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POSTDIENST: Auch »Aktie Gelb« enttäuschte Anleger

Trotzdem fiel die Kursentwicklung der zweiten »Volksaktie« ein Jahr nach Börsenstart weit weniger schlimm aus, als beispielsweise bei der T-Aktie.

Für Hunderttausende von Kleinanlegern brachte nach der T-Aktie auch die »Aktie Gelb« im Sog der allgemeinen Börsenschwäche viel Ernüchterung. Ähnlich wie die Deutsche Telekom vier Jahre zuvor hatte auch die Deutsche Post zum Börsenstart ihrer Privatisierung vor genau einem Jahr kräftig die Werbetrommel für die zweite »Volksaktie« gerührt. Damals kostete das Papier 21 Euro. Inzwischen ist es - der Kurs notierte am Montag knapp unter 16 Euro - rund ein Viertel weniger wert. Damit kam der DAX-Wert aber längst nicht so stark unter die Räder wie etwa die T-Aktie.

Kurs stabilisiert sich

Nach vorübergehendem Absacken auf einen Tiefstkurs von genau 13 Euro kurz nach den Terroranschlägen des 11. September geht es für die »Aktie Gelb« - in Seitwärtsbewegung - wieder leicht aufwärts. Analysten wie auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hatten für die Aktie beim Börsendebüt ohnehin kein Kursfeuerwerk erwartet. Nur kurzfristig kletterte der Kurs über den Ausgabepreis und erreichte ein Allzeithoch von 24,17 Euro.

Keine Gewinnwarnung

Trotz schwacher Konjunktur und Terror-Folgen gibt es aber bei der Post keine Gewinnwarnungen. Und nationalen Wettbewerb im einträglichen Briefgeschäft hat das Unternehmen weiter so gut wie nicht zu fürchten. Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel beklagt daher das schlechte Börsenumfeld, das mit zu dem schwächeren Kursniveau führte. Im Vergleich zu den anderen DAX-Werten behauptete sich die Post-Aktie sogar noch gut. Dies gelte auch in Relation zur gesamten Logistik-Branche.

Milzbrandbriefe belasteten

Die Konjunkturflaute und die Terroranschläge eröffneten auch neue Chancen, sieht Zumwinkel: »Die Deutsche Post wird aus der Krise gestärkt hervorkommen.« Die durch die Anschläge in den USA verursachten Ertragseinbußen bei den Tochterfirmen DHL und Danzas liegen in einem zweistelligen Millionenbetrag. Die vermeintlichen Milzbrandbriefe belasteten das Ergebnis bisher mit rund einer Million Euro - sie haben vor allem »viel Zeit und Nerven« gekostet.

Ergebnislage sehr gut

Nach dem Rekordjahr 2000, als sich der früher behäbige Staatsriese für die Börse herausputzte, steuert die Post auch in diesem Jahr wieder auf Rekordergebnisse zu. Sowohl beim Umsatz (2000: 32,7 Mrd Euro/63,9 Mrd DM) wie beim Ergebnis aus dem gewöhnlichen Geschäft (2000: 2,4 Mrd Euro), erwartet das Unternehmen ein Plus von mehr als fünf Prozent, sagte Zumwinkel.

Logistik ist Wachstumsmarkt

Beim Brief, der mit fast drei Viertel nach wie vor den Löwenanteil des Konzerngewinns ausmacht, ist das Geschäft zwar nur konstant. Dafür legen die Sparten Express und Logistik immer deutlicher zu. Das nationale Monopol für die Beförderung von Standardbriefen wurde von der Bundesregierung bis Ende 2007 festgeschrieben. Und beim Briefporto geht Zumwinkel davon aus, dass es auch ab 2003 nicht zu einer Senkung kommt.

Keine großen Zukäufe

Weitere größere Zukäufe will die Post nach Angaben von Zumwinkel erst einmal zurückstellen. Hier sollen die Risiken des Konjunktureinbruchs - vor allem in den USA - und der Terrorgefahren erst einmal abgewartet und geprüft werden. In Branchenkreisen war zuvor bereits mit der Übernahme des US-Unternehmens Airborne Express gerechnet worden.

Weiteres Aktienpaket des Bundes?

Ob der Bund bereits im nächsten Jahr weitere Aktien an den Markt bringt, ist noch nicht sicher. Der Bund hält noch 69 Prozent. Zur Schließung von Haushaltslücken und zur Finanzierung der Post-Pensionskasse wäre Finanzminister Hans Eichel ein Geldregen sicher willkommen. Diesen könnte der Bund auch über die Zwischenveräußerung weiterer Anteile an die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erzielen. Direkt ein weiteres Aktienpaket zu platzieren würde sich nur lohnen, wenn die Börsenlage stimmt und ein möglichst hoher Kurs durchsetzbar ist.