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Verdacht auf Geldwäsche Durchsuchungen bei HSBC-Filiale in Genf


Wegen des Verdachts der Geldwäsche hat die Schweizer Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen die eidgenössische Tochter der britischen Großbank HSBC eröffnet. Deshalb gab es eine Hausdurchsuchung.

Nach den Berichten über fragwürdige Finanzpraktiken bei der britischen Großbank HSBC sind die Büros der Genfer Filiale am Mittwoch durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft des Kantons teilte mit, es seien Ermittlungen wegen schwerer Geldwäsche gegen die HSBC Private Bank eingeleitet worden. In Großbritannien schlug die Kritik eines namhaften Journalisten der Zeitung "Daily Telegraph" an deren mangelnder Berichterstattung über den Skandal hohe Wellen.

Die Durchsuchungen des Banksitzes in Genf würden vom Kantons-Staatsanwalt Olivier Jornot sowie Yves Bertossa geleitet, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Ermittlungen könnten auch auf Einzelpersonen ausgeweitet werden. Die Schweizer HSBC erklärte anlässlich der Durchsuchungen, sie werde weiterhin mit den Schweizer Behörden kooperieren.

"Daily Telegraph" berichtete über Anzeigenkunden

Der politische Chefkommentator der britischen Zeitung "Daily Telegraph", Peter Oborne, hatte am Dienstag in einem längeren Internetbeitrag seine Kündigung öffentlich gemacht, die er bereits im Dezember wegen seiner Bedenken über den wachsenden Einfluss der Anzeigenabteilung auf journalistische Inhalte eingereicht habe. Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil er das jüngste Verhalten seines Blatts zu den als "Swissleaks" bekannten Enthüllungen als skandalös empfinde, schrieb er auf der Website openDemocracy.

Oborne warf dem "Daily Telegraph" vor, die Enthüllungen weitgehend unterschlagen zu haben. Während sie international für Schlagzeilen gesorgt hätten, "brauchte man ein Mikroskop", um im "Telegraph" Berichte darüber zu finden, schrieb Oborne. In den sozialen Netzwerken erhielt er weitgehend Unterstützung für seine Kritik.

Der "Daily Telegraph" wies die Vorwürfe als "haltlosen Angriff" zurück: Die Kritik sei voller "Andeutungen und Ungenauigkeiten", die Zeitung habe stets penibel auf die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen geachtet.

Geschäfte mit Waffenhändlern und Schmugglern

Ein internationales Recherche-Netzwerk hatte am 9. Februar Schwarzgeld-Konten und Geschäfte mit Waffenhändlern und Schmugglern bei der Schweizer HSBC öffentlich gemacht. Den Recherchen zufolge half die Bank in der Vergangenheit weltweit zehntausenden Kunden, darunter bekannte Diktatoren und Kriminelle, rund 180 Milliarden Euro vor den Steuerbehörden zu verstecken.

Zu dem Recherchenetzwerk gehört auch die britische Zeitung "The Guardian". Diese berichtete am Mittwoch, dass die HSBC noch vor Veröffentlichung der Rechercheergebnisse ihre Anzeigen beim Mutterhaus, Guardian News and Media, ausgesetzt habe.

Die Schweizer Filiale der HSBC hatte sich nach den Enthüllungen von den kritisierten Praktiken distanziert. Seit 2008 habe die Bank einen radikalen Umbau vorgenommen, um zu verhindern, dass ihr Service für Steuerhinterziehung oder Geldwäsche genutzt werde, erklärte ihr Chef Franco Morra. Neue Manager hätten die Geschäftspraktiken grundlegend überarbeitet und Konten von zweifelhaften Kunden geschlossen. Zu den Vorwürfen Obornes wollte sich die HSBC zunächst nicht äußern.

jen/AFP AFP

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