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Kohl-König Kühne warnt: Warum Deutschland der Sauerkraut-Notstand droht

Für Rotkohl und Sauerkraut sind die Deutschen weithin bekannt. Doch ausgerechnet die nationalen Vorzeige-Gemüsesorten werden in diesem Jahr knapp und teuer. Droht ein Weihnachten ohne Rotkohl und ein Oktoberfest ohne Sauerkraut?

Sauerkraut ist fester Bestandteil der deutschen Küche

Sauerkraut ist fester Bestandteil der deutschen Küche

Sauerkraut gilt als das deutscheste aller Gemüse. Es ist fester Bestandteil der bayerischen Küche, kommt aber auch im Rest Deutschlands gerne auf den Tisch. Nicht umsonst werden die Deutschen in Großbritannien und anderswo gerne "Krauts" genannt. Doch ausgerechnet im Land der Krauts wird nun das Kraut knapp.

Denn die Bauern haben bei Weißkohl, aus dem Sauerkraut hergestellt wird, ebenso wie beim Rotkohl eine sensationell schlechte Ernte eingefahren. "Bis zur Hälfte der aktuellen Ernte von Rotkohl und Weißkohl ist ausgefallen", erklärt der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie und warnt vor einer "Preislawine". Bereits im Mai könne Rotkohl knapp werden, im Juli dann das Sauerkraut.

Sauerkraut und Rotkohl werden teurer

Müssen wir dieses Jahr also Weihnachten ohne Rotkohl feiern und das Oktoberfest ohne Sauerkraut? Das "Handelsblatt" hat bei Stefan Leitz, Chef des Lebensmittelherstellers Kühne, nachgefragt, was die Missernte für deutsche Verbraucher bedeutet. Leitz bestätigt den Kohlnotstand in deutschen Landen: "Selbst Kollegen, die 30 Jahre im Geschäft sind, können sich an so eine Situation nicht erinnern", sagt Leitz im "Handelsblatt"-Interview. Vor allem in Süddeutschland sei das Wetter im vergangenen Jahr so trocken ausgefallen, dass die Kohlköpfe nur kümmerliche Größen erreichten.

Um den Ernteausfall bei den eigenen Bauern auszugleichen, sah sich Kühne gezwungen, auf dem freien Markt Kohl zuzukaufen - für das Vier- bis Fünffache des Normalpreises, denn auch andere Hersteller rissen sich um den raren Kohl. Daher werden wohl auch die Preise im Supermarkt mittelfristig steigen, wenn auch nicht so stark wie die Einkaufspreise. "In dieser Saison werden die Verbraucher noch nicht viel bemerken. Danach ist eine Preiserhöhung denkbar, denn wir können die Kostensteigerung nicht allein durch mehr Effizienz ausgleichen", sagt Leitz.

Immerhin: Auch in diesem Jahr muss niemand seinen Weihnachtsbraten ohne Rotkohl essen. Durch Restbestände aus dem Vorjahr sei man vorerst voll lieferfähig, sagt der Kühne-Chef. Für Kohlliebhaber wäre es allerdings gut, wenn es in diesem Sommer wieder etwas mehr regnen würde.