll er eine sogenannte Kooperationskasse betrieben und darüber Anlagegeschäfte abgewickelt haben. Fast 600 Menschen zahlten insgesamt rund 1,7 Millionen Euro auf Sparbücher ein.

Fitzek soll davon nach Auffassung der Staatsanwaltschaft 1,3 Millionen abgehoben und für eigene Zwecke verwendet haben. Wo das Geld blieb, sei unbekannt. Fitzek, der gern im Hemd mit eigenem königlichem Logo auftritt, weist den Untreuevorwurf zurück. Nach Verlautbarungen aus seinem "" wurden die Gelder wie vorgesehen für den Aufbau gemeinnütziger Strukturen verwendet. Das Urteil wird für Mittwoch erwartet.

Es ist nicht die erste Konfrontation Fitzeks mit der Justiz. Er wurde mehrfach verurteilt, ging jedoch stets in Revision und saß bislang noch keine Haftstrafe ab. Zuletzt wurde er im April 2016 wegen Fahrens ohne Führerschein zu 15 Monaten Haft verurteilt - und das nicht zum ersten Mal. Doch Fitzek gab schon mehrfach zu Protokoll: alles Mumpitz. Schließlich habe er einen Führerschein, nur eben keinen der Bundesrepublik Deutschland, die er nicht anerkennt. Stattdessen besitze er einen des "Königreichs Deutschland", dessen Souverän er sei. Die von ihm selbstgebauten Dokumente aber will die BRD nicht anerkennen.

Doch Fitzek ist mehr als ein einsamer Irrer. Der gelernte Koch schart eine treue Gefolgschaft um sich, die ihm sein eigenes Reich finanziert.

Peter Fitzek gründete 2012 sein eigenes Königreich

Fitzek wurde 1965 in Halle geboren. Nach einer Ausbildung zum Koch arbeitete er unter anderem als Karatelehrer, Videothekar und Besitzer eines Tattoo-Studios. Der Vater zweier Kinder lebt in Sachsen-Anhalt und versuchte 2008 Oberbürgermeister seines Wohnortes, ein Jahr später Bundestagsabgeordneter zu werden. Beide Male erhielt er nur 0,7 Prozent der Stimmen.

Doch Demokratie scheint ohnehin nicht so sein Ding zu sein: Im Jahr 2012 rief Fitzek mit sieben seiner Untertanen das "Königreich Deutschland" aus. Als "Staatsgebiet" fungiert ein altes Krankenhausgelände im sachsen-anhaltinischen Wittenberg – oder wie Fitzek zu sagen pflegt: "auf dem ehemaligen Gebiet der Bundesrepublik Deutschland". Da die neun Hektar Land eines Königreiches offenbar nicht angemessen sind, strebt Fitzek seit jeher nach Expansion. Um seinem Pseudostaat beizutreten, könnten interessierte Untertanen ihren Grundbesitz "stiften", sagte Fitzek einst "Spiegel TV". Sie behielten Nießbrauchrechte – also Nutzungs- oder Wohnrecht. Auch von rund "1,5 bis 1,7 Millionen Euro Kompensationseinlagen", mit denen "das Königreich arbeite", berichtete er den Journalisten damals stolz. Auch, wenn Fitzek auf eigene Fantasie-Währungen wie den "Engel" oder die "Neue Deutsche Mark" setzt: Euros von seiner Gefolgschaft nimmt er gern an.

Der selbsternannte Monarch hatte seinen Anhängern versprochen, dass sie selbst entscheiden dürfen, was mit dem Geld passiert und dann sie es jederzeit zurückhaben könnten. Die MDR-Sendung "Exakt" aber fand einen ehemaligen Großspender des Königreichs, den Fitzek um mehrere hunderttausend Euro betrogen haben soll. Die "Kooperationskasse" wich nach kurzer Zeit einer "Reichsbank", auch eine Versicherung rief Fitzek ins Leben. Weil er für seine Geschäfte nie Genehmigungen einholte, geschweige denn Steuern zahlte, häufte er Millionen-Schulden beim Staat an. Eingetrieben wurden diese schließlich mit Zwangsbeschlagnahmungen. Fitzeks Geschäfte wurden weitestgehend abgewickelt.

Seit Juni vergangenen Jahres sitzt Fitzek wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft und kann sein Königreich nur noch aus der Ferne dirigieren. Ein im Prozess vorgelegtes psychiatrisches Gutachten attestierte Fitzek manipulatives Verhalten und eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, hält ihn aber für voll schuldfähig.

Fitzek wollte Rathaus-Mitarbeiterin "festnehmen"

Doch nicht nur wegen steuerlicher Probleme geriet Fitzek mit dem Gesetz in Konflikt. Bereits 2010, als er bereits mit seinem Verein "NeuDeutschland" aktiv war und kostenpflichtige Seminare für seine Anhängerschaft gab, wollte er eine Kontopfändung nicht akzeptieren. Kurzerhand versuchte er, eine Mitarbeiterin des Rathaus "festzunehmen" und verletzte sie dabei am Arm. Bei der anschließenden Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung im örtlichen Amtsgericht kam es dann zu tumultartigen Szenen: Die treue Gefolgschaft Fitzeks wollte ihrerseits, den Richter "festnehmen". Dieser mache sich strafbar und besitze keine Legitimation. Frei nach Fitzek: "Es gibt keinen deutschen Rechtsstaat, außer dem Königreich Deutschland."

Bei einem Prozess wegen des illegalen Betreibens einer Krankenkasse (mit Einnahmen von über 300.000 Euro) sorgte Fitzek ebenfalls für einen Eklat. Zu Prozessbeginn sprach er dem Richter ab, überhaupt über ihn als Souverän richten zu können und verließ den Saal noch vor der Anklageverlesung. Erst als man ihn im Flur festnehmen wollte, wurde er kleinlaut und wollte doch wieder an der Verhandlung teilnehmen. Die Fotos wollte er seinen Untertanen wohl nicht zumuten. Später wurde er zu einer Geldstrafe von 4200 Euro verurteilt. 

Sein ständiges Fahren ohne Führerschein ist in den zahlreichen TV-Beiträgen über ihn dokumentiert. Einmal fuhr er sogar selbst mit seiner Oberklasse-Limousine – samt selbst entworfener "Kennzeichen" – zur örtlichen Polizeiwache, um "eventuell eine Strafanzeige stellen zu lassen". Schließlich wolle er in einem Prozess Klarheit erlangen, ob sein Staat von der Bundesrepublik als solcher anerkannt werde.

Fitzek meint, Krebs heilen zu können

Fitzek geht es um die totale Selbstinszenierung. Er will vor seinen Anhängern Stärke demonstrieren, selbst und besonders im Auge der Niederlage. Wenn er Schlappen vor Gericht einfährt, protz er damit, die Strafe nicht bezahlen zu wollen. Beschlagnahmt der Staat seine Sachgüter, droht er, nur " noch krasser" zurückzukommen. Immer mit der Botschaft, ihn könne man nicht unterkriegen – und das "Königreich Deutschland" schon gar nicht. 

Gerne auch lässt sich der vermeintliche Monarch dabei filmen, wie er Fantasie-Siegel auf Papiere setzt, um davon zu schwadronieren, wie diese eines Tages in Museen ausliegen werden. Die Flagge seines Königreiches ist eine umgedrehte Deutschland-Flagge, die man auch aus Kreisen der sogenannten Reichsbürger kennt. Diese Bewegung sieht Deutschland weiterhin besetzt und wähnt es in den Reichsgrenzen von 1937. Fitzek übernimmt diese Argumentation teilweise und leitet daraus die vermeintliche Legitimität seines Königreiches ab. Allerdings ist er kein klassischer Reichsbürger, sondern gehört zu der Gruppe, die der Verfassungsschutz Selbstverwalter nennt. Seine Ideologie ist weniger rechtsextrem, sie fußt eher im Bereich der Esoterik.

Das ganze Ausmaß seines verqueren Selbstbildes zeigen seine Aussagen, er könne Krankheiten heilen. "Im Endstadion an Krebs erkrankte Menschen" seien zu ihm gekommen und er habe sie erfolgreich therapiert. Dabei vertritt er den in der esoterischen Wunderheilerszene verbreiteten Ansatz, nicht die Krankheit selbst, sondern die Ursache dafür zu bekämpfen – ohne sein Konzept näher zu erläutern.

Ob so viel geballter Verwirrtheit mag man nun vielleicht schmunzeln. Fitzek aber meint das alles durchaus ernst. Oder um in den Worten seiner Majestät zu bleiben: "Ich mache hier ja keinen Spaß. Ich mache einen Staat."

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