Porsche-Chef Wiedeking wird gehen müssen Die Würfel sind gefallen


Es war ein rechtes Hin und Her in den vergangenen Tagen. Zuletzt wäre das Dementi aus der Stuttgarter Zentrale beinahe früher veröffentlich worden als die neuste Meldung, dass Wendelin Wiedeking nicht mehr länger Porsche-Chef sein werde. Noch ist der 56-Jährige im Amt, doch die Würfel sind gefallen. Wiedeking wird gehen müssen.

Die Würfel im Machtkampf um VW und Porsche sind gefallen: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking muss gehen. Die Anzeichen für einen Abgang Wiedekings erhärteten sich am Freitag, auch wenn Porsche dies noch dementierte. Wie aber aus Konzernkreisen verlautete, haben sich die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch nach monatelangem erbitterten Ringen grundsätzlich über die Zukunft des hoch verschuldeten Sportwagenbauers geeinigt: Volkswagen übernimmt knapp die Hälfte an der Porsche AG, der Sportwagenbauer wird als zehnte Marke in den Konzern integriert. Für Wiedeking, der gegen diese Lösung gekämpft hat, ist damit kein Platz mehr im neuen Autoimperium.

Nach übereinstimmenden Medienberichten muss Wiedeking nach einem Beschluss der Eigentümerfamilien seinen Posten räumen. Gerüchte darüber gab es bereits seit Tagen. Nachfolger soll der bisherige Porsche-Produktionsvorstand Michael Macht werden. Betriebsratschef Uwe Hück polterte zwar erneut und sprach von einer gezielten Falschmeldung. Außerdem werde es "keinen neuen Vorstandsvorsitzenden gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat geben". Grundsätzlich war das Dementi aus Stuttgart jedoch dünn: "Davon ist uns nichts bekannt", sagte ein Porsche-Sprecher. "Dazu wäre ein Präsidialbeschluss des Porsche-Aufsichtsrates notwendig. Den gibt es nicht." Wiedeking sei damit weiterhin im Amt.

Modellpalette komplett - vom Klein- bis Sportwagen

Allerdings scheint sicher: Der große Gewinner in der monatelangen, erbittert geführten Schlacht um Porsche ist VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Der VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer hatte Wiedeking bereits Anfang Mai öffentlich angezählt und hat sich nun mit seinem Plan zur Zukunft von Porsche und VW grundsätzlich durchgesetzt: Ein großer integrierter Autokonzern, der von Kleinwagen über Bestseller wie den Golf bis hin zu Lastwagen und künftig auch Sportwagen die gesamte Modellpalette im Angebot hat. Damit kann der gewiefte Taktiker und Enkel des legendären Autopioniers Ferdinand Porsche seinen großen Traum erfüllen.

Der zweite große Gewinner dürfte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sein, der im Schulterschluss mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) das VW-Gesetz rettete, das dem Land eine Sonderstellung bei VW einräumt. Nach der monatelangen, mit Giftpfeilen gespickten Debatte fand er am Freitag in der "WirtschaftsWoche" versöhnliche Töne. Wiedeking habe bei dem Versuch, Volkswagen zu übernehmen, die richtige industrielle Logik erkannt, lobte Wulff. Wiedeking könne sich deshalb als Vater des integrierten VW/Porsche-Konzerns sehen. Dass das Lob jedoch tatsächlich aufrichtig gemeint ist, scheint nach den Mobbing-Vorwürfen der Stuttgarter in Richtung niedersächsische Staatskanzlei mehr als fraglich.

Schuldenberg bei zehn Milliarden Euro

Die grundsätzliche Einigung soll am Donnerstag bei Aufsichtsratssitzungen von VW und Porsche festgezurrt werden. Demnach übernimmt VW zunächst knapp die Hälfte der Porsche AG, in der das Autogeschäft der Stuttgarter gebündelt ist. Im Gespräch als Kaufpreis sind vier Milliarden Euro. Als weiterer Großaktionär bei VW dürfte das Emirat Katar einsteigen.

Damit dürfte Wiedeking mit seinem Rettungskonzept endgültig gescheitert sein. Er wollte über eine Kapitalerhöhung mit Hilfe der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch Geld in die Kassen spülen und hoffte auf einen Einstieg des Emirats Katar. Katar soll laut Bankenkreisen insgesamt sieben Milliarden Euro für den Kauf von Stammaktien und VW-Optionen geboten haben. Die Kapitalerhöhung sollte ein Volumen von bis zu fünf Milliarden Euro haben. Der Schuldenberg von Porsche beträgt mittlerweile rund zehn Milliarden Euro.

Neben Wiedeking muss auch Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche als großer Verlierer in dem Machtkampf mit VW angesehen werden. Der Cousin von Ferdinand Piëch hatte bis zum Schluss schützend seine Hand über seinen obersten Angestellten gehalten - und beeilte sich auch am Freitag nochmals, die Demission Wiedekings zu dementieren. Ob WoPo, wie sein Spitzname lautet, nun weiter das Kontrollgremium der Holding leiten wird, muss abgewartet werden.

100 Millionen Euro Abfindung?

Wiedeking dürfte zum Abschied einen "goldenen Handschlag" bekommen: Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" könnte der 56-Jährige eine Abfindung von mehr als 100 Millionen Euro erhalten. Dies wäre die höchste Abschiedszahlung, die es in Deutschland jemals gegeben hat. Wiedeking hat noch einen Vertrag bis 2012. Er engagierte aber bereits einen renommierten Stuttgarter Arbeitsrechtler für seine Abfindungsverhandlungen. Wie die DPA erfuhr, soll es sich bei dem Experten um Jobst-Hubertus Bauer handeln. Der Arbeitsrechtler hatte bereits für mehrere Spitzenmanager millionenschwere Abfindungen herausgeholt.

Andreas Hönig und Bernd Glebe/DPA DPA

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