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Preiserhöhung: Politiker werfen Bahn "Abzocke" vor

Von allen Seiten hagelt es Kritik: Politiker von SPD, FDP und den Grünen werfen der Bahn vor, mit der angekündigten Erhöhung der Ticketpreise "die Fahrgäste schröpfen zu wollen". Auch die Lokführergewerkschaft hält teurere Fahrpreise für unnötig.

Der Grünen-Politiker Fritz Kuhn hat die angekündigte erneute Preiserhöhung bei der Bahn als "übelste Abzocke" bezeichnet. Bahnchef Hartmut Mehdorn wolle "wieder die Fahrgäste schröpfen, um den geplanten Börsengang für profithungrige Investoren attraktiv zu machen", sagte der Fraktionschef im Bundestag den "Ruhr Nachrichten". Diesem "kundenfeindlichen Größenwahn" müsse der Bund als Eigentümer endlich ein Ende machen.

Kritik an den Plänen kam auch vom Fahrgastverband "Pro Bahn": "Die Ergebnisse des Unternehmens sind so gut, dass die Mehrkosten erst einmal hätten aufgefangen werden können", sagte der Vorsitzende Karl-Peter Neumann der "Berliner Zeitung". Die Bahn müsse aufpassen, dass sie ihren Aufwärtstrend nicht durch zu hohe Preise wieder zunichte mache.

GDL: "Hübsch machen für den Börsengang"

Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hält Mehdorns Begründung für die Preisrunde für nicht haltbar. Laut Mehdorn sind die geplanten Preiserhöhungen auf gestiegene Energie- und Personalausgaben zurückzuführen. "Es hätte mich gewundert, wenn wir nicht Schuld wären", sagte der GDL-Vorsitzende. Die Halbjahresbilanz hingegen zeige, dass Personalkosten nicht ausschlaggebend seien. "Mehdorn hat gute Zahlen vorgelegt. Er macht sein Baby hübsch für den Börsengang", sagte Weselsky. Auch der SPD-Politiker Hermann Scheer erklärte, dass Preiserhöhungen "bei den derzeitigen Erträgen nicht nötig sind". FDP-Bahnexperte Patrick Döring sagte: "Das wird diejenigen abhalten, die vom Auto auf die Bahn umsteigen wollen."

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee verteidigte hingegen die angekündigten Preiserhöhungen bei der Deutschen Bahn. "Wir werden auf diese Fahrpreiserhöhung nicht verzichten können", sagte er bei einem Besuch in Chemnitz. "Es ist immer schmerzlich, wenn die Preise steigen - egal, ob Sie als Kunde an der Bahnsteinkante stehen oder Güter transportieren wollen", räumte er ein. Die Bahn müsse aber reagieren, wenn sich die Preise in ihrem Umfeld änderten. Der SPD-Politiker wies darauf hin, dass der Konzern inzwischen nach streng wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeite und seine hohe Verschuldung vergangener Jahre hinter sich gelassen habe.

Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte am Montag bei der Halbjahresbilanz in Frankfurt angekündigt, die Preise sollten wegen stark gestiegener Energie- und Personalkosten nach zwölf Monaten zum Fahrplanwechsel im Dezember wieder angehoben werden. Laut "Financial Times Deutschland" sollen die Fahrscheine um bis zu 3,2 Prozent teurer werden. Ein Konzernsprecher sagte dazu, es gebe noch keinen Vorstandsbeschluss, man werde Anfang September über die Details informieren.

Finanziell nimmt der bundeseigene Konzern mit einem Gewinnplus im ersten Halbjahr Kurs auf die Teilprivatisierung, die nach wie vor "im Herbst" angestrebt wird. Ein konkreter Termin wurde noch nicht genannt. Erwartet wird die Ankunft am Kapitalmarkt für Anfang November.

AP/DPA/AFP / AP / DPA