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Tönnies umgeht Millionenstrafe So trickst Deutschlands Wurstkönig das Kartellamt aus


Durch einen cleveren Konzernumbau will der Wurstunternehmer und Schalke-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies dem Kartellamt entgehen. Das Modell könnte zur Vorlage für andere Kartellverstöße werden.

Es war ein Triumph für das Kartellamt: Im vergangenen Sommer, nach rund fünf Jahren Ermittlung, Zeugenvernehmungen und Hausdurchsuchungen, konnten die Kartellwächter endlich Ergebnisse präsentieren. Im großen Stil hatten Wurstfabrikanten Preise abgesprochen. Die Strafe war saftig: Gegen 21 Wursthersteller und 33 Führungskräfte wurden Bußgelder über insgesamt 338 Millionen Euro verhängt.

Nun, ein gutes halbes Jahr später, zeigt sich: Zumindest einer hat sich offensichtlich geschickt aus der Affäre gezogen, wie die "Wirtschaftswoche" berichtet. Der Wurstbaron Clemens Tönnies, auch bekannt als Aufsichtsratschef des Bundesligisten FC Schalke 04, scheint seinen Anteil der Strafe - immerhin 120 Millionen Euro - nicht zahlen zu müssen. Wie hat er das nur geschafft? Immerhin prellt er die Kartellbehörde um rund ein Drittel der Strafsumme.

Millionenstrafe verhängt

Die Anwälte von Böklunder und Könecke - beide Wursthersteller gehören zum Tönnies-Imperium - ließen die Kartellwächter wissen, dass es die Firmen nicht mehr gebe. Die Einträge seien aus dem Handelsregister gelöscht worden. Für das Kartellamt eine herbe Schlappe, denn die Bußgelder von rund 70 Millionen Euro bei Böklunder und rund 50 Millionen Euro bei Könecke können jetzt nicht mehr eingetrieben werden. Ob die Hersteller Rechtsnachfolger haben, ist nach Aktenlage äußerst fraglich, schreibt die "Wirtschaftswoche". Im Klartext: Das Kartellamt kommt nicht an die Bußgelder, weil die Firmen nicht mehr existieren. Sie haben sich quasi im Tönnies-Imperium in Luft aufgelöst.

Neue Blaupause

Offiziell soll ein groß angelegter Konzernumbau bei Zur-Mühle-Gruppe, dem Wurstimperium von Tönnies, Synergieeffekte heben. Aber die Verantwortlichen sind ehrlich: "Aufgrund einer Umstrukturierung kann eine Kartellbuße entfallen beziehungsweise können die Verteidigungsmöglichkeiten von Unternehmen erweitert werden“, sagt Matthias Blaum von der Düsseldorfer Kanzlei Hengeler Mueller, die die neue Konzernstruktur bei Zur-Mühle eingefädelt hat.

Für die Kartellhüter könnte dieser herbe Rückschlag noch weite Kreise ziehen. Denn sollte sich Tönnies mit diesen Schachzug durchsetzen können, dann würde das Vorgehen zur Blaupause, um den horrenden Bußgeldern des Kartellamts zu entkommen.

Auch andere Unternehmen entgingen der Strafe

Schon in der Vergangenheit waren Strafen nicht eingetrieben worden, weil die Rechtsnachfolge strittig war. So musste der Versicherungskonzern HDI Gerling ein Bußgeld über 19 Millionen Euro nicht zahlen. Der BGH hatte dem Konzern recht gegeben, da das Bußgeld - damals noch gegen das eigenständige Unternehmen Gehrling verhängt - nicht von dem fusionierten Konzern getragen werden musste.

Katharina Grimm

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