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Schließung eines Opel-Standorts Merkel hält sich aus Streit um Bochumer Autowerk raus


3000 Jobs stehen auf dem Spiel: Die Opel-Belegschaft will das angekündigte Ende der Zafira-Produktion nicht hinnehmen, auf die Hilfe von Kanzlerin Angela Merkel müssen sie jedoch verzichten.

Die Bundesregierung sieht keinen Anlass, sich in den Streit um das angekündigte Ende der Automobilproduktion im Opel-Werk Bochum einzuschalten. "In erster Linie sind jetzt aber auch Opel und GM gefordert, ihren Kolleginnen und Kollegen Perspektiven aufzuzeigen", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Montag in Berlin. Es sei Aufgabe von Opel und dessen Mutterkonzern General Motors alles zu unternehmen, um sozialverträgliche Lösungen zu finden. Auch das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bochum müssten ausloten, welche Möglichkeiten es für die Beschäftigten gebe.

"Die Bundeskanzlerin und die Bundesregierung bedauern diese Entscheidung, das Werk zu schließen, ganz außerordentlich", sagte Streiter. Dies sei ein schwerer Schlag für die Beschäftigten und den Industriestandort Bochum. Die frühere große Koalition unter Merkel hatte sich vor Jahren in Bemühungen eingeschaltet, um die schon damals drohende Schließung des Opel-Werkes in Bochum zu verhindern.

Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt staatliche Hilfen für Opel ab. Rösler bezeichnete das geplante Aus für die Autoproduktion 2016 in Bochum als bedauerlich. "Trotzdem kann Politik hier nicht einspringen. Es ist nicht Aufgabe des Staates, hier dem Unternehmen durch staatliche Hilfen finanziell zumindest kurzzeitig aus der Patsche zu helfen", sagte Rösler in Berlin. Das müsse das Unternehmen durch eigene Entscheidungen selbst auf den Weg bringen.

3000 Stellen gefährdet

Opel hatte am Montagmorgen mitgeteilt, die Produktion am Standort im Ruhrgebiet auslaufen zu lassen. "2016 endet die Fertigung kompletter Fahrzeuge in Bochum", sagte Opel-Interimschef Thomas Sedran am Montag in Frankfurt. Damit reagiert die Adam Opel AG auf anhaltend hohe Verluste, wie Sedran betonte: "Die Hauptgründe ... sind der dramatisch rückläufige europäische Automobilmarkt und die enormen Überkapazitäten in der gesamten europäischen Automobilindustrie." Die Opel-Beschäftigten in Bochum reagierten auf einer Belegschaftsversammlung empört und entsetzt auf die Ankündigungen.

In dem 50 Jahre alten Werk könnten bis zu 3000 Stellen wegfallen. Das bedeute aber nicht das Aus für den Standort im Ruhrgebiet, betonte Sedran: "Opel bleibt auch zukünftig in Bochum präsent. Nicht nur mit dem Logistikzentrum, auch mit einer im Detail noch festzulegenden Komponentenfertigung." In Verhandlungen mit den Arbeitnehmern solle geprüft werden, ob eine Teilefertigung in Bochum wirtschaftlich möglich ist. In dem Werk könnte eine dreistellige Zahl von Jobs entstehen.

Das Warenverteilzentrum mit derzeit 430 Mitarbeitern solle erhalten werden und möglicherweise künftig mehr Menschen beschäftigen, sagte Sedran: "Wir haben Ideen, wie wir es ausbauen können."

Betriebsrat will das Aus verhindern

Die Bochumer Opel-Belegschaft will das Ende für die Autoproduktion in dem Traditionswerk nicht hinnehmen. Nach einer Betriebsversammlung kündigte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel in der Ruhrgebietsstadt Widerstand an. "Wir werden relativ klug reagieren und uns nicht provozieren lassen", sagte Einenkel. Gemeinsam mit der gesamten Opel-Belegschaft werde nun diskutiert, "was wir zu welchem Zeitpunkt tun". "Wenn man als Standort alleine kämpft, hat man verloren."

Einenkel warf zuleich der Opel-Geschäftsführung vor, sich bei der Betriebsversammlung nicht den Fragen der Belegschaft gestellt und die Veranstaltung vorzeitig verlassen zu haben. "Es war ein sehr entwürdigendes Bild, das der Opel-Vorstand abgegeben hat." Nach Betriebsratsangaben wurde am Rande der Veranstaltung zudem ein IG-Metall-Vertrauensmann von Security-Beschäftigten des Opel-Vorstands angerempelt.

Getriebefertigung soll weiterlaufen

Einenkel verlangte auch, angesichts der Pläne für die Produktionsstilllegung das Aus der Getriebefertigung in Bochum zu revidieren. "Wie soll ich denn zukünftig eine Komponentenproduktion einrichten, wenn ich heute schon einen wichtigen Teil schließe", sagte Einenkel. Die Getriebefertigung mit rund 300 Beschäftigten in Bochum soll nach den bisherigen Planungen 2013 schließen. Wenn Opel für das Werk eine Zukunft als Komponentenwerk plane, passe das mit der Schließung einer wichtigen Komponentenproduktion nicht zusammen, sagte Einenkel.

Opel spricht seit Juni mit Vertretern des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Bochum und den Arbeitnehmervertretern über alternative Nutzungen des Standortes. "Wir haben ein Konzept fertig: Die Entwicklungsgesellschaft "Bochum Perspektive 2022", die die Aufgabe hat, Arbeitsplätze in Bochum und im Ruhrgebiet zu schaffen." Betriebsbedingte Kündigungen will die Adam Opel AG auch über Jobangebote in anderen deutschen Werken oder attraktive Abfindungen vermeiden.

General Motors plant bis 2015 mit schwarzen Zahlen

Über ein Aus für den Standort im Ruhrgebiet wird schon seit längerem spekuliert. Opel schreibt seit vielen Jahren rote Zahlen, Bochum gilt als altes Werk mit relativ hohen Lohnkosten. Die Absatzkrise in Europa hat die Lage noch verschärft. Obwohl sich der Markt in den kommenden Jahren kaum erholen dürfte, wollen Opel und die US-Mutter General Motors bis zur Mitte des Jahrzehnts die Gewinnschwelle erreichen. Dazu sollen auch die Materialkosten gesenkt und die Marke gestärkt werden.

lin/DPA DPA

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