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Treibstoffpreise: Die Spekulanten reiben sich die Hände

Wer ist schuld an den hohen Treibstoffpreisen? Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? Im stern.de-Interview beantwortet Heino Elfert, Herausgeber des unabhängigen Informationsdienstes EID, diese Fragen und verrät, wie sich private Verbraucher helfen können.

Herr Elfert, der Preis für Super-Benzin lag bei etwa 1,49 Euro pro Liter, die selbe Menge Diesel kostete in der vergangenen Woche etwa 1,37 Euro. Wann ist ein Ende des Preisanstiegs zu erwarten?
Wahrscheinlich werden die Kraftstoffpreise an den deutschen Tankstellen und die Heizölpreise im Laufe des ersten Quartals nächsten Jahres wieder etwas absinken – weil sich die Lage auf dem Ölmarkt entspannen dürfte; es sei denn, die geopolitischen Risiken verschärfen sich.

Kam es nicht überraschend, dass die Preise so schnell anstiegen?


Die Internationale Energieagentur hatte schon zuvor gewarnt, dass wir im vierten Quartal beim Rohöl in eine Marktenge geraten werden, zeitweise hat die Nachfrage das Angebot überschritten. Das Besondere für den deutschen Verbraucher ist aber, dass der Preis für Diesel sehr schnell angestiegen ist. Hier wurde der bisherige Rekordpreis um 16 Cent übertroffen, der von Benzin aber nur etwa um drei Cent.

Warum zieht der Dieselpreis so stark an?
Weil er zu den sogenannten Winterprodukten gehört, die Nachfrage nach Heizöl und Diesel - beides sehr ähnliche Produkte - ist im Winter besonders stark. Im Frühjahr und im Sommer dagegen nimmt die Nachfrage nach Benzin stark zu. Aber wie kommen denn nun die hohen Treibstoffpreise zustande?
Der Preis an den deutschen Tankstellen wird vor allem vom Rotterdamer Beschaffungsmarkt bestimmt und der wiederum von den Rohölpreisen. In Rotterdam kaufen unter anderem die unabhängigen deutschen Mineralölhändler ein, die zu 25 Prozent zur deutschen Versorgung beitragen.

Und auf dem Ölmarkt kann auch spekuliert werden.


Ja. Wenn wir uns schon im verbrauchsstärksten Quartal eines jeden Jahres befinden und dann noch politische Konflikte im Irak, Iran und nun auch noch Pakistan bestehen, dann reiben sich Spekulanten die Hände. Hedgefonds und andere Finanzinstitute wetten darauf, dass der Markt weiter nach oben geht.

Sind also nur die Spekulanten schuld an den hohen Ölpreisen?


Nein. Entscheidend ist die enge Marktsituation. Aber ohne die Spekulation würden die Rohölpreise sicherlich um 20 bis 30 Dollar je Barrel niedriger sein.

Wie viel trägt der Staat zum hohen Benzinpreis bei?


Wenn man die Mehrwert-, Mineralöl- und die Ökosteuer zusammenzählt, kommt man auf etwa 90 Cent pro Liter. Das bedeutet, ohne sie hätten wir einen Treibstoffpreis von circa 50 bis 60 Cent.

Angesichts der Treibstoffpreise mehren sich die Forderungen nach einem Absenken der Mineralölsteuer.
Wenn wir an eine europäische Steuerharmonisierung denken, würden die deutschen Steuern mit Sicherheit abgesenkt werden müssen. Im EU-Vergleich sind wir mit den Tankstellenpreisen auf dem dritten oder vierten Platz. Vor Steuern hingegen befindet sich Deutschland im unteren Bereich. Im Vorgriff auf eine Steuerharmonisierung macht diese Forderungen Sinn.

Wer zählt zu den großen Gewinnern der hohen Ölpreise?


Die Ölförderstaaten, die Ölkonzerne, die mit enormen Gewinnen Öl produzieren und verarbeiten, sowie der Staat, der an der Mehrwertsteuer partizipiert. An der Tankstelle wird dagegen wenig Geld verdient.

Einziger Verlierer bleibt also der private Verbraucher?


Leider ist das so.

Was kann er machen?


Er kann auf Autogas oder Erdgas umsteigen. Das sind beides Energieträger, die billiger als Diesel und Benzin sind. Nur ist das auch mit einer Investition verbunden. Außerdem variieren die Preise an den Tankstellen sogar lokal manchmal bis zu 6 Cent je Liter. Auf den Preis zu achten, kann sich also lohnen. Man kann aber auch je nach Möglichkeit auf die Bahn umsteigen, wenn sie denn fährt.

Sofern die Lokführer nicht streiken. Hat der Arbeitskampf der GDL denn Auswirkungen auf die Treibstoffpreise?


Nein, nur wenn der Gütertransport lange bestreikt wird. Diesen Einfluss halte ich aber für marginal relativ zu dem, was auf dem Weltmarkt passiert.

Wie wird sich der Rohölpreis in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln?


Das ist schwer zu sagen. Es kann durchaus sein, dass die 100-Dollar-Grenze pro Barrel kurz durchbrochen wird. Da spricht vieles dafür, die Spekulation drängt ja geradezu darauf.

Erreichen wir die 1,50-Marke bei Euro-Super-Benzin beziehungsweise die 1,40-Marke bei Diesel?


Wir sind sehr nahe an diesem Niveau. Es ist daher keine große Kunst vorherzusehen, dass derartige Preise möglich sind.

Interview: Alexander Zeuner
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