Siemens-Zukunft Erst die Sachfragen, dann Kleinfeld


Eigentlich soll der Vertrag von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld in diesen Tagen verlängert werden. Doch einige Aufsichtsräte wollen lieber erst wissen, ob der Vorstandsvorsitzende in die Korruptionsaffäre verstrickt ist und zögern noch mit ihrer Unterschrift.

Der Siemens-Aufsichtsrat zögert nach Angaben bei der Vertragsverlängerung für Vorstandschef Klaus Kleinfeld. "Einige Mitglieder des Aufsichtsrates halten derzeit in der Frage der Vertragsverlängerung Kleinfelds inne", sagte eine mit der Situation vertraute Person. Vertreter der Kapitalseite hätten Vorbehalte gegen eine Verlängerung auf der Aufsichtsratssitzung, sagte ein anderer Insider. Die Arbeitnehmerseite sei in der Frage noch unentschlossen, hieß es von der IG Metall.

"In Kreisen des Aufsichtsrats wird derzeit diskutiert, ob der Vertrag wirklich jetzt verlängert werden muss - auch aus Corporate-Governance-Gesichtspunkten. Die Haltung ist, erst die Sachfragen zu klären und dann über das Personal zu entscheiden", hieß es aus den Kreisen. Entscheidend sei, definitiv zu klären, ob Kleinfeld in die Korruptionsaffäre verstrickt sei. "Die Frage ist, wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Vertragsverlängerung." Unter Aspekten der vorbildlichen Unternehmensführung (Corporate Governance) sei es äußerst kritisch, den Vertrag zu verlängern, wenn sich kurze Zeit darauf eventuell zeigen sollte, dass Kleinfeld doch in den Skandal involviert sei. Allerdings: Konkrete Vorwürfe einer Verwicklung Kleinfelds in die Affären sind bislang nicht laut geworden.

Entscheidung kommt wie vorgesehen

Siemens bestätigte unterdessen, der Aufsichtsrat werde wie vorgesehen am Mittwoch über Kleinfelds Zukunft an der Konzernspitze entscheiden. Zuvor hatte die "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Berufung auf das Umfeld des Kontrollgremiums berichtet, führende Mitglieder des Aufsichtsrats seien der Meinung, ein Wechsel an der Konzernspitze sei der richtige Weg für einen Neuanfang bei Siemens. Einer der Kleinfeld-Skeptiker sei Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Aus dem Umfeld des Aufsichtsrates hieß es dazu, Ackermann habe aus dem Mannesmann-Verfahren seine Lehren gezogen. Damals sei ihm vorgeworfen worden, nicht kritisch genug agiert zu haben. "Man kann das verstehen, dass er jetzt als Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums kritische Fragen stellt." Die Deutsche Bank wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen.

Die "FTD" hatte zudem berichtet, Ackermann spreche bereits mit externen Kandidaten für Kleinfelds Nachfolge und favorisiere Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Der Industriegasekonzern hielt sich bedeckt. "Für uns gibt es keinen Anlass, irgendetwas zu kommentieren", sagte ein Sprecher.

Die Börse reagierte verunsichert. Die Siemens-Aktie verlor im frühen Handel 1,6 Prozent. "Die Frage, die man sich stellt, ist, weswegen soll der Kleinfeld ausgewechselt werden? Hat er Dreck am Stecken? Eigentlich hat er doch einen guten Job gemacht; kapitalistisch gesehen war auch BenQ voll in Ordnung", sagte ein Händler.

Kleinfeld "war ja eigentlich der Garant dafür, dass die Restrukturierung voran geht - und jetzt ist eben die Unsicherheit, wer der Nachfolger wird, wenn es denn so kommt", sagte ein anderer Börsianer. Die Investmentbank Morgan Stanley warnte vor einem Wechsel an der Siemens-Spitze: "Wir glauben ganz klar, dass eine Ablösung Kleinfelds deutlich negative Folgen auf den Kurs der Siemens-Aktie hätte."

Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker