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Streik der Lastwagenfahrer: Griechenland geht der Sprit aus

Die Notfallverordnung der griechischen Regierung greift nur schleppend: Der anhaltende Protest der Lastwagenfahrer sorgt für eine Benzinknappheit - und das mitten in der Hauptsaison. Touristen lassen ihren Mietwagen einfach stehen.

Die griechischen Lastwagenfahrer geben nicht auf: 500 von ihnen protestierten am Donnerstag vor dem Verkehrsministerium in Athen gegen die Liberalisierung ihres Berufszweiges. Es kam zu Tumulten. Die Demonstranten skandierten Parolen wie "Junta" und "Diebe" und bewarfen die Polizei mit Mineralwasserflaschen. Die Beamten setzten begrenzt Tränengas ein. Verletzt wurde niemand. Ungeachtet der Regierungsentscheidung, die Tank- und Lastwagenfahrer zum Dienst zu verpflichten, blieb die Versorgungslage am Donnerstag angespannt.

Die Tankwagenfahrer haben erklärt, sie wollten sich der Notfallverordnung nicht direkt widersetzen, ihren Protest aber mit verschiedenen Formen des Widerstands fortsetzen. "Wir sind hierher gekommen, um mit dem Verkehrsminister zu sprechen und zu sehen, wie wir behandelt werden", sagte Gewerkschaftsführer Giorgos Tzortzatos.

Touristen lassen Mietwagen einfach stehen

In fast allen Landesteilen kommt es seit Streikbeginn am vorigen Montag zunehmend zu Engpässen bei der Versorgung mit Treibstoff. An den wenigen Tankstellen, die noch Sprit verkauften, bildeten sich weiter lange Warteschlangen. Die Gewerkschaftsvertreter der Tank- und Lastwagenfahrer wollten sich am Nachmittag mit der Regierung treffen, um eine Lösung zu finden.

Die Folgen des Streiks für die ohnehin marode griechische Wirtschaft sind dramatisch: Tausende Touristen haben Medienberichten zufolge ihre Reisen storniert, weil sie Angst haben, mit dem Auto steckenzubleiben. Auf Kreta hätten mehr als 200 Touristen ihre Mietfahrzeuge einfach stehengelassen, weil sie keinen Sprit mehr bekamen.

Die Eigentümer und Fahrer der rund 30.000 Tank- und Lastwagen Griechenlands protestieren gegen die von der Europäischen Union (EU) verordnete sogenannte Öffnung geschlossener Berufe. Lizenzen für einen Last- oder Tankwagen kosten in Griechenland je nach Größe des Wagens bis zu 300.000 Euro, weil sie seit fast 40 Jahren in Griechenland nicht mehr ausgegeben wurden. Aus diesem Grund steigt ihr Wert immer mehr. Dies soll nach einem Gesetzesentwurf stufenweise in den nächsten drei Jahren durch die Ausgabe neuer Lizenzen geändert werden.

DPA/AP/mre / AP / DPA