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Strittige Staatshilfen: US-Autobauer erhalten zweite Chance

Die milliardenschweren Hilfen für die US-Autoindustrie sind im Kongress gescheitert - vorerst. Bis Anfang Dezember sollen die drei Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler einen detaillierten Plan vorlegen, wie sie mit den 25 Milliarden Dollar ihr dauerhaftes Überleben sichern wollen. Für Opel in Deutschland gibt es indes einen neuen Kauf-Interessenten.

Die amerikanischen Autokonzerne müssen weiter auf staatliche Milliarden-Hilfen warten. "Die traurige Wahrheit ist, dass niemand einen Vorschlag vorgelegt hat, der vom Senat und Repräsentantenhaus verabschiedet werden kann", sagte der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, am Donnerstag in Washington. Die Autokonzerne erhielten aber eine weitere Chance, wenn sie bis zum 2. Dezember einen Ausgabenplan für die Hilfen im Umfang von 25 Milliarden Dollar vorlegten. Der Vorschlag könne dann in der Woche vor dem 8. Dezember den Kongress passieren.

"Solange sie uns keinen Plan vorlegen, können wir kein Geld flüssig machen", sagte die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Die Industrie müsse nun einen Weg aufzeigen, wie sie auf Dauer überleben könne. "Es ist notwendig, Verantwortung zu zeigen und die Zukunftsfähigkeit unter Beweis zu stellen", betonte sie. Es gehe nicht um die Frage, wo das Geld hergenommen werden solle.

Zwei demokratische und zwei republikanische Senatoren hatten zuvor einen Kompromiss über das umstrittene Paket ausgehandelt. Die Nachricht schürte die Hoffnung für eine baldige Rettung der Autokonzerne.

Die Chefs der drei großen US-Autobauer General Motors (GM), Ford und Chrysler hatten bei Anhörungen im Kongress auf dramatische Weise vor einem Kollaps der Branche gewarnt. Ohne das 25-Milliarden-Darlehen könne die Industrie die gegenwärtige Liquiditätskrise nicht überleben.

Experten halten es für möglich, dass mindestens einer der "Big Three" demnächst Gläubigerschutz anmelden könnte. Die Opel-Mutter GM allein hat einen Überbrückungskredit zwischen zehn und zwölf Milliarden Dollar erbeten. Das Unternehmen hat vor den katastrophalen Folgen für die US-Wirtschaft gewarnt, falls der Staat nicht aushilft. In den USA hängen mindestens zwei Millionen Jobs an der Autobranche.

Händler wollen Opel notfalls übernehmen

In Deutschland wollen die Opel-Händler ein Aus der Rüsselsheimer GM-Tochter notfalls mit einer Übernahme verhindern. Darüber habe es bereits am Dienstag bei einem Treffen von rund 100 Händlern ernsthafte Diskussionen gegeben, sagte Opel-Vertragspartner und Geschäftsführer von Auto-Staiger, Paul Schäfer. "Die Händler haben darüber nachgedacht, was passieren sollte, wenn GM in Amerika Insolvenz anmeldet. Es gibt eine grundsätzliche Bereitschaft, sich an Opel zu beteiligen, einzusteigen, oder Opel zu übernehmen", sagte er. Zuvor hatte bereits die Automobilwoche berichtet, die Händler könnten sich ein derartiges Szenario vorstellen.

Bislang gebe es jedoch weder mit Opel noch mit dessen Mutter General Motors Gespräche über eine mögliche Beteiligung. Zudem kenne der Vertrieb die Finanzkennzahlen des Unternehmens nicht, da die Bilanzen der Tochter nicht einsehbar sind.

Grund für den Vorstoß der Händler dürfte nicht zuletzt ihre Abhängigkeit von dem Autobauer sein. "Wir sind der Meinung, dass Opel erhalten bleiben muss. Wenn Opel verschwindet, könnten wir die nötigen Stückzahlen nicht durch andere Marken erzielen", sagte Schäfer. Zunächst benötige das Unternehmen dringend eine Staatsbürgschaft. "Dann gibt es genügend Zeit, sich noch andere Lösungen zu überlegen", sagte der Opel-Händler.

Opel hatte wegen der drohenden Insolvenz der Mutter GM bei Bund und Ländern um Bürgschaften angesucht, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Darüber soll bis Weihnachten entschieden werden. Viele Experten hatten angesichts der dramatischen Situation von GM eine Herauslösung des deutschen Unternehmens aus dem US-Konzern gefordert. Angesichts der engen Verstrickung von Opel mit GM dürfte dies jedoch schwierig sein.

Davon lassen sich viele potenzielle Interessenten aber nicht abschrecken. Der Chef des Solartechnikkonzerns Solarworld hatte am Mittwoch vorgeschlagen, die deutschen Opel-Werke zu übernehmen. Während viele Fachleute den Vorstoß nicht ernst nahmen, hielt die Börse ein solches Szenario durchaus für möglich. Der Kurs der Solarworld-Aktie brach um bis zu 20 Prozent ein. Allerdings hatte General Motors Solarworld eine Abfuhr erteilt. Opel stehe nicht zum Verkauf, machte das Unternehmen deutlich.

joe/Reuters/DPA / DPA / Reuters