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Uefa-Cup: "Die Bayern schlagen alles tot"

Ein Bundesliga-Quintett muss sich im Uefa-Cup mit begrenzten Einnahmen, TV-Zeiten und Terminen herumschlagen. "Der FC Bayern schlägt erst einmal alles tot", sagt Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Von Frank Hellmann

Da sage noch einer, mit dem Uefa-Cup sei kein Geld zu verdienen. Das können bestimmte Buchmacher nicht behaupten. Weil sich gleich ein Bundesliga-Quintett noch in der Zwischenrunde befindet, haben Wetten auf den Gesamtsieger Hochkonjunktur. Wer beim Anbieter bwin beispielsweise auf den FC Bayern München setzt, bekommt für 10 Euro gerade einmal 38 Euro zurück. Lukrativer wäre es da schon, sich nach Alternativen umzusehen.

Die Liga-Rivalen Werder Bremen (Quote 14,0), Hamburger SV (15,0) oder Bayer Leverkusen (23,0) versprechen da schon größere Margen. Am besten wäre es für die Tipper, Thomas von Heesen gelänge mit dem 1. FC Nürnberg am 14. Mai im City of Manchester Stadium der große Coup: Für die Franken winken bei 10 Euro Einsatz immerhin 800 Euro Gewinn. Ein wahrlich gutes Geschäft.

Was sich allerdings von dem einst von Franz Beckenbauer als "Verlierer-Cup" verspotteten Wettbewerb insgesamt nicht behaupten lässt. Das wird schon bei der Antrittsprämie deutlich: Während ein Achtelfinalist wie der FC Schalke.04 in der Champions League von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) mit 2,2 Millionen Euro Antrittsprämie belohnt wird, müssen sich die Uefa-Cup-Vertreter mit lächerlichen 70.000 Euro begnügen. Das deckt nicht einmal die Reisekosten.

Bayern und Bremen bekommen die Rosinen

"Der Uefa-Cup ist nun mal nur die Zweite Bundesliga in Europa", betont Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im Gespräch mit stern.de, "wer darüber jammert, muss zusehen, dass er in die Champions League kommt." Denn selbst für Klubs wie Leverkusen, Nürnberg oder Hamburg, die sich mühsam über Erstrundenspiele und Gruppenphase in die Runde der letzten 32 gespielt haben, ist im Uefa-Cup das große Geldverdienen noch nicht angesagt. Immerhin dürfen die Klubs ihre bis Spiele inklusive ihrer TV-Rechte bis zum Viertelfinale selbst vermarkten. Das ist erst einmal gut für den FC Bayern, der seine Partien an den Sender ProSieben verhökert hat und rund zwei Millionen Euro pro Spiel einstreichen soll. Dahinter kassiert Werder Bremen am meisten. "Die Erlöse sind natürlich auch vom Gegner abhängig - gegen niederländische, spanische, italienische oder britische Mannschaften bieten sich gute Möglichkeiten, weil dann nicht nur das Stadion ausverkauft ist, sondern auch die Auslandsvermarktung der TV-Rechte richtig etwas einbringt", sagt Marketing-Geschäftsführer Manfred Müller zu stern.de. "Für den deutschen TV-Markt haben wir mit dem ZDF einen festen Partner und fixe Summen vereinbart." Rund 750000 Euro sollen fließen, dazu kommen Zuschauer- und Werbeeinnahmen. Macht bestenfalls 1,5 Millionen Euro brutto pro Runde.

Bayern und Bremen bekommen die Rosinen. "Der FC Bayern schlägt erst einmal alles tot", erklärt Holzhäuser, "der zur Verteilung stehende Kuchen wird nicht eben größer." Schon das Deutsche Sportfernsehen, das in der Zwischenrunde insgesamt sechs Partien live überträgt, kommt deutlich günstiger zum Zuge. Dem Vernehmen nach zwischen 200.000 und 500.000 Euro zahlt der Spartenkanal, wenn deutsche Teams der Gastgeber sind. Alle fünf Hinspielpartien mit deutscher Beteiligung werden live übertragen: Galatasaray Istanbul gegen Bayer Leverkusen läuft am heutigen Mittwoch (18.30 Uhr) beim DSF, die Begegnung Werder Bremen gegen SC Braga (20.30 Uhr) überträgt anschließend das ZDF. Einen Tag später geht es Schlag auf Schlag: erst FC Aberdeen gegen Bayern München (19 Uhr / ProSieben), dann FC Zürich gegen Hamburger SV (20.15 Uhr/DSF), schlussendlich Benfica Lissabon gegen 1. FC Nürnberg (21.45 Uhr / DSF). Die Rückspiele müssen alle am Donnerstag, 21. Februar stattfinden. Da lassen sich nicht mehr alle Spiele hintereinander übertragen; das DSF flüchtet sich in Schaltkonferenzen. Wird der Fan da nicht überfrachtet?

Drittes Sonntagsspiel gefordert

Nein, sagen die Sender. "Der Uefa-Cup ist trotz allen schlechten Redens ein vernünftiges TV-Produkt zu einem vernünftigen Preis", insistiert Jörg Augustin, Geschäftsführer der für die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten zuständigen Rechteagentur SportA gegenüber stern.de. Und auch die Argumentation in der Münchner DSF-Zentrale klingt ähnlich. Zumal die Einschaltquoten in Ordnung sind: Zwischen zwei und sechs Millionen TV-Konsumenten sind für die einzelnen Partien zu erwarten. Größer sind da schon die Wehklagen, die die kurze Pause zu den Bundesliga-Spielen bedingen. So muss Nürnberg nur 42 Stunden nach dem Lissabon-Spiel bereits in Bremen antreten, Werder trifft es eine Woche später: Donnerstagnacht in Braga, Samstagnachmittag gegen Frankfurt. Auch Leverkusen klagt dann über die wenige Regeneration vom Istanbul- bis zum Schalke-Heimspiel. Holzhäuser plädiert vehement dafür, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schon diese Saison ein drittes Sonntagsspiel ermöglicht. Das aber soll in Ausnahmefällen erst 2008/2009 möglich sein. Immerhin gibt es bei der Terminierung keinen Zoff, weil die Klubs sich zuvor (in weiser Voraussicht?) auf einen Schlüssel festlegten, wen die Doppelbelastung trifft. Darin fließen die Bundesliga-Platzierung, die Uefa-Koeffizientenrangliste und die bisherige Belastung ein, "diese Regelungen sind kompliziert, aber jedem Klub bekannt", erklärt Holzhäuser. Doch kann unter dem Uefa-Cup die Liga leiden. Und das ist nicht gut, wie Werders Geschäftsführer Müller ausführt: "Wir wollen in allen Wettbewerben erfolgreich sein, aber rein wirtschaftlich betrachtet erarbeiten wir in der Bundesliga die Grundlage für alles, denn da entscheidet sich, ob wir uns für die Champions League qualifizieren können." Dass die internationale Zusatzschicht nachteilig sein kann, haben die Hanseaten ja erst im Vorjahr erfahren. Über die Stationen Amsterdam, Vigo und Alkmaar dienten sich die Hanseaten bis ins Halbfinale hoch, um dann als deutscher Alleinvertreter im Halbfinale gegen Espanyol Barcelona unterzugehen. Unter dem Strich blieb zwar ein Zugewinn an sportlichem Renommee (in Form wichtiger Punkt für die Uefa-Fünf-Jahres-Wertung) und wirtschaftlicher Potenz (2,5 Millionen Euro Uefa-Prämie plus 4,5 Millionen weiterer Einnahmen), doch dafür bezahlten die Bremer in der Bundesliga einen hohen Preis: Sie verspielten die Meisterschaft, rutschten gar auf Rang drei ab. "Der ständige Donnerstag-Sonntag-Rhythmus hat sehr genervt", sagte Abwehrchef Per Mertesacker einmal, "immer nachlegen zu müssen, war schwierig." Letztendlich "hat uns das die Meisterschaft gekostet." Ist das der Uefa-Cup wert?

Veränderungen ab 2009

Die Frage stellt sich ab 2009, wenn nach einer Reform alles noch komplizierter wird. Denn da vermarktet die Uefa über ihre Agentur Team auch die Gruppenspiele (dann mit zwölf Vierer-Gruppen). Dazu wird auch der Zeitplan weiter eingeschränkt, beispielsweise sind nur noch zwei Anstoßzeiten um 19.05 und 21.05 Uhr vorgesehen. Einen Salami-Spieltag wie den an diesen beiden Donnerstagen wird es dann nicht mehr geben. Welche deutschen TV-Sender dann den Uefa-Cup übertragen, ist ebenso völlig offen wie die zur Verteilung stehenden Summen. Holzhäuser: "Ob mit der Reform des Uefa-Cups die richtige Richtung eingeschlagen wird, hängt von den Zahlen ab." Vermutlich nicht. Denn Werder Bremen hat mit der ab dem Viertelfinale im Vorjahr greifenden Zentralvermarktung des Dachverbandes schlechte Erfahrungen gemacht. Jedenfalls stellte Müller beim Vergleich der Abrechnungen aus dem Frühjahr 2007 fest: "Es ist Fakt, dass wir im Vorjahr mit der Zwischenrunde und dem Achtelfinale, das wir selbst vermarkten konnten, mehr verdient haben, als mit dem zentral vermarkteten Viertel- und Halbfinale."

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