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Schlecker-Pleite: "Zu klein, falsche Lage, unattraktiv"

Der Chef des Schlecker-Konkurrenten Rossmann, Dirk Rossmann, hält die düsteren Aussichten für die strauchelnde Drogeriekette für selbst verschuldet.

Hat Sie die Nachricht von Schleckers möglicher Planinsolvenz am Freitag überrascht?
Nein, denn die schlechte Umsatzentwicklung bei Schlecker sehen wir ja schon seit Jahren. In den vergangenen zwei, drei Monaten ist es aber besonders dramatisch geworden. Denn wenn ein Handelsunternehmen im Weihnachtsgeschäft keine Ware hat, dann ist das ein überdeutliches Alarmsignal. Die Kosten laufen schließlich weiter.

Was haben Sie besser gemacht?

Ich würde sagen: alles! Rossmann hat, genau wie DM und Müller, kontinuierlich die Läden vergrößert, das Sortiment modernisiert und die Eigenmarken weiterentwickelt. Dagegen sind die Mehrzahl der Schlecker-Läden viel zu klein, unattraktiv und in den falschen Lagen. Dabei ist das nur ein Aspekt: Es sind die Mitarbeiter, die ein Unternehmen voranbringen. Wenn man aber durch verschiedene kleine und große Maßnahmen die innere Kündigung der Angestellten provoziert, dann kann ein Handelsunternehmen nicht existieren. Das sieht man auch am Durchschnittsumsatz der Schlecker-Läden: Der lag in den vergangenen Jahren bei monatlich etwa 30.000 Euro. Zum Vergleich: Rossmann macht pro Laden 200.000 Euro, DM sogar noch deutlich mehr.

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten für Schlecker ein?

Düster. Jedenfalls möchte ich nicht in der Rolle des Insolvenzverwalters stecken. Gerade läuft hier auf dem Newsticker eine Nachricht, dass ein Großteil der Läden bestehen bleiben soll: Das geht doch gar nicht! Die Wettbewerber sind Schlecker um Längen voraus. Und nicht nur die drei anderen großen Drogerieketten machen Schlecker Konkurrenz, auch die Discounter und Lebensmittelhändler führen heute große Teile des Drogeriesortiments und sind immer mehr in kleinen Orten präsent. Genau dort, wo Schlecker früher gute Geschäfte gemacht hat.

Wie hat sich der deutsche Drogeriemarkt zuletzt verändert?

DM ist inzwischen mit über 6 Mrd. Euro, vielleicht sogar 6,2 Mrd. Euro, inzwischen ganz klar die Nummer eins. Mit Umsätzen von vermutlich 6,7 Mrd. Euro in diesem Jahr dürften sie diesen Platz auch festigen. Rossmann wird in diesem Jahr Umsätze von etwa 5,6 Mrd. Euro machen und ist damit Nummer zwei. Müller kommt auf gut 3 Mrd. Euro. Das sind die drei Player, die das Drogeriegeschehen in Deutschland bestimmen werden.

Wären Sie denn theoretisch an einer Übernahme von Schlecker-Filialen interessiert?

Kaum. Wir hätten vielleicht an 50 oder 60 Läden Interesse. Bei DM dürfte das ähnlich sein. Die allermeisten Schlecker-Geschäfte sind zu klein, haben den falschen Standort, oder wir sind dort schon vertreten.

Welche Folgen hätte eine Pleite von Schlecker?

Für die Lieferanten ist das am ehesten problematisch, denn die wünschen sich naturgemäß möglichst viele konkurrierende Abnehmer. In diesem Konzentrationsschritt aber würde sich die Einkaufsmacht hin zu DM und Rossmann verlagern. Dabei sind die Drogerien nicht die einzigen Profiteure. Der Umsatz wird sich breit umverteilen, also auch bei den Lebensmittelhändlern und Discountern landen.

Interview: Gregor Kessler/FTD
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