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Billigflieger: Lohndumping, Scheinselbständigkeit und Strafen bei Krankheit – darum sind die Piloten von Ryanair so wütend

Bei Ryanair ist den Piloten der Kragen geplatzt, am Freitag hatten sie gestreikt – weitere Streiks drohen. Kaum eine Firma behandelt die Angestellten so mies wie der Billigflieger aus Irland.

Billige Tickets haben ihren Preis.  

Billige Tickets haben ihren Preis.  

Mitten in der Saison saßen Tausende von Reisenden fest. Beim Billigflieger Ryanair hatten am Freitag die Piloten gestreikt. Weitere Streiktage drohen, wenn nicht Bewegung in den Tarifkonflikt kommt.

Dabei geht es nicht nur ums Geld, es geht um die Arbeitsbedingungen bei Ryanair. Die Iren gelten als Arbeitgeber, der seine Angestellten sehr schlecht behandelt. Vom stolzen Kapitän der Lüfte ist wenig geblieben. Die Reportage "Profit. Auf Kosten aller? – Der gnadenlose Preiskampf der Billigairlines" hatte bereits im letzten Jahr gezeigt, dass inzwischen ein Prekariat der Lüfte hinter dem Steuerknüppel der Billig-Jets sitzt. Denn der Preisdruck auf dem Markt für Flugtickets ist gnadenlos. In nur wenigen Jahren ist die irische Firma Europas größte Airline geworden. Denn billig kann keine besser als die Iren. Neu waren die Enthüllungen nicht, spätestens seit 2009 wird immer wieder gegen Firmen im Ryanair-Umfeld wegen Steuer- und Sozialversicherungsbetrug ermittelt.

Trickkiste aus Irrland

Erstaunlich ist der Einfallsreichtum mit dem der Billig-Carrier die Klippen von Arbeits-, Steuer- und Sozialrecht umgeht. Folgt man der ARD sieht das Modell in etwa so aus: Die Piloten werden nicht bei Ryanair angestellt. Nein. Sie gründen jeweils eine eigene Ein-Mann-Firma in Irland. Diese Pseudo-Gesellschaft bindet sich vertraglich an einen Personaldienstleister, der wiederum Ryanair das Personal vermietet.

So wird aus einem Piloten, der in Deutschland wohnt, ein freier irischer Unternehmer. Deutsches Arbeitsrecht gilt nicht, Kosten für Krankenkasse und Sozialabgaben fallen nicht an. Soziale Verantwortung für Mitarbeiter? Abgeschafft. Beherbergt werden diese Firmen zu Hunderten in den Büros einer Handvoll von Steuerberatern.

Der Staat kommt nicht hinterher

Seit fast zehn Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz. Aber es sieht so aus, als wären die findigen Iren den deutschen Behörden immer einen Schritt voraus. Als wegen des Verdachts auf Scheinselbständigkeit ermittelt wurde, reagierten die prompt. Sofort gründeten die irischen Mini-Gesellschaften der Piloten jeweils eine Betriebsstätte am Wohnsitz des Piloten. Dort wurde der Pilot nun Angestellter seines eigenen Unternehmens. Der Trick dabei: Als Angestellte zahlten sich die Piloten nur ein Mini-Gehalt aus. Zum Sparbeitrag kamen sie so in den Genuss von Krankenkasse und Sozialleistungen. Pro forma war dem deutschen Arbeitsrecht genüge getan.

Sicherheit leidet

Mit viel Mitleid in der Öffentlichkeit können die Piloten nicht rechnen. Denn ihren Kunden geht es häufig noch schlechter. Prekäre Arbeitsverhältnisse gibt es inzwischen viele in Deutschland, die meisten werden allerdings sehr viel schlechter bezahlt als die Piloten von Ryanair. Bei Truckern oder Seeleuten gibt es ähnliche Tricks und Rechtskonstruktionen, wie die ARD sie bei Ryaniar anprangert. Bedenklich für den Kunden wird das Spardiktat allerdings beim Thema Sicherheit. Denn als selbstständige Unternehmer dürfen die Piloten nicht krank werden. Wer krank ist, darf nicht fliegen und wer nicht fliegt, bekommt auch kein Geld. Obendrein fürchten Piloten, die häufige ausfallen, dass das Vertragskonstrukt mit ihnen einfach gelöst wird.

Andreas Adrian ist Fliegerarzt, und prüft ob Piloten fit genug sind, um ein Flugzeug zu bedienen: "Ich habe in der letzten Woche ein Gespräch mit einem Piloten geführt. Er berichtete über zahlreiche Piloten und Kollegen von ihm, die in jeder möglichen Verfassung versuchen, ins Cockpit zu kommen, damit das Leben halt irgendwie weitergeht."

Ryanair sieht sich zu Unrecht am Pranger

Ryanair weist die Vorwürfe der Filmemacher zurück. "Ryanair verhält sich ganz und gar sowohl mit dem europäischen als auch dem irischen Arbeitsrecht konform und verlangt von allen Piloten und Crew-Mitgliedern, dass diese sich stets entsprechend ihrer steuerlichen Pflichten verhalten", heißt es in einer Stellungnahme des Konzerns. Die Airline setze - wie viele andere Fluglinen auch - eine Mischung aus fest angestellten Mitarbeitern und Vertragspiloten ein. Dass Piloten von Ryanair unter Druck gesetzt würden, streitet das Unternehmen ab. Darüber hinaus sei Ryanair auch nicht Gegenstand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz. "Keine von Ryanairs Beschäftigungspraktiken sind 'falsch' und diese sind alle vollständig legal", so die Airline.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.