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Unmögliche Sitzplatzvergabe: Wie mir Ryanair den Urlaub versaute

Nicht zum ersten Mal bin ich mit Ryanair geflogen. Dass man für Zusatzleistungen beim Billigflieger zur Kasse gebeten wird, ist nichts Neues. Jetzt besitzt Ryanair aber die Frechheit, Familien und Paare auseinanderzusetzen – außer man zahlt.

Ryanair

Die "neue" Sitzplatzvergabe von Ryanair stößt bei vielen Fluggästen auf Kritik

Wer einen Flug mit einem Billigflieger wie bucht, kann keinen Luxus erwarten. Das ist auch mir klar. Dass man für nicht ausgedruckte Tickets, für Gepäck oder sonstige Wünsche zur Kasse gebeten wird, ist seit langem bekannt. Auch dass sich Ryanair immer wieder neue Kostenfallen ausdenkt, um den Fluggast ordentlich zu schröpfen. Zumindest das wurde vom Europäischen Gerichtshof im Jahr 2015 reglementiert: Fluggesellschaften müssen ihren Kunden bei Online-Buchungen von Anfang an den Endpreis anzeigen – inklusive Steuern und Gebühren.

Jetzt hat Ryanair sich aber etwas Neues ausgedacht – zum Leid der Fluggäste. Auch ich war auf meinem Flug in der vorherigen Woche davon betroffen: Es scheint, als gäbe es eine neue Art von . Dass die Wahl eines Sitzplatzes bei Ryanair extra kostet, ist nichts Neues. Wer nicht zahlen möchte, dem wird ein beliebiger Platz zugewiesen – auch das ist bekannt.

Was neu ist? In der Vergangenheit wurden zumindest Paare, Familien und auch Gruppen mit der gleichen Buchungsnummer zusammengesetzt. Nicht unbedingt in den vordersten Reihen, aber zumindest zusammen. Das ist passé. Jetzt werden Paare, Familien und Gruppen regelrecht auseinander gerissen. Etwa 14 Tage vor Abflug erhielt ich eine E-Mail von Ryanair:

"Setzen Sie sich neben ihren Freund, Denise", stand da. Ich solle nichts dem Zufall überlassen und nebeneinander reservieren. Als ich dann auf den Link klickte, wurde ich aber zur Kasse gebeten. Mindestens vier Euro, bei einem besseren Sitzplatz sogar noch mehr, sollte ich abdrücken. Wollte ich aber nicht – und ging das Risiko ein. Dann der irritierte Blick auf die Bordkarten: Mein Sitzplatz befand sich in Reihe 9, der meines Freundes in Reihe 32. Was soll das?

Auf meine Nachfrage bei Ryanair wollen die Verantwortlichen von einer Änderung der Verfahrensweise bei der Sitzplatzvergabe nichts wissen: "Sollte ein Kunde keine Sitzplatzreservierung erwerben, wird ihm dieser zufällig zugeteilt - so handhaben wir das seit jeher", heißt es in einer Stellungnahme von Robin Kiely, dem Head of Communications bei Ryanair. Oft seien keine Sitzplätze mehr in der Nähe für eine zufällige Zuweisung, weil die Auslastung des Fluges so hoch sei. So die Begründung der Fluggesellschaft.

Ryanairs erbärmliche Sitzplatzvergabe

Alles also nur Zufall? Seltsam nur, dass meine Freundin, die ebenfalls mit ihrem Freund im Flugzeug saß, nach mir mit zufälliger Sitzplatzvergabe eincheckte und einen "zufälligen" Platz in Reihe 11 erhielt. Ihr Freund hingegen in Reihe 29. Und ein weiteres befreundetes Paar ereilte auf demselben Flug ein ähnliches Schicksal. Bei sechs Personen kann das kein Zufall mehr sein, sondern ein Algorithmus.

Auch in den sozialen Netzwerken sind die Passagiere sauer: Sie werfen Ryanair ein "unwürdiges neues Tief" vor. Eine Familie mit einem fünfmonatigem Baby wurde auseinander gerissen, obwohl das Flugzeug nicht ausgelastet gewesen sein soll. Ein anderer User auf Twitter findet die "neue" Sitzplatzvergabe einfach nur "erbärmlich".

Hinzu kommt der Stress, dem das Bordpersonal ausgesetzt ist: Natürlich lässt sich kein Passagier das Recht nehmen, neben seinem Partner oder seiner Familie zu sitzen. Daher wird fröhlich durchgetauscht. Versuchen die Stewardessen die Passagiere zu zählen, müssen sie warten, bis alle ihre Plätze eingenommen haben. Das kostet Zeit und Nerven. Kein Wunder, dass eine Stewardess die Contenance verliert und die Passagiere anblafft. Die Fluggäste können dafür aber nichts. Es ist schließlich ihr Arbeitgeber, der den Reisenden den Urlaub versaut.

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