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Siemens-Schmiergeldaffäre: Angeblich erste Geständnisse

In der Schmiergeld-Affäre bei Siemens sollen erste Top-Manager ausgepackt haben. Angeblich sechs Beschuldigte hätten die schwarzen Kassen ermöglicht. Jetzt ruft der Siemens-Aufsichtsrat nach externen Prüfern.

Angeblich haben bereits sechs Sechs Beschuldigte aus der Sparte Telekommunikation zugegeben, schwarze Kassen in Liechtenstein, der Schweiz und Österreich installiert oder ermöglicht zu haben, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) in ihrer Montatgsausgabe. Deshalb soll Der Aufsichtsrat des Elektrokonzerns inzwischen den Einsatz externer Prüfer forcieren. Ohne Hilfe von außen sei die Aufarbeitung des Skandals zum Scheitern verurteilt, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrates. Das Kontrollgremium könnte bereits an diesem Montag einen entsprechenden Auftrag erteilen, auch Vorstandschef Kleinfeld steht hinter diesem Vorgehen.

Auch Spuren Richtung Konzernspitze wird nachgegangen

Unklar dürfte allerdings noch sein, welcher Zeitraum durchleuchtet werden soll. Den Geständnissen zufolge seien die Beträge jeweils als Schmiergelder in Europa, Asien, Afrika und Mittelamerika geflossen, hieß es in der SZ weiter. Weder Siemens selbst noch die Staatsanwaltschaft München wollten sich aber dazu äußern. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt etwa ein Dutzend Beschuldigte, rund 200 Millionen Euro veruntreut und damit Schmiergeld für Auslandsaufträge gezahlt zu haben. Die Sonderkommission "Netzwerk" geht auch Spuren nach, die in Richtung Konzernspitze führen könnten. So soll ein früherer Siemens-Angestellter, der hohe Beträge in die schwarzen Kassen geschleust habe, ausgesagt haben, dass bereits 2003 Wirtschaftsprüfern von KPMG einige Rechnungen verdächtig vorgekommen seien.

Auch Aktionärsschützer erhöhen den Druck auf das Siemens-Management und wollen deshalb, nach einem Bericht der "Welt", die Affäre in den Mittelpunkt der Hauptversammlung am 25. Januar stellen. "Wir überlegen, ob wir für die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat eine Einzelabstimmung beantragen", zitiert die Zeitung Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Damit könne gezielt denjenigen Aufsichtsräten die Entlastung verweigert werden, die etwa im Prüfungsausschuss für die Kontrolle der Jahresabschlüsse zuständig seien.

Waren die Jahresabschlüsse korrekt?

Nach Einschätzung von Bergdolt wirft ein mögliches System von schwarzen Konten auch die Frage auf, ob die Siemens-Jahresabschlüsse der vergangenen Jahre nichtig sein könnten. Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) erklärte: "Wir werden auf der Hauptversammlung weder dem Vorstand noch dem Aufsichtsrat noch den Wirtschaftsprüfern die Entlastung erteilen". "Wenn - wie berichtet wird - in einem einzigen Bereich wie der Kommunikationssparte Com 200 Millionen Euro verschwinden, dann muss das auch einem Wirtschaftsprüfer auffallen außer, man hat mit Absicht nicht hingesehen", wird Bender weiter zitiert.

Wenigstens will der frühere Siemens-Spitzenmanager in Griechenland, Prokopis Mavridis, acht Millionen Euro an das Münchner Unternehmen zurückzahlen. Siemens und Mavridis haben sich angeblich außergerichtlich auf die Rückzahlung geeinigt. Mavridis erschien am Montag freiwillig bei einem Athener Staatsanwalt, der zurzeit Informationen über die Siemens-Schmiergeldaffäre in Griechenland nachgeht. Das Geld befindet sich auf zwei Bankkontos in der Schweiz und in Griechenland und diente nach Mavridis Aussagen "finanziellen Interessen" des Unternehmens. Das Geld sei "eindeutig nur für Zwecke des Wachstums des Unternehmens" eingesetzt worden, hat der Ex-Manager dem staatlichen griechischen Rundfunk (NET) zufolge dem Staatsanwalt gesagt. Ermittler in Deutschland hatten in den vergangenen Wochen diese Gelder als Schmiergelder für Aufträge im Ausland eingestuft.

DPA/AP / AP / DPA