Champions-League-Auftakt Ballacks letzter Versuch


Am Abend (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) startet die neue Champions-League-Saison. Real Madrid scheint der Top-Favorit auf den Sieg zu sein. Doch auch Michael Ballack und der FC Chelsea rechnen sich Chancen aus. Für den DFB-Kapitän ist die Titeljagd mittlerweile ein Wettlauf gegen die Zeit. Von Klaus Bellstedt.

Die Jagd auf Titelverteidiger Barcelona ist eröffnet: Am Abend (alle Spiele ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) startet die Champions League in die neue Saison. 18 nationale Titelträger kämpfen in der Spielzeit 2009/2010 um Millionen und die silberne Henkel-Trophäe. Top-Favorit auf den Gewinn der Champions League ist nicht nur für den Sportwettenanbieter bwin Real Madrid (Quote 4,30), gefolgt vom FC Barcelona (Quote 5,00) und dem FC Chelsea (Quote 7,00). Die drei deutschen Teams liegen mit deutlichem Abstand im Mittelfeld der Rangliste: FC Bayern München (Quote 23,00), VfL Wolfsburg (Quote 51,00), VfB Stuttgart (Quote 81,00). "Es war nie schwerer als heute, diesen Wettbewerb zu gewinnen", sagt Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf die europäischen Schwergewichte.

Ein Schlagerspiel am ersten Spieltag

Der Schlager des ersten Spieltages steigt erst am Mittwoch, wenn Königsklassen-Geheimfavorit Inter Mailand mit Samuel Eto'o Vorjahressieger Barça mit Zlatan Ibrahimovic empfängt. Der spektakuläre Angreifer-Tausch hatte neben Madrids millionenschweren Investitionen in der Sommerpause für die meiste Aufregung gesorgt. Und so wollen auch die "Königlichen", die 252 Millionen Euro in neue Spieler wie Weltfußballer Cristiano Ronaldo oder den Brasilianer Kaka investiert haben, erstmals seit 2002 wieder einen Königsklassen-Triumph feiern - mit einem Sieg im eigenen Stadion.

Das Finale steigt am 22. Mai 2010 im Estadio Santiago Bernabeu in Madrid. Ob es in der Champions League allerdings schon Zeit für eine spanische Ablösung auf dem Königsstuhl ist, wird sich erst zeigen. Denn auch der FC Barcelona erscheint auf den ersten Blick mit einem weitgehend unveränderten Kader und Stars wie Messi, Iniesta und Xavi jederzeit so stark, um den Titelgewinn aus dem Vorjahr problemlos wiederholen zu können.

Auf der Insel schält sich aus dem erlesenen Zirkel der "Fab Four" ein Team heraus: der FC Chelsea. Auf dem Weg zum Gipfel des Kilimandscharo ist Chelsea-Besitzer und Hobby-Bergsteiger Roman Abramowitsch zwar unlängst in Atemnot geraten, im Kampf um die wertvollste Trophäe im europäischen Clubfußball dürften die "Blues" um Michael Ballack, John Terry, Didier Drogba & Co. in dieser Saison aber erneut ein ernstes Wort mitreden. Für den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, der sich im Herbst seiner Karriere befindet, ist es wahrscheinlich die letzte Chance, die Königsklasse zu gewinnen. Die Zeit wird knapp für Ballack. Aber selten standen die Vorzeichen besser. Chelsea ist auch deshalb stärker als Manchester United einzuschätzen, weil "United" mit Ronaldo und Tevez zwei Topstars an die Konkurrenz abgeben musste, während man an der Stamford Bridge die Schlüsselspieler halten konnte. So bläst auf der Insel vor allem der FC Chelsea nach einem fulminanten Saisonstart mit fünf Siegen in der Premier League zur Jagd auf Titelverteidiger Barcelona. "Jetzt stimmen die Bedingungen, um es erneut anzugehen", sagt Chelsea-Coach Carlo Ancelotti, der mit dem AC Mailand (2003, 2007) bereits zweimal die Champions League gewinnen konnte.

Nebenrolle für Bayern, Wolfsburg und Stuttgart

Real Madrids Neuzugang Kaka formuliert die Ziele schon etwas genauer aus: "Unser Ziel ist es, die Champions League zu gewinnen", so der Brasilianer, der mit Real am Dienstag beim Königsklassen-Debütanten FC Zürich antritt. Neben den Schweizern und dem VfL Wolfsburg dürfen auch AZ Alkmaar, Standard Lüttich, Rubin Kasan, Debreceni VSC, APOEL Nikosia und Stuttgart-Gegner Unirea Urziceni erstmals auf Champions-League-Niveau spielen. Mehr als eine Nebenrolle dürfte für die "Kleinen" aber kaum übrig bleiben. Auch für die Bayern und den VfB Stuttgart geht es mehr um das Aufbessern der Bilanz, denn um realistische Titel-Chancen. "In Europa sehe ich vier, fünf Mannschaften, die sich auf einem anderen Level bewegen", sagt stern.de-Experte Stefan Effenberg, Kapitän der Münchner Sieger-Mannschaft von 2001.

Genauso wie Chelsea (gegen den FC Porto) und Manchester United (bei Besiktas Istanbul) müssen auch die beiden italienischen Spitzenclubs Juventus Turin (gegen Girondins Bordeaux) und AC Mailand (bei Olympique Marseille) zur Champions-League-Ouvertüre bereits am Dienstag ran. Juve muss dabei auf den so stark in die Saison gestarteten Ex-Bremer Diego wegen einer Muskelverletzung verzichten. Aber "die alte Dame" scheint auch ohne Diego stark genug, um in Frankreich zu bestehen. Zweifel bleiben, ob das Milan auch gelingen wird. Das Team von Neu-Trainer Leonardo legte in der italienischen Serie A einen schlechten Start hin. Gegen Livorno am Wochenende holte man mit Ach und Krach noch einen Punkt, dabei war der in die Jahre gekommene Weltmeister Ronaldinho meilenweit von Champions-League-Form entfernt und lieferte eine erschreckende Partie ab. Zu den Stars der Königsklasse gehört Ronaldinho schon lange nicht mehr.

mit DPA


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