Pin AG Springer treibt Posttochter in Pleite


Der Axel-Springer-Verlag bereitet die Insolvenz seines angeschlagenen Briefzustellers Pin Group vor. Noch vor Weihnachten soll das Unternehmen offenbar abgewickelt werden.
Von Ulf Brychcy und Peter Ehrlich

Bereits in dieser Woche droht die Insolvenz einiger Pin-Töchter. Der Gruppe mit Hauptsitz in Luxemburg fehlten derzeit bis zu 15 Mio. Euro für laufende Ausgaben wie etwa Löhne, hieß es weiter. Damit entwickelt sich das Briefengagement von Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner zu einem unternehmerischen Desaster und für den 44-Jährigen selbst zu einer ernsten Gefahr. Das Verlagshaus ("Bild", "Welt") richtet sich darauf ein, wegen Pin rund 600 Mio. Euro abschreiben zu müssen. Döpfner müsse verhindern, dass "die kranke Pin den gesamten Konzern infiziert", verlautete aus dem Verlag. In den ersten neun Monaten erzielte Axel Springer einen operativen Gewinn von 267,2 Mio. Euro.

Döpfner versucht, das Scheitern allein auf den geplanten Mindestlohn für Briefzusteller zu schieben. Stundenlöhne von bis zu 9,80 Euro werden es Postunternehmen zwar schwer machen, sich gegenüber der Deutschen Post zu behaupten. Bei der Pin Group dominieren aber hausgemachte Probleme. So gelingt es dem Unternehmen nur schwer, ein wirtschaftlich und logistisch funktionierendes, bundesweites Postzustellnetz aufzubauen.

"Das wäre ein bizarrer Vorgang"

Pin beschäftigt nach eigenen Angaben 9000 Mitarbeiter und hatte vergangene Woche angekündigt, sich von 880 Beschäftigten zu trennen. Deren Tätigkeiten sollten dann Partner wie etwa Zeitungszusteller übernehmen, die nicht dem Mindestlohn unterliegen, räumte Pin gegenüber der "Financial Times Deutschland" (FTD) ein. "Das wäre ein bizarrer Vorgang, wenn sich das so bestätigen würde", sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums. Eine Springer-Sprecherin versicherte daraufhin, dass für ihren Verlag eine solche "Umgehung des Mindestlohns nicht infrage kommt".

In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion verstärkt sich zwar mit Blick auf Pin das Unbehagen über den Mindestlohn. Bei der für Freitag vorgesehenen Schlussabstimmung über die Aufnahme der Briefdienste in das Entsendegesetz für Arbeitnehmer könnte es mehrere Dutzend Gegenstimmen geben. Wegen der großen Mehrheit der Großen Koalition ist der Postmindestlohn aber nicht gefährdet. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) kündigte erwartungsgemäß an, dass bei der Abstimmung über das Gesetz im Bundesrat am 20. Dezember die von CDU und FDP gemeinsam regierten Länder nicht zustimmen werden. Dies sind neben Baden-Württemberg auch Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Gesamtinsolvenz nach Bundesratsentscheidung

Springer-Chef Döpfner plant, sofort nach der Bundesratsentscheidung die Gesamtinsolvenz für Pin anzumelden. Unterstützt wird er dabei vom Insolvenzberater Horst Piepenburg. Am Montag will Döpfner den Springer-Aufsichtsrat über das weitere Vorgehen unterrichten. Die Unzufriedenheit vor allem unter den Aktionärsvertretern im Aufsichtsrat ist nach FTD-Informationen inzwischen erheblich. Neben der Mehrheitsaktionärin Friede Springer und Aufsichtsratschef Giuseppe Vita gilt vor allem Siemens- und Thyssen Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme als einflussreich, ebenso wie Brian Powers vom Finanzinvestor Hellman & Friedman, der mit knapp zehn Prozent an Springer beteiligt ist. Döpfner, der selbst knapp drei Prozent an Springer hält, konnte sich bislang allerdings auf den Rückhalt Friede Springers verlassen.

Die Lage bei der Pin Group, deren Mehrheit Springer erst im Sommer für 510 Mio. Euro übernommen hatte, ist desolat. Allein 2007 wird Pin einen Verlust von bis zu 55 Mio. Euro einfahren. Ein einst geplanter Notverkauf gilt mittlerweile als aussichtslos. Stattdessen ist vorgesehen, dass der Insolvenzverwalter einzelne Pin-Firmen etwa in Berlin oder Hannover verkauft. Der Briefzusteller besitzt keine finanzielle Reserven. Keiner der Gesellschafter sei bereit, "dem schlechten Geld gutes Geld hinterherzuwerfen", hieß es. Eine Springer-Sprecherin sagte lediglich, man befasse sich "ernsthaft mit allen Optionen".

FTD

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