HOME

Stern Logo Bundesliga

Kommentar

Abstiegskampf in Hamburg: In diesem Jahr ist der HSV aber wirklich mal fällig!

Noch vor ein paar Wochen schien die Mannschaft auf einem guten Weg, inzwischen grüßt das Murmeltier in Hamburg aber wie jedes Jahr: Der HSV scheint einfach nicht in der Lage, aus den Fehlern der Vergangenheit die Lehren zu ziehen. Das gehört endgültig bestraft.

HSV Maskottchen "Dino Hermann"

Hängende Köpfe in Hamburg: Auch "Dino Hermann", Maskottchen des HSV, ist schwer besorgt um seinen Verein

Ich mag den HSV. Nein, wirklich. Man muss mit dieser Meinung in Fußball-Deutschland inzwischen ja schon vorsichtig sein. Es kommt einem fast so vor, als würde jeder neutrale Fan dem "Bundesliga-Dino" (eine Bezeichnung, die in den letzten Jahren zur Floskel überstrapaziert wurde) endlich den Abstieg in die 2. Liga wünschen. Zu viel Glück wurde in den letzten Jahren an der Waterkant bereits verbraucht, zu oft hat der Fußball-Gott beide Augen zugedrückt.

Ich lebe seit zehn Jahren in Hamburg und habe in dieser Zeit viele Fans des Vereins kennengelernt: Wunderbare Menschen, die eine große Leidenschaft für ihren Traditionsverein an den Tag legen. Ich war auch ein paar Mal im schönen Volksparkstadion und kann nachvollziehen, warum Oli Kahn in einem Interview zum Ende seiner Karriere bilanzierte, dass er wegen der tollen Atmosphäre in keiner fremden Arena (außer in Dortmund) so gerne gespielt habe wie in Hamburg.

HSV: Gute Argumente für Fußball-Romantiker

Die Fans, die Stadt, die Geschichte - alles oft bemühte Argumente, warum der HSV nicht nur in die Bundesliga gehört, sondern eigentlich auch in Europa ein Wörtchen mitreden müsste. So wie zuletzt Ende des vergangenen Jahrzehnts, als man zweimal bis ins Halbfinale des Uefa-Cups bzw. der Europa League vordringen konnte. Argumente, die jeder Fußball-Romantiker eigentlich unterschreiben muss.

Aus diesen Gründen durfte man sich durchaus freuen, als es vor ein paar Wochen so schien, als hätten sie in Hamburg endlich die Kurve gekriegt. Als hätte Trainer Markus Gisdol endlich die Ideen gefunden, aus dem qualitativ nicht gerade schlecht besetzten Kader auch das Nötige rauszuholen. Als hätte HSV-Boss Heribert Bruchhagen mit all seiner Erfahrung endlich für ein bisschen Ruhe im Umfeld gesorgt. Als wäre die Rettung in dieser Saison endlich mal nur noch Formsache.

Die Freude war von kurzer Dauer. Eine unerklärliche Heimniederlage gegen Darmstadt und eine fußballerische Bankrotterklärung beim ersten "Abstiegsendspiel" in Augsburg - schon steht der HSV wieder da, wo er in den letzten Jahren immer wieder stand: am Abgrund. Sollte Gisdols Truppe heute gegen den direkten Konkurrenten aus Mainz abermals nicht gewinnen, führt wahrscheinlich kein Weg vorbei an der dritten Relegationsrunde in vier Jahren. Wenn überhaupt.

In der Hansestadt scheinen die Verantwortlichen - und zwar kurioserweise völlig unabhängig davon, welche Personen in den letzten Jahren die Entscheidungen trafen - einfach nicht in der Lage, aus den Fehlern der Vergangenheit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Keine der gerade noch abgewendeten sportlichen Katastrophen war ihnen eine Lehre.

Im selben Zeitraum wurde der VfB Stuttgart für vergleichsweise geringeres Mismanagement mit dem bitteren Gang in die 2. Liga bestraft, Hannover 96 ebenfalls. Die SpVgg Greuther Fürth dümpelt seit der Relegationsniederlage gegen den HSV vor knapp drei Jahren nur noch im Mittelfeld des Unterhauses herum. Der Karlsruher SC stand 2015 in der Relegation gegen den HSV sogar nur Sekunden vor der Rückkehr in die Bundesliga, ehe ein Freistoß von Marcelo Diaz in der Nachspielzeit einmal mehr das Hamburger Glück, die Verlängerung und letztendlich die Rettung erzwang. Für den KSC folgte anschließend ein beispielloser Absturz, der gerade erst mit dem Abstieg in die 3. Liga einen neuen Tiefpunkt erreicht hat.

Tradition schießt leider tatsächlich keinerlei Tore

Seit Jahren haben die Hamburger zuverlässig eine Menge Glück im Unglück bzw. Unvermögen, während andere Vereine für weniger Verfehlungen deutlich mehr leiden. Sowas registriert der sensible Fußball-Fan im Rest der Republik, und deshalb sinnt er auf Gerechtigkeit. Tenor: In diesem Jahr ist der HSV aber wirklich mal fällig!

Was soll ich sagen? Ich mag den HSV. Aber als Fan meines Heimatvereins Fortuna Düsseldorf weiß ich aus jahrzehntelanger leidvoller Erfahrung, dass Tradition allein leider tatsächlich keinerlei Tore schießt. Und dass schlimme Fehler - ob auf dem Platz oder außerhalb - auf lange Sicht einfach bestraft werden müssen.

Der HSV hat trotz aller Pleiten, allen Pechs und aller Pannen stets noch eine Chance erhalten, es in der nächsten Saison besser zu machen. Genutzt hat er sie nie.

In diesem Jahr ist er wirklich mal fällig.

Fußball-Angeberwissen: Die verrücktesten Rekorde der Bundesliga

Wissenscommunity