Sachsen "betandwin" hat ausgezockt


Zweistellige Millionenbeträge pumpt der Sponsor "betandwin" jedes Jahr in den deutschen Sport. Damit hat's wohl bald eine Ende: Die Bundesländer gehen gegen den privaten Sportwettenanbieter vor - in Sachsen ist er seit heute verboten.

Das sächsische Innenministerium hat "betandwin e.K." in Neugersdorf und "bwin.com" Interactive Entertainment AG in Wien mit sofortiger Wirkung untersagt, weiterhin Wetten anzubieten. Das Verbot hat nach Ansicht der Behörde "Signalwirkung" für andere Bundesländer - und wird zugleich von Verbänden und Vereinen bundesweit harsch kritisiert.

Die sächsische Entscheidung folgt einem Beschluss der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder. "Die entscheidende Frage bleibt, ob die Umsetzung des Beschlusses der Konferenz verfassungskonform und europarechtlich einwandfrei ist", sagte Wilfried Straub, Wettbeauftragter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Werder kassiert sechs Millionen Euro

"Was im Moment in Deutschland passiert, ist beispiellos. Das ist eine Treibjagd gegen Wettanbieter", sagte Werder Bremens Marketing- Chef Manfred Müller. Werder stehe "in guten und in schlechten Zeiten" zu seinem Partner "betandwin" und werde alles unternehmen, was möglich ist, um den Vertrag zu erfüllen. "betandwin" ist ab dieser Saison Sponsor der Bremer und mit dem Markennamen "bwin.de" auf den Trikots zu sehen. Werder soll rund sechs Millionen Euro im Jahr kassieren.

Außerdem wirbt "betandwin" auf den Trikots des Zweitligisten TSV 1860 München mit der Aufschrift "we win!". Weitere Clubs aus der 1. und 2. Bundesliga werden von dem Wettanbieter unterstützt. Zudem ist das Unternehmen Hauptsponsor des Ligapokals und investiert eine sechsstellige Summe pro Jahr in die Handball-Bundesliga.

Budget von 56 Millionen Euro

"Bereits in diesem Jahr hat mein Unternehmen mit einem Marketingbudget von 56 Millionen Euro, von dem der Großteil für Sponsoringaktivitäten rund um den Spitzen- und Breitensport entfallen ist, wesentlich mehr Mittel in den Sport investiert als Oddset, die lediglich 17 Millionen Euro an den Deutschen Sportbund als Sportförderung entrichteten", sagt Firmeninhaber Steffen Pfennigwerth, der mit einer Schadensersatzklage in Höhe von 500 Millionen Euro droht. Das Unternehmen wolle sich gegen die "beispiellose Wettbewerbsverhinderung" wehren.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im März das staatliche Monopol auf Oddset-Sportwetten für zulässig erklärt, aber an strenge Vorgaben geknüpft, die Spielsucht einzudämmen. Das Gericht gewährte dem Gesetzgeber eine Übergangsfrist bis Ende 2007. Seither gehen die Bundesländer gegen private Wettbüros vor. Der Lotteriestaatsvertrag sehe ein staatliches Monopol vor, das auf diesem Weg durchgesetzt werde, sagte Sachsens Innenstaatssekretär Jürgen Staupe. Sollte "betandwin" die Geschäfte nicht ruhen lassen, droht ein Zwangsgeld von 25.000 Euro sowie juristische Maßnahmen.

Die seit 1990 für "betandwin" geltende DDR-Genehmigung sei ungültig, sagte Staupe. Es habe sich um eine Präsenzwettgenehmigung für ein Büro in Neugersdorf gehandelt. "Andere Aktivitäten lässt die Lizenz nicht zu." "betandwin" setzt weltweit 1,14 Milliarden Euro um und wird gegen die Entscheidung vermutlich juristisch vorgen.

Torsten Klaus/DPA DPA

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