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Drogerie-König Rossmann-Chef rechnet mit Entwicklungshilfe ab: "Uns stehen unvorstellbare Probleme bevor!"

Rossmann-Chef Dirk Rossmann
Dirk Rossmann, Chef der gleichnamigen Drogeriekette, fordert eine Wende in der deutschen Entwicklungspolitik.
© Holger Hollemann/ / Picture Alliance
Dirk Rossmann ist Deutschlands Drogerie-König. Doch im "Handelsblatt"-Interview will er nicht über seine Lebensgeschichte sprechen, sondern findet klare Worte für die deutsche Entwicklungspolitik. 

Dirk Rossmann gilt als Deutschlands Drogerie-König. Wo Anton Schlecker in die Pleite schlitterte, konnte sich Rossmann mit seiner gleichnamigen Kette behaupten. Diese Geschichte hat der Unternehmer aufgeschrieben, am Montag ist seine Biographie erschienen. Doch im Gespräch mit dem "Handelsblatt" geht es nicht um Waschmittelverkauf oder Bio-Lebensmittel - sondern um Entwicklungshilfe. Rossmann ist seit Jahren bei der "Deutsche Stiftung Weltbevölkerung" (DSW) aktiv, bereiste auch selbst den afrikanischen Kontinent, um sich ein Bild zu machen. Und findet nun im Gespräch recht deutliche Worte für eine - wie er findet - fehlgeleitete Entwicklungshilfe.

Dirk Rossmann kritisiert Entwicklungshilfe

Konkret kritisiert er die Hilfe "mit der finanziellen Gießkanne über den afrikanischen Kontinent". Dabei würden auch Regime unterstützt, bei denen die Hilfe versickert statt bei den Menschen anzukommen. "Im Kern geht es darum, viel mehr oder viel weniger zu tun. In Ländern mit schwachen Regierungen, die nicht verhindern, dass Milliarden ins Ausland transferiert werden, um dann auf einem Schweizer Nummernkonto zu landen – ich denke hier zum Beispiel an das ölreiche Nigeria –, wird jede Hilfe zur Absurdität", so Rossmann. Er fordert, dass Länder, "die bereit sind, etwas zu tun", mehr Hilfe bekommen sollen. "Und hierbei sollte in Zukunft gelten: nicht kleckern, klotzen!" Als unterstützungswürdige Länder zählt er Malawi, Ruanda und Äthiopien auf.

Neben Bildung fordert er eine bessere sexuelle Aufklärung, um die Geburtenrate zu regulieren. "Ich wünsche mir von der deutschen Regierung, dass sie – zusätzlich zu den rund 8,5 Milliarden Euro der momentanen Entwicklungshilfe – jedes Jahr weitere fünf Milliarden in die Hand nimmt, um damit die Geburtenrate in jenen Ländern zu senken, die dieses Ziel auch aktiv verfolgen", so Rossmann in dem "Handelsblatt"-Interview. "Nur Bildung, wachsender Wohlstand und sinkende Arbeitslosigkeit bewirken einen Rückgang der Geburtenrate."  In Niger würde jede Frau statistisch 7,6 Kinder bekommen, in Subsahara-Afrika fünf Kinder. "Wenn hier nichts passiert, verdoppelt sich in vielen dieser Länder in nur 23 Jahren die Einwohnerzahl. Alle zwölf Jahre wächst die Weltbevölkerung um eine Milliarde Menschen. Uns stehen unvorstellbare Probleme bevor, deren Konsequenzen immer grausamer werden, je länger wir zusehen, statt dem kraftvoll entgegenzutreten", so Rossmann. "Wir müssen aus unserer deutschen Lethargie heraus."

Dass angesichts der Flüchtlingsdiskussion in Deutschland und der "Festung Europa" innerhalb der EU mehr Hilfen kaum durchsetzbar seien, weist Rossmann zurück. "Weil die Lage zu ernst ist, um noch derart kurzfristig nur auf die nächste Wahl zu starren. Und so dumm sind die Bundesbürger nicht", so Rossmann zum "Handelsblatt" (Hier lesen Sie das ganze Interview). "Sie erkennen die globale Bedeutung solcher Hilfen, die wir uns als eines der wohlhabendsten Länder der Erde leisten können und in ureigenem Interesse auch leisten müssen." 

kg

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