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Rezession: Wirtschaft schrumpft im Rekordtempo

Historischer Konjunktureinbruch in Deutschland: Das Bruttoinlandsprodukt ist laut Statistischem Bundesamt von Oktober bis Dezember so stark geschrumpt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Im gesamten Euro-Raum schrumpfte die Wirtschaft im letzten Quartal 2008 unerwartet stark. Noch viel schlimmer ist die Situation in Japan.

Die weltweite Wirtschaftskrise hat in Deutschland zu einem historischen Konjunktureinbruch geführt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von Oktober bis Dezember unerwartet deutlich um 2,1 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer Schätzung mitteilte. "Das war der größte Rückgang gegenüber einem Vorquartal im wiedervereinigten Deutschland", hieß es. Der bisherige Negativrekord lag bei minus 1,2 Prozent im ersten Quartal 1993. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang von 1,8 Prozent gerechnet.

Damit litt die deutsche Wirtschaft in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres überdurchschnittlich stark. Zwar schrumpfte die Wirtschaft auch in der gesamten Euro-Zone unerwartet stark, hier lag der Rückgang jedoch bei 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie die Statistikbehörde Eurostat am Freitag mitteilte. Das ist der größte Rückgang seit Gründung des Währungsraums. Gerechnet hatten Experten mit 1,3 Prozent. Noch viel härter hat es Japan getroffen, wo die Wirtschaft sogar um mehr als 10 Prozent einbrach.

Die Konjunktur brach am Jahresende auf breiter Front ein. Exporte und Investitionen gingen spürbar zurück. "Auch die Konsumausgaben waren geringfügig geringer als im dritten Quartal", hieß es. Außerdem produzierten die Unternehmen wegen des sinkenden Absatzes verstärkt auf Halde: Der Lageraufbau sei "deutlich" gestiegen, hieß es.

Schnelles Ende der Talfahrt nicht in Sicht

Experten zufolge wird die konjunkturelle Talfahrt in diesem Jahr anhalten. "Die Leute, die da sagen, im Sommer geht es wieder aufwärts, das ist Blödsinn", sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, am Donnerstagabend im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Er rechne zur Bundestagswahl im September mit 500.000 bis 700.000 zusätzlichen Arbeitslosen im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Pessimistisch äußerte sich auch der Deutschland-Chefvolkswirt der Citigroup, Jürgen Michels: "Im ersten und zweiten Quartal dürfte es noch einmal nach unten gehen."

Bereits im Frühjahr und Sommer 2008 war die Wirtschaftsleistung um jeweils 0,5 Prozent geschrumpft. Zu Jahresbeginn gab es dagegen ein kräftiges Plus von 1,5 Prozent. Deshalb reichte es im Gesamtjahr 2008 noch zu einem Wachstum von 1,3 Prozent. Damit bestätigte das Amt eine erste Schätzung von Mitte Januar.

Für dieses Jahr sagt die Bundesregierung die schwerste Rezession seit 1949 voraus. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach um 2,25 Prozent sinken. Einige Ökonomen halten sogar ein Minus von drei bis vier Prozent für möglich.

Japans Wirtschaft bricht ein

Unterdessen ist die Situation der japanischen Wirtschaft noch ungleich dramatischer. Nach Einschätzung von Experten ist sie im vierten Quartal 2008 um enorme 11,7 Prozent geschrumpft. Entsprechende Zahlen wird die Regierung voraussichtlich am kommenden Montag bekanntgeben. Das wäre der stärkste Rückgang seit dem Ölschock in den siebziger Jahren und weit mehr als in den USA oder Europa. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt befindet sich damit in der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.

Auch Frankreich meldete am Freitag schlechte Konjunkturdaten. Das Bruttoinlandsprodukt sank am Jahresende um 1,2 Prozent.

Reuters/AP / AP / Reuters