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Hongkong, Panama, Schweiz Wie Bankchef Gulliver sein Geld auf Reisen schickte


Die Swiss-Leaks-Affäre hat nun den Chef der HSBC-Bank persönlich erreicht. Der Bankmanager bunkerte Millionen auf einem Schweizer Konto, das er auf eine Briefkastenfirma in Panama angemeldet hatte.

Stuart Gulliver hatte sich so ins Zeug gelegt, um die Swiss-Leaks-Schäden zu reparieren: Auf ganzseitigen Zeitungsanzeigen entschuldigte sich der Chef der internationalen Großbank HSBC in der vergangenen Woche für Verfehlungen seines Instituts. Schweizer Schwarzgeldkonten und Geschäftsbeziehungen mit Kriminellen - all die bösen Dinge, die im Zuge der Swiss-Leaks aufgedeckt worden waren - gehörten der Vergangenheit an, so die Botschaft des Bankchefs.

Nun muss Stuart Gulliver seine persönliche Vergangenheit erklären. Wie der britische "Guardian" berichtet, war Gulliver selbst Kunde der Schweizer HSBC, die im Zentrum des Skandals um Schwarzgeld-Konten und Geldwäsche steht. 7,6 Millionen Dollar (rund 6,7 Millionen Euro) hatte der Bankchef laut den Recherchen im Jahr 2007 auf dem Schweizer Konto liegen. Damals leitete er die Hongkonger Niederlassung der Bank, 2011 stieg er zum obersten Chef der HSBC auf.

Na und, könnte man entgegnen, darf der Mann etwa kein Konto bei seiner eigenen Bank haben? Natürlich darf er das. Allerdings: Warum schaffte der Brite seine Hongkonger Millionen in die Schweiz? Und warum lief das Konto auf den Namen einer im Schwarzgeldparadies Panama registrierten Gesellschaft namens Worcester Equities?

Boni vor den Kollegen verheimlichen

Für die Reise seines Geldes hat Gulliver folgende Erklärung: Nicht vor neugierigen Finanzbeamten, sondern vor neidischen Kollegen sollten die Millionen, die er als Bonuszahlungen erhalten hatte, verborgen bleiben. "Er wählte dieses Verfahren, damit sein versteuerter Bonus vor den Kollegen in Hongkong geheim bleibt. Das wären sie nicht gewesen, wenn sie auf ein Hongkonger Konto eingezahlt worden wären", erklärten Gullivers Anwälte dem "Guardian". Den Anwälten zufolge hat Gulliver in Hongkong Steuern auf diese Boni gezahlt und sein Schweizer Konto bei den britischen Steuerbehörden angemeldet. Wofür er eine Briefkastenfirma in Panama brauchte, erklärten sie allerdings nicht.

Als Experte in Sachen legaler Steuervermeidung ist Gulliver laut "Guardian" schon länger bekannt: Seinen steuergünstigen Hauptwohnsitz in Hongkong hat er nie aufgegeben, obwohl er bereits seit vier Jahren die Geschicke der HSBC-Zentrale von London aus führt.

Am Montag musste Stuart Gulliver in London erst einmal etwas anderes erklären: Die schlechten Geschäftszahlen der HSBC. Im vergangenen Jahr fiel der Gewinn der Großbank unter anderem wegen einer Reihe von Strafzahlungen um 15 Prozent. Immerhin: Rund 12 Milliarden Euro Gewinn waren das immer noch. Damit lassen sich locker noch ein paar Entschuldigungsanzeigen mehr bezahlen.

Daniel Bakir mit Agenturen

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