Thyssenkrupp- Konzernchef Schulz abgelöst Hiesinger, übernehmen Sie


Mit Heinrich Hiesinger übernimmt erstmalig ein konzernfremde Manager die Leitung des durch die Wirtschaftskrise schwer angeschlagenen Stahlgiganten. Der 49-Jährige arbeitete bislang beim Elektrokonzern Siemens.

Mit Neuanfängen hat Heinrich Hiesinger bei Siemens Erfahrungen gesammelt: Bei seiner Berufung in den Vorstand des Elektrokonzerns Mitte 2007 war der mittlerweile 49-jährige Manager in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Seither arbeitete Hiesinger mit am tiefgreifenden Konzernumbau bei Siemens und verantwortet das wichtige Industriegeschäft als eines der drei Standbeine des Elektrokonzerns. Jetzt soll er den Stahlgiganten Thyssenkrupp wieder flottmachen, der im vergangenen Geschäftsjahr Milliardenverluste schrieb. Die Regie bei dem überraschenden Karrieresprung dürfte vor allem Gerhard Cromme geführt haben. Als Chefaufseher bei Siemens und Thyssenkrupp hält er die Fäden in der Hand.

Hiesinger gilt als typisches "Siemens-Gewächs" mit grundsolider Karriere bei dem Elektrokonzern, in den er 1992 eintrat. Schon der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der als Aufsichtsratsvorsitzender später über den milliardenschweren Schmiergeld-Skandal stürzte, soll seine Potenziale erkannt und gefördert haben. Nach verschiedenen Stationen im damaligen Bereich Energieübertragung und -verteilung, unter anderem auch in Indonesien und in der Schweiz, wurde Hiesinger im Oktober 2000 Chef des Bereichsvorstands von Power Transmission and Distribution. 2003 übernahm er den Vorsitz des Bereichsvorstands der Siemens- Gebäudetechnologie, bevor er 2007 in den Vorstand eintrat.

Der Schritt galt seinerzeit auch als Signal an die Beschäftigten, dass bei dem vom Korruptionsskandal erschütterten Konzern auch altgediente Siemensianer Chancen auf Führungspositionen haben. Geschäftlich musste der Mann mit dem freundlichen Lächeln und der bodenständigen und zurückhaltenden Art auch unpopuläre Entscheidungen durchsetzen. Zuletzt verkündete er Ende Januar den Abbau von rund 2000 Arbeitsplätzen im Industriegeschäft in Deutschland, was seit Wochen für Proteste der Beschäftigten sorgt.

Privat erholt sich Hiesinger gerne bei Motorradausflügen und beim Tanzen. Der Manager, der auf einem Bauernhof aufwuchs, ist zum zweiten Mal verheiratet und hat gemeinsam mit seiner Frau vier Kinder. Bei den Mitarbeitern gilt er als durchaus anspruchsvoller, aber auch umgänglicher Chef, der sich regelmäßig per Videokonferenz dem Gespräch mit Beschäftigten stellt. "Ich bin keiner dieser Vertreter, bei denen man Pluspunkte sammeln kann, indem man auf seinen Urlaub verzichtet", sagte Hiesinger einmal in einem Interview.

DPA DPA

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