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Milchpulver Diskriminierung bei Rossmann? Das sagt die Drogeriekette zu den Vorwürfen

Rossmann-Filiale in Berlin
In einer Berliner Rossmann-Filiale (Symbolbild) beobachtete eine Kunde Diskriminierung. Das Unternehmen verteidigt das Vorgehen der Mitarbeiterin.
© picture alliance / Markus C. Hurek
Eine Kundin beobachtet bei Rossmann, wie eine junge Frau von einer Mitarbeiterin sehr unhöflich behandelt wird - und macht die Geschichte bei Facebook öffentlich. Rossmann postet dazu lediglich einen Link zu einem stern-Artikel. Jetzt erklärt die Firma den Vorfall.

Martina Schröder war in der vergangenen Woche in der Rossmann-Filiale bei Kaufland am Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin. Direkt nach dem Besuch beim Drogeristen postet sie bei Facebook auf die Unternehmensseite, was sie in dem Geschäft beobachtet hat - und was sie "fassungslos zurücklässt".

Offenbar wollte eine junge Asiatin Milchpulver kaufen und brachte zwei Packungen samt der an dem Regal angebrachten Rabatt-Coupons zur Kasse. Doch habe die Verkäuferin "hektisch, ungehalten, laut und aggressiv" auf die Kunden reagiert, so Schröder in ihrem Post. Außerdem habe die Kundin wohl nur sehr "holprig Deutsch" gesprochen. Das Problem: Die Kundin hatte nicht das Milchpulver zur Kasse gebracht, für das die Coupons auch galten. "Und nein, sie dürfe nicht noch einen Coupon nehmen, um bei einer zweiten Packung auch sparen zu können. Die Frau wurde regelrecht eingeschüchtert und gegängelt, sich zu beeilen. Schließlich wurde ihr genervt zum Regal hinterher gestapft und die 'richtige' Packung in die Hand gedrückt", so Schröder.

Milchpulver: Diskriminierung bei Rossmann? Das sagt die Drogeriekette zu den Vorwürfen

Nachdem die Kundin die Ware bezahlt habe, soll die Verkäuferin einer Kollegin gesagt haben, dass diese sich das Gesicht merken soll. Die Kundin komme bestimmt wieder. Und die Coupons solle sie auch gleich vom Regal entfernen.

Diskriminierung bei Rossmann?

Martina Schröder kritisiert den Umgang mit der Kundin. "Ich finde das Verhalten Ihrer Mitarbeiterin menschenverachtend und diskriminierend. Es ist ungeheuerlich, in einem Stadtteil, in dem der Ausländer-Anteil und die Armut bekanntermaßen sehr hoch sind (und auch sonst wo), in einem Job mit Kundenkontakt (egal welcher Nationalität) ein solches Verhalten an den Tag zu legen", so Schröder.

Das Social-Media-Team von Rossmann reagierte auf den Vorwurf - und postete lapidar einen Link zu einem stern-Artikel mit dem Hinweis: "Hallo Martina, vielen dank für dein Feedback. Das Verhalten der Kassiererin hat sicherlich hiermit zu tun." Inzwischen wurde dieser Post gelöscht. In dem Artikel "Wie Chinas Durst nach Babymilch deutsche Supermarkt-Regale leerfegt" vom 21. Januar 2016 geht es um Hamsterkäufe chinesischer Kunden bei deutschen Drogerien. Die User reagierten empört auf dieses Abtun.

Rossmann entschuldigt sich - und will aufklären

Bei Rossmann selbst heißt es auf stern-Nachfrage: "Wir entschuldigen uns für die vollkommen unpassende Reaktion unseres Social-Media-Teams. Mit einem Link auf eine solche Anfrage zu reagieren, hätte so nicht geschehen dürfen." Rossmann beschäftigt sich mit dem Problem von Babymilchpulver bereits seit 2013, so das Unternehmen. Die Nachfrage übersteige in einigen Märkten das Angebot. Was "zu großer Besorgnis auf Seiten unserer Kunden führt, die ihre Kinder an eine Marke gewöhnt haben und daher auf die Warenversorgung angewiesen sind. Wir als Händler können jedoch nur die Ware anbieten, die wir geliefert bekommen – um Engpässen bei bestimmten Marken entgegenzuwirken, beschränken wir die Abgabe diese Milchnahrung daher auf drei Packungen pro Kunde und Tag", so Rossmann in einer Stellungnahme weiter.

Babymilch, ein Verkaufsschlager

Tatsächlich kämpfen die Drogerieketten seit Jahren mit einer ausufernden Nachfrage nach Babymilch. Laut der "Lebensmittelzeitung" würde jährlich Babymilchpulver im Wert von 200 Millionen Euro von Deutschland nach China exportiert. Dort ist die Nachfrage deshalb so hoch, weil die Qualität der deutschen Produkte Sicherheit gewährleistet. Immer wieder war in der Vergangenheit in China gepantschtes Pulver in den Handel geraten, das Hunderttausende Babys erkranken ließ. Einige von ihnen starben.

Das Problem ist bekannt, wirkliche Lösungen sind noch nicht in Sicht. Das Handeln der Verkäuferin will Rossmann jedoch hinterfragen und aufklären. Was genau in den Mitarbeitergesprächen besprochen wurde, möchte das Unternehmen nicht sagen. "Seien Sie versichert, dass der freundliche und zuvorkommende Umgang mit unseren Kunden uns sehr am Herzen liegt und wir den Vorfall hinreichend aufklären werden", so Rossmann weiter.

Auch das Social-Media-Team lässt die User über Facebook wissen: "Wir als Social-Media Team entschuldigen uns vielmals für unsere vollkommen unpassende Reaktion. Auf die Schilderung aus unserer Filiale sind wir nicht eingegangen und haben nur allgemein mit dem Verweis auf einen Artikel geantwortet - das hätte so nicht geschehen dürfen. Wir sind mit unseren Kollegen in der Filiale in Kontakt, um den Vorfall aufzuklären."


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