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Ryanair, Easyjet und Co. im Aufwind: Immer mehr Passagiere fliegen mit Billigfliegern - das könnte für die Airlines gefährlich werden

Die Billigairlines wie Esayjet, Norwegian und Co. konnten im vergangenen Jahr stark zulegen. Immer mehr Menschen fliegen mit den Low-Cost-Anbietern. Doch die eigentlich guten Nachrichten werden zum großen Problem. 

Billigairline bekommen Probleme

Billigairline könnten Probleme bekommen

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Glatt lief das Jahr 2018 für Ryanair wirklich nicht: Eine chaotische Planung der Piloteneinsätze zwang die Billigairline dazu, im Frühjahr zahlreiche Flüge zu anulieren. Dann begehrten auch noch die Angestellten auf, die in mehreren Ländern - darunter auch in Deutschland - die Arbeit niederlegten, um für höhere Gehälter zu kämpfen. Wieder mussten zig Flüge gestrichen werden. Trotz dieser Probleme glänzt die Airline: Um acht Prozent legte Ryanair bei den Passagieren zu, im Jahr 2018 wurden 139,2 Millionen Passagiere transportiert. Die Auslastung der Maschinen lag bei 96 Prozent. Lediglich die Lufthansa brachte mehr Menschen von A nach B. 

Also alles rosig beim Billigflieger? Nein, denn auch wenn immer mehr Menschen bei den Billigfliegern einsteigen: Für die Airlines ist das Geschäft ruinös. Das gilt nicht nur für Ryanair, sondern auch für die Wettbewerber im Low-Cost-Bereich wie Easyjet, die Lufthansa-Tochter Eurowings oder Norwegian. Sie alle konnten 2018 ordentlich zulegen - allerdings fallen dabei die Ticketpreise.

Ryanair will sparen

Wie das "Handelsblatt" berichtet, musste Ryanair die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2018/2019 innerhalb weniger Monate zum zweiten Mal nach unten korrigieren. Zunächst hatte Ryan einen bereinigten Gewinn von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro angepeilt. Nun rechnet Firmenchef Michael O'Leary eher mit einem Ergebnis von gut einer Milliarde Euro. Um nicht ein drittes Mal nachkorrigieren zu müssen, soll nun der Rotstift helfen. Laut einem internen Memo, aus dem "Airliners" zitiert, plant die Billiglinie die Schließung von Basen und will einige Strecken nicht mehr fliegen. Man prüfe alle Routen und Standorte sehr genau, heißt es dort. Auch befristete Arbeitsverträge, saisonal betriebene Basen oder ein abgeschwächtes Flottenwachstum werde diskutiert. 

Klar, die Streiks und auch steigende Spritkosten drücken den Gewinn bei Ryanair. Aber nun sind auch die verbilligten Tickets ein Gewinnproblem. Allein jetzt im Winter schmelzen die Ticketpreise um durchschnittlich sieben Prozent, so die Billigairline. Der Luftfahrtexperte Daniel Röska von Bernstein Research sieht in den Problemen von Ryanair auch eines für die gesamte Branche der Billigflieger.

Überkapazität und Preisschlacht bei Tickets

Besonder gebeutelt ist die Billiglinie Norwegian. Hoch verschuldet kämpft die Airline ums Überleben und tritt bei der Expansion massiv auf die Bremse. Palma de Mallorca, Gran Canaria, Teneriffa, Rom-Fiumicino und zwei Basen in den USA sind schon als Destinationen gestrichen worden, das gesamte Streckennetz wird verkleinert. Auch Norwegian hatte 2018 mit 37,8 Millionen Passagieren einen neuen Rekord aufgestellt - doch viel wert ist das nicht. Zwar macht Norwegian bei der Preisschlacht selbst ordentlich mit. Doch wohl nicht zu jedem Preis. So erklärt sich zumindest die gesunkene Auslastung von 87,5 Prozent auf 85,8 Prozent. Und diese Strategie könnte sich nun rächen. Neben der Überkapazität der Airline selbst, gibt es auch einfach zu viele Airlines an sich, schreibt auch "Airliners". 

Norwegian ist zumindest ein heißer Übernahmekandidat - und könnte damit die erste Airline sein, die geschluckt wird. Auch die isländische Airline Wow ist in Schieflage. Seit Wochen wird nach einer Lösung gesucht. Die Idee, bei Island Air unterzukommen, wurde nicht umgesetzt. Nun soll ein Investor helfen. Das klappt aber nur, wenn die Airline sich gesund schrumpft.

Aber nicht nur Übernahme und Fusionen sind möglich - auch knallharte Pleiten, berichtet das "Handelsblatt" und bezieht sich auf Manager aus der Branche. Demnach sieht der Ryanair-Chef O'Leary Norwegian als Pleitekandidat. 

Bernstein-Luftfahrtexperte Röska ist nicht ganz so pessimistisch. "Der Kerosinpreis ist wieder deutlich gesunken, das verschafft nicht zuletzt den vielen kleinen Anbietern wieder neue Luft zum Weitermachen", zitiert ihn das "Handelsblatt". Allerdings kühlt sich die Weltwirtschaft ab, auch in Deutschland reduzierte die Bundesregierung ihre Prognose für das Jahr 2019 nach unten auf gerade noch ein Prozent. Zwar verschwanden in der jüngsten Vergangenheit mit Air Berlin, Monarch, Small Planet und anderen Fluglinien einige Akteure vom markt. Das Angebot ist aber immer noch deutlich höher als die Nachfrage. Eine Konsolidierung ist also nur eine Frage der Zeit.

Ein Flugzeug bei der Landung
kg