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Interview mit Ryanair-Pilot: "Ich habe noch nie für eine Airline gearbeitet, die Mitarbeiter dermaßen schlecht behandelt"

Die Billigfluglinie Ryanair droht mitten in der Sommersaison im Streikchaos zu versinken. Ein Pilot erläutert im stern die Gründe für die europaweiten Ausstände.

Mitten in der Ferienzeit: Ryanair streicht am Freitag wegen Streik 250 Flüge

Urabstimmungen für Streiks bei Ryanair fielen bei den Piloten in mehreren europäischen Ländern eindeutig aus: jeweils über 90 Prozent Zustimmung. In Irland, Schweden, Belgien und Deutschland soll am kommenden Freitag - teilweise zum wiederholten Mal - die Arbeit ruhen. Unzählige Flüge werden ausfallen, wenn die Mehrheit der rund 400 in Deutschland beschäftigten Piloten in den Ausstand treten. Ryanair sagte europaweit bereits 146 von rund 2400 Flügen ab. Weitere dürften folgen. Gleichzeitig drohen weitere Streiks des Kabinenpersonals in Portugal, Spanien und Belgien. Auch dort fielen schon hunderte Flüge aus und es kam zu Chaos an den Flughäfen.

Neben mehr Geld, vor allem für Flugbegleiter, geht es den Beschäftigten auch um bessere Arbeitsbedingungen. "Ich habe noch nie für eine Airline gearbeitet, die Mitarbeiter dermaßen schlecht behandelt", sagt ein erfahrener Pilot, der seit vielen Jahren von Deutschland aus für die Iren startet. " ist eine Diktatur mit Michael O´Leary an der Spitze", erzählt er und berichtet von Pilotenmangel, immer unkalkulierbarer werdenden Dienstplänen, hoher Arbeitsbelastung und steigendem Kostendruck.

Stewardessen als Flaschensammlerinnen

Unerfahrenheit führe immer wieder auch zu Fehlentscheidungen des Personals in kritischen Situationen. Stewardessen würden für rund 1200 Euro Brutto über polnische Tochterfirmen angeheuert. "Ich habe Flugbegleiter hier in Deutschland erlebt, die sammeln nach den Flügen Pfandflaschen von den Sitzen, um sie einzulösen", so der Pilot. "Ich schäme mich fast, so etwas zu erzählen."

Die Cockpitbesatzungen würden außerdem nur nach den planmäßigen Flugzeiten bezahlt. "Wenn wir fünf Stunden auf dem Rollfeld auf einen Slot warten, dann ist das Freizeit", erzählt der Flugkapitän, der seinen Namen geheim halten möchte, weil er Repressionen seines Arbeitgebers fürchtet. 

Die Sparsamkeit bei Ryanair gehe so weit, dass er einmal sogar an der Kasse eines Schwimmbades Eintritt für ein offizielles Sicherheitstraining habe zahlen müssen. Ein schnelles Eingehen auf die Forderungen der Besatzungen erwartet er nicht: "Das Management steckt zu tief in der Low-Cost-Falle, will nur immer weiter drücken, drücken, drücken."

Das komplette Interview lesen Sie im neuen .

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