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Schleswig-Holstein: Protest gegen Missstände in der Landwirtschaft: Bauern formen rechtes Symbol

Verunglückter Protest der Bauern in Schleswig-Holstein: Die Landwirte wollten Zusammenhalt zeigen und Kritik an der Politik üben, nutzten dafür aber ein Symbol, das rechtsradikal konnotiert ist.

Eigentlich wollten die rund 500 Bauern aus Schleswig-Holstein auf die Missstände in der Landwirtschaft aufmerksam machen. Die am Montag beginnende "Berliner Woche", bei der tausende Landwirte ihrem Unmut in der Bundeshauptstadt Ausdruck verleihen, schien der perfekte Zeitpunkt dafür zu sein. Doch nach der Protestaktion redet niemand mehr über die Schwierigkeiten der Landwirte – stattdessen gibt es viel Kritik an der Form des Protests.

Die Bauern mit 330 Schleppern und insgesamt 500 Personen einen Pflug, der von einem Schwert durchdrungen wird. Daran entzündete sich die Entrüstung: Das Wappen, das aus der Luft zu erkennen war, gehört ursprünglich zur Landvolkbewegung der Weimarer Republik. Diese Gruppe gilt als rechtsextrem und verübte in den 1920er Jahren mehrere Bombenanschläge, um die junge Demokratie in Deutschland zu destabilisieren.

Bauern Bewegung... Gemeinsam sind wir Stark! 💪🏼 Gestern Abend hatten sich 330 Schlepper und ca. 500 Personen zusammen...

Gepostet von Steinburger Agraraction am Donnerstag, 11. Juni 2020

Landwirte verteidigen Wappen der rechten Landvolkbewegung

Dass sich die Bauern dieses Symbols bedienten, wurde aus zahlreichen Richtungen verurteilt. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne) nannte die Bezugnahme auf die Landvolkbewegung "nicht nur unglücklich, sondern auch schädlich für das, was die legitimen Anliegen der meisten Bäuerinnen und Bauern darstellt". Auch von SPD und CDU kam Kritik. Der Deutsche Bauernverband distanzierte sich ebenfalls von der Aktion. "Damit werden wir auch unserer besonderen historischen Verantwortung als Deutsche nicht gerecht", sagte Präsident Werner Schwarz.

Nazi-Symbole: Die Codes der neuen Rechten

Die Landwirte aus Schleswig-Holstein wollten nach eigenen Angaben darstellen, dass die Politik die Interessen der Bauern nicht erstnehme. Der Bezug zur Landvolkbewegung aus der Weimarer Republik ist kein Zufall. Organisator Jann Henning Dircks erwähnte die Bewegung auf einer Kundgebung: "Auch damals wurden unsere Vorfahren nur von vorne bis hinten gegängelt." 

In einem Video auf Facebook nahm Dircks zu den Vorwürfen Stellung und behauptete, die Anführer der Landvolkbewegung hätten "keinerlei rechtsextremen Hintergrund" gehabt. Nach Einschätzung des Historikers Uwe Danker im NDR war die Bewegung aber "rechtsextrem, völkisch aufgeladen und vor allem antisemitisch".

Quellen: NDR / Unser Landleben auf Facebook / NDR

epp