Radikaler Sparkurs AOL Deutschland adé


Kahlschlag bei AOL: Der Internet-Konzern zieht sich im Zuge seiner Umstrukturierung offenbar weitgehend aus Europa zurück. Auch der Standort Deutschland wird geschlossen, betroffen sind alle 140 Mitarbeiter.

AOL Deutschland ist bald Geschichte. Der Ableger des amerikanischen Internet-Unternehmens fällt Medienberichten zufolge dem radikalen Konzernumbau ebenso zum Opfer wie zahlreiche andere europäische Dependancen. Demnach sollen alle vier Büros in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München geschlossen werden, betroffen sind alle 140 Mitarbeiter. Die deutsche AOL-Tochter Adtech bleibt hingegen bestehen.

Neben Deutschland sind auch die Märkte Spanien und Schweden betroffen, wo AOL offenbar ebenfalls Büros schließen wird. Ob und wie es in den anderen europäischen Ländern mit AOL weitergeht, ist unklar. Die offizielle Stellungnahme verheißt wenig Gutes: In den meisten der elf Länder sollen bereits Gespräche mit den Betriebsräten aufgenommen worden sein. Nach Informationen von Horizont.net soll der Rückzug aus Frankreich nahezu beschlossene Sache sein, in Großbritannien stehe zumindest ein massiver Mitarbeiterabbau an.

E-Mail- und Messenger-Dienst soll erhalten bleiben

Nachdem der Internet-Pionier bereits vor gut drei Jahren sein deutsches Internet-Zugangsgeschäft für rund 675 Millionen Euro an Hansenet verkauft hatte, scheidet AOL nun auch aus dem Portalgeschäft aus. Das AOL Media Netzwerk, das zuletzt 16,7 Millionen Internetnutzer erreichte und das neben AOL.de auch Seiten wie StayFriends, Finanztreff.de und die Internetseiten einiger Fußballvereine vermarktet, ist damit nach 15 Jahren Geschichte. Die Internetseite AOL.de, die im Monat von etwa 4,5 Millionen Menschen aufgesucht wird, soll in reduzierter Form mit Basisfunktionen wie E-Mail und Messenger erhalten bleiben, sagte ein Unternehmenssprecher laut FAZ.net.

AOL befindet sich einmal mehr in einem radikalen Umbauprozess: Nach acht erfolglosen Jahren unter dem Dach des US-Medienriesen Time Warner war der Online-Dienstleister Ende 2009 wieder als eigenständiges Unternehmen an die Börse zurückgekehrt. Nach der Loslösung muss AOL sein Geschäft auf Vordermann bringen und will dabei rund 2500 Stellen und damit ein Drittel aller Arbeitsplätze streichen. Die Kosten sollen dadurch um rund 200 Millionen Euro pro Jahr sinken.

joe/DPA DPA

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