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Philipp Köster: Kabinenpredigt: Totgesagte spielen länger

Der HSV ist der Zombie der Bundesliga. Schon hundertmal beerdigt, trotzdem wieder quicklebendig, staunt stern-Stimme Philipp Köster.

Kiriakos Papadopolous (2. v. l.) steht wie kaum ein anderer für den "neuen HSV"

Kiriakos Papadopolous (2. v. l.) steht wie kaum ein anderer für den "neuen HSV"

Man kennt das aus Zombiefilmen. Gerade feierlich einen Verstorbenen beerdigt, den Sarg in die Tiefe gesenkt und einen Zentner Erde obendrauf gekippt. Spätabends aber buddelt sich der Untote dann selbst aus und nimmt grunzend Rache.

Und genau so lief das am Wochenende auch in der Bundesliga. Oder um es klarer auszudrücken: Hallo .

3:0 gewannen die Hamburger bei RB und das obendrein so verdient, dass die Leipziger Verantwortlichen zum ersten Mal in dieser Saison regelrecht düpiert wirkten. Die Klatsche beim FC Bayern kurz vor der Winterpause hatten Trainer Hasenhüttl und Sportdirektor Rangnick noch als erwartbar weggelächelt. Vom Abstiegskandidaten aus Hamburg so lässig ausgekontert worden zu sein, machte dem Führungsduo deutlich mehr zu schaffen. Da sei vieles "nicht RB-Leipzig-like" gewesen, formulierte Hasenhüttl umständlich, unterschlug damit aber das entscheidenden Faktor des Spiels. Die Gäste hatten nämlich so gar "nicht HSV-like" gespielt.

HSV galt als klinisch tot, sportlich und finanziell

Jedenfalls, wenn man den Hamburger Sportverein der ersten Halbserie meint. Der sammelte in den ersten zehn Spielen exakt zwei Punkte, was ihm bereits das Signet des ersten feststehenden Absteigers eintrug. Hohn und Spott ergossen sich über die Hanseaten. Sogar der alte Branchenspott ("Nicht mal absteigen können sie!") schien widerlegt zu werden. Und dass es unter nicht gleich rasant aufwärts ging, galt als Beleg, dass es beim HSV um einen nicht mehr reformierbaren Klub handelt, klinisch tot, sportlich und finanziell.

Aber: Das ist er nun wieder, der HSV, von den Toten auferstanden. Vor Wochenfrist niedergerungen, dann den 1.FC Köln aus dem Pokal geworfen, nun auch noch in Leipzig gewonnen. Was immerhin Platz 15 bedeutet und eine Zuversicht verbreitete, die man beim HSV schon sehr lange nicht mehr verspürt hat.

Was ist eigentlich passiert? Die Transformation des lässt sich vielleicht am besten an zwei Akteuren erklären. Nein, nicht an Trainer Markus Gisdol, obwohl der Coach in den letzten Monaten der Mannschaft endlich ein konkurrenzfähiges taktisches System verpasst hat. Nicht an Sportchef Jens Todt, der gemeinsam mit Gisdol im Winter den Kader zielgenau verstärkte, was sich unschwer am neuen albanischen Abwehrmann Mergim Mavraj erkennen lässt, der im Leipzig einen Zweikampf nach dem anderen gewann. Und auch nicht an Vorstandschef Heribert Bruchhagen, obwohl dessen altersweise Bulettengemütlichkeit offenbar genau das war, was der kriselnde Klub gebraucht hat. Wie perfekt Bruchhagen derzeit das Hamburger Remake des "großen Bellheim" inszeniert, war am Sonntag in einer Sky-Talkrunde zu bestaunen, wo er mal eben verkündete, alsbald mit Gisdol über eine Vertragsverlängerung zu verhandeln.  

Der alte und der neue HSV: Spahic und Papdopoulos

Die beiden Akteure jedoch, die exemplarisch für den alten und für den neuen HSV stehen, sind Emir Spahic und Kyriakos Papadopoulos. Beide wurden verpflichtet, um die zur Melancholie neigende Mannschaft robuster und widerstandsfähiger zu machen. Der 2015 geholte Bosnier Spahic verunsicherte jedoch mit seinen Agressionen die ohnehin nervöse Truppe nur noch mehr, die Trennung im Winter war ein wichtiges Signal an den Kader. Papadopoulos, kürzlich erst verpflichtet, hat die Mannschaft sofort mit seinem Kampfgeist angesteckt. Der Grieche wirkt auf dem Platz eh so, als habe er eben noch für Hannibal einen Elefanten über die Alpen geführt.

Seine gefühlt hundert Meter lange Rutschpartie auf den Knien nach seinem Siegtor gegen Leverkusen steht schon jetzt ikonenhaft für den neuen HSV.

Natürlich ist der HSV noch lange nicht gerettet. Es wird eine langer Weg für den Verein und für Markus Gisdol. Als der Coach nach dem Spiel um seine Einschätzung gebeten wurde, mahnte er: "Die Mannschaft hat sich heute ein Lob verdient. Wir werden den Sieg aber nicht überbewerten". Er wirkte dabei dabei gar nicht mal so untot. Sondern höchst lebendig.  

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